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27.11.2014

02:35 Uhr

Entwaldung

Regenwald-Zerstörung bleibt dramatisch

Fast 5000 Quadratkilometer Regenwald sind seit August 2013 zerstört worden. Das sind 18 Prozent weniger als im Vorjahr, meldet das Institut für Raumfahrtforschung. "Kein Grund zur Freude", sagen Umweltorganisationen.

90 Satelliten-Fotos sollen zeigen, dass sich die Regenwald-Zerstörung seit August 2013 verlangsamt hat. Umweltforscher sehen darin keinen Grund zur Freude. AFP

90 Satelliten-Fotos sollen zeigen, dass sich die Regenwald-Zerstörung seit August 2013 verlangsamt hat. Umweltforscher sehen darin keinen Grund zur Freude.

BrasiliaDie Zerstörung des für das Weltklima wichtigen Amazonas-Regenwaldes geht zwar weiter, aber mit vermindertem Tempo. In Brasilien, dem wichtigsten und größten der neun Amazonas-Länder, fielen von August 2013 bis Juli 2014 schätzungsweise 4848 Quadratkilometer Regenwald Motorsägen oder Brandrodung zum Opfer. Das waren 18 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2012/2013 (5891 Quadratkilometer), wie das Institut für Raumfahrtforschung (INPE) am Mittwoch mitteilte. Doch die vernichtete Fläche ist immer noch fast zweimal so groß wie das Saarland.

Die Angaben beruhen auf der Auswertung von rund 90 Satelliten-Fotos und können laut INPE um bis zu 10 Prozent abweichen. Konsolidierte Daten sollen erst in den nächsten Monaten vorgelegt werden.

Die Rate war die zweitniedrigste seit Beginn der Kontrollen im Jahr 1988. Nur 2011/2012 war sie mit 4571 Quadratkilometern geringer. Da die Vegetation Kohlenstoffdioxid aufnimmt und unter anderem in Sauerstoff umwandelt, ist die Regenwaldzerstörung in Brasilien eine der Hauptursachen für klimaschädliche CO2-Emissionen.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Die Umweltschutzorganisation WWF zeigte sich skeptisch. „Die Entwaldung im Amazonas ist laut offiziellen Zahlen zurückgegangen, einen Grund zum Feiern gibt es jedoch nicht. Die Situation bleibt dramatisch“, warnte WWF-Brasilien-Referent Roberto Maldonado. Angesichts der erstarkten Agrarlobby sei für die Zukunft nichts Gutes zu erwarten. „Statt das Land auf einen Weg der nachhaltigen Entwicklung zu bringen, kreischen weiter die Kettensägen - mit langfristig fatalen Folgen für Umwelt, Klima und Wirtschaft“, erklärte Maldonado.

Für August und September 2014 hatten brasilianische Medien zuletzt über einen deutlichen Anstieg der Abholzung von insgesamt 122 Prozent berichtet. Konterkariert werden die jüngsten Zahlen des INPE auch von einer kürzlich vorgelegten Studie der Nichtregierungsorganisation „Observatório do Clima“. Danach emittierte Brasilien 2013 in CO2-Äquivalenten gerechnet 1,57 Milliarden Tonnen Treibhausgase und damit 7,8 Prozent mehr als 2012. Ein wichtiger Grund dafür war auch die Zunahme der Abholzung im Amazonas-Regenwald.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Dr. Christian Kus

27.11.2014, 07:58 Uhr

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