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08.08.2016

10:47 Uhr

Erdüberlastungstag

Ab heute lebt die Menschheit auf Pump

Mit dem heutigen Tag hat die Menschheit mehr Ressourcen verbraucht, als die Erde im ganzen Jahr 2016 eigentlich bereitstellen kann. Deutschland hatte seinen nationalen „Überlastungstag“ sogar schon viel früher.

Ab heute hat die Menschheit mehr Ressourcen verbraucht, als die Erde 2016 regenerieren kann. dpa

Braunkohlekraftwerk

Ab heute hat die Menschheit mehr Ressourcen verbraucht, als die Erde 2016 regenerieren kann.

BerlinAb diesem Montag lebt die Menschheit auf Öko-Pump. Nach den Berechnungen von Umweltorganisationen hat sie 2016 bereits mehr Ressourcen für Nahrung, Wasser oder Energie verbraucht, als die Erde im ganzen Jahr regenerieren kann. Für den Rest des Jahres lebe die Menschheit von den Reserven des Planeten, teilte die Umweltstiftung WWF mit.

Damit ist das Öko-Konto noch ein wenig früher ins Minus gerutscht als 2015, als die Ressourcen bis zum 13. August reichten. Die Folgen von überfischten Ozeanen, gerodeten Wäldern und hohem Kohlendioxid-Ausstoß sind unter anderem der Rückgang der Artenvielfalt und der Klimawandel.

„Seit über dreißig Jahren häufen wir jährlich neue Schulden an“, warnt WWF-Vorstand Eberhard Brandes. „Wir müssen endlich einen Weg finden, in den natürlichen Grenzen unseres Planeten zu leben und zu wirtschaften. Das ist die größte Herausforderung unserer Zeit.“

Die Berechnungen zum Erdüberlastungstag gehen auf das Konzept des Ökologischen Fußabdrucks zurück. Er weist aus, wie groß die Erde sein müsste, um alle momentanen Bedürfnisse der Menschheit dauerhaft zu befriedigen und daraus entstehende Abfallprodukte sowie CO2 biologisch zu verarbeiten. Nach diesen Berechnungen ist die Erde deutlich zu klein: Beim derzeitigen Ressourcenverbrauch bräuchten wir eigentlich 1,6 Planeten.

Deutschland bräuchte eigentlich drei Erden

Großen Einfluss auf den Ökologischen Fußabdruck haben zum Beispiel der Wasserverbrauch, die Lebensmittelproduktion, Wohnen und Brennstoffe. Da die Fläche der Erde endlich ist, kann der Blaue Planet nur einen bestimmten Ressourcenverbrauch im Jahr ohne Schäden verkraften. Ab Montag hat der globale Verbrauch diese Schwelle überschritten.

Deutschland hat sein ökologisches Länderkonto in diesem Jahr bereits am 28. April überzogen. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation Germanwatch lag das vor allem am hohen Kohlendioxid-Ausstoß bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas für Energie und Verkehr.

Dem erzeugten Kohlendioxid wird bei den Berechnungen die Fläche der deutschen Wälder und Meere gegenübergestellt, die das entstandene Gas aufnehmen können. Für Schulden auf dem heimischen Öko-Konto sorge darüber hinaus die industrielle Landwirtschaft mit ihrem hohen Flächenbedarf, vor allem für die Fleischproduktion.

Würden alle Menschen so leben und wirtschaften wie die Deutschen, wären drei Erden notwendig, um den Bedarf an Ressourcen zu decken, errechneten die Umweltschützer. Bei einem weltweiten Konsum- und Lebensstil wie in den USA wären sogar 4,8 Erden nötig – bei einem Leben wie in Indien dagegen nur 0,7.

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