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08.06.2011

09:27 Uhr

Ernährung

Warum man mit ruhigem Gewissen Fleisch essen kann

VonThorsten Giersch

Das Bakterium Ehec verwirrt Verbraucher: War Gemüse gestern noch gesund und moralisch überlegen, wird nun Fleisch wieder zur Alternative. Zum Glück gibt es Tipps, wie man ohne schlechtes Gewissen zum Steak greifen kann.

Fleischproduktion ist nicht schön anzuschauen: Übrigens gibt es keine andere Branche, in der die Mitarbeiter-Fluktuation so hoch ist. Quelle: dpa

Fleischproduktion ist nicht schön anzuschauen: Übrigens gibt es keine andere Branche, in der die Mitarbeiter-Fluktuation so hoch ist.

DüsseldorfAchtung! Wer gern Fleisch isst, sollte hier weiter lesen. Theresa Bäuerlein will nicht bekehren und ruft auch nicht zum Massen-Vegetarismus auf. Die Journalistin, Jahr 1980, hat mit ihrem Buch „Fleisch essen, Tiere lieben“ ganz andere Ziele.

Bäuerleins Kernthese lautet: Vegetarier sind keine besseren Menschen. Der Verzicht auf Fleisch allein führt nicht zu einer nachhaltigen Produktion von Nahrungsmitteln. Der Untertitel des Buches „Wo Vegetarier sich irren und was Fleischessen besser machen können“ verspricht allerdings mehr, als die 150 Seiten halten. Bäuerlein springt grundsätzlich auf einen Zug auf, den vor allem Jonathan Safran Foer ins Rollen gebracht hat. Sein im August 2010 auf Deutsch erschienendes Buch „Tiere Essen“ landete auf Nummer eins der Ranglisten und hat weltweit eine intensive Diskussion über Fleischproduktion und –verzehr angestoßen. Mitten hinein stieß dann Karen Duve mit ihrem viel besprochenen Buch „Anständig essen: ein Selbstversuch“.

Theresa Bäuerlein will nun einen Schritt weitergehen: Wer sich moralisch einwandfrei ernähren will, muss sehr viel mehr beachten, als „nur“ auf Fleisch zu verzichten. „Ein bewusster Fleischkonsument kann Umwelt, Gesundheit und Klima mindestens ebenso viel helfen, wie ein Vegetarier oder sogar Veganer“, schreibt sie.

Warum Fleischessen schädlich ist

Dürfen wir töten?

Schweine haben ein höheres Schmerzempfinden als zum Beispiel Hunde. Dennoch mutet die Massentierhaltung und vor allem die industrielle Schlachtung den Tieren entsetzliche Schmerzen zu. Dürfen wir Menschen andere Lebewesen so behandeln? Noch muss das jeder Mensch für sich selbst entscheiden, aber die Tierschutzgesetze werden allmählich strenger.

Fleischkonsum mehrt den Welthunger

Rund 840 Millionen Menschen leiden weltweit unter Hunger. Dabei fressen in der heutigen Massentierhaltung Nutztiere Unmengen an Getreide. Dabei sind zum Beispiel Rinder darauf geeicht, Gras zu fressen, was Menschen unmöglich ist. Doch die Produktionsmethoden kippen den eigentlich so idealen Ausgleich um.

Vegetarier leben gesünder?

Vegetarier leben länger und gesünder, da sie wenige Fette zu sich nehmen. Bäuerlein will diese klassische Aussage entlarven: So würden Vegetarier keineswegs gesünder leben als Fleischesser. Alles ist eine Frage der Menge, das gelte für den Verzehr von pflanzlichen Produkten aber genauso wie für den von Fleisch.

Fleischproduktion ist klimaschädlich

Kühe rülpsen Unmengen an Methan aus, ein sehr schädliches Klimagas. Der Anteil der Viehzucht am Gesamtausstoß an Treibhausgasen liegt bei 18 Prozent, wie die Welternährungs-Organisation FAO errechnete. Das ist deutlich mehr als zum Beispiel der Verkehr, also alle Autos, Schiffe und Flugzeuge zusammen.

Die Umweltschäden sind erheblich

Außerdem verbraucht die Produktion von Fleisch enorm viel Wasser. Dazu kommen die Gülleseen, die vor allem in Nord- und Südamerika zu erheblichen Umweltverschmutzungen beitragen. Es geht nicht nur um Ammoniak-Gase. In den Exkrementen sind Rückstände von Medikamenten enthalten.

Dabei lässt die ehemalige Vegetarierin keinen Zweifel an der Schädlichkeit des Fleischkonsums für die Umwelt aufkommen. Im Detail seziert Bäuerlein die verschiedenen negativen Folgen der heutigen Fleischproduktion und sagt klipp und klar, dass es so nicht weitergehen kann. Wobei Fachleute damit rechnen, dass ich der weltweite Fleischverbrauch bis 2050 sogar noch verdoppeln wird.

Soweit, so bekannt. Das haben auch andere Autoren schon geschrieben. Bäuerleins eigene Leistung ist der Beweis, dass Vegetarier und Veganer auch keine Engel sind. Sie untersucht den Pflanzen-Anbau und kommt zu dem Schluss, dass auch der alles andere als nachhaltig ist. Schließlich geht es ohne den intensiven Einsatz von Kunstdünger weder heute noch morgen.

Kommentare (11)

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Umlauteverbietenistdoof

08.06.2011, 11:01 Uhr

Schon lustig, was da so zusammengelogen wird. Aber das ist man im Zusammenhang mit der Ernährungsmafia gewohnt. Letztlich isst der Mensch das, was er will. Argumente sucht er sich dementsprechend aus, so wie sie eben dem eigenen Ernährungsstil entsprechen. Wer gerne Wein trinkt, der hält Wein eben für gesund und ignoriert alle gegenteiligen Argumente. Frau Bäuerleins Buch ist nicht objektiver als manche Veganer-Kampfschrift, sondern lediglich ein Propagandawerk für die Fleischmafia. Wer das gerne hört, der freut sich, wer den Verzehr tierischer Produkte für ein Verbrechen hält, der ärgert sich. Ein Beitrag zu einer vernünftigen Ernährung ist das Buch nicht.

sven

08.06.2011, 12:33 Uhr

da in der EU keine pflicht zur Kennzeichnung von geklonten Fleich oder gentechnich behandelten Pflanzen besteht,was für mich einen absolute schweinerei ist,kaufe ich schon lang kein Supermarktfleich oder Gemüse mehr.Meine Bauern aus der nähe freuen sich darüber und ich weis was ich esse.

Account gelöscht!

08.06.2011, 12:36 Uhr

Die Fleischindustrie wittert jetzt Morgenluft. Das beseitigt aber nicht die weltweiten Probleme, die mit der Massentierhaltung definitiv verbunden sind. Z. B. allein in den USA sind schon etliche Menschen an E-Coli Bakterien im Hamburger-Fleisch gestorben, wegen falscher Ernahrungsweise der Rinder.

Solange die Tierhaltung auf Masse ausgelegt ist und die Tiere mit Medikamenten (u. a. Antibiotika) vollgestopft werden oder mit unnatürlicher Nahrung gefüttert werden (Mais, Soja, Fischmehl, Reste aus Tierkadavern ect.), kann von "ruhigem Gewissen" nicht die Rede sein. Im Gegenteil, das eine Disaster kaschiert das andere!

Warten wir erst einmal ab, was die EHEC-Epedemie wirklich ausgelöst hat. Erst dann kann man wirklich beurteilen, ob die momentane Hysterie bei Gemüse wirklich begründet ist oder nicht.

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