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12.10.2011

11:09 Uhr

Erneuerbare einmal billiger

So könnte die Energiewende zum Schnäppchen werden

VonKlaus Stratmann

Die Kritik an der massiven Förderung der erneuerbaren Energien ist heftig - und offenbar auch berechtigt. Denn eine Studie rechnet nun vor, dass sich mit der richtigen Strategie Milliarden einsparen ließen.

Von der Offshore-Windkraft verspricht die Bundesregierung sich viel. dpa

Von der Offshore-Windkraft verspricht die Bundesregierung sich viel.

BerlinJahr für Jahr zahlen die Stromverbraucher große Summen für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Die starken Anstiege der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) haben dabei immer wieder heftige Kritik ausgelöst. Allein im vergangenen Jahr belief sich die EEG-Umlage auf knapp 13 Milliarden Euro, nachdem sie zum Jahresbeginn 2011 von gut zwei Cent je Kilowattstunde Strom auf 3,5 Cent erhöht worden war – eine Steigerung um 70 Prozent.

Am kommenden Freitag wird die Umlage für 2012 bekanntgegeben. In der Branche heißt es, der Wert dürfte voraussichtlich noch höher als in diesem Jahr liegen und damit den Preis für erneuerbare Energien weiter verteuern.

Dabei ließen sich allein zwischen 2012 und 2020 mehr als zehn Milliarden Euro einsparen, ohne den Ausbau der Erneuerbaren zu bremsen. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende Studie der „100 Prozent erneuerbar“-Stiftung, deren Ergebnisse von der Wissenschaft bestätigt werden.

Damit erfasst das Umdenken bei der Förderung des Ökostroms die Branche selbst: Die Stiftung wird von Privatpersonen getragen, die ihr Geld mit erneuerbaren Energien verdienen. Die Autoren der Studie fordern, den Vergütungssatz für Solar- und Windstrom zu reduzieren und die Höhe der Vergütung stärker an den Standortbedingungen zu orientieren.

Ein weiterer Bestandteil der geforderten Reform des Vergütungssystems besteht darin, komplett auf den geplanten Ausbau der Windkraft auf dem offenen Meer zu verzichten. Diese Forderung steht in krassem Widerspruch zu den Plänen der Bundesregierung, die sich von der Offshore-Windkraft viel verspricht.

Die EEG-Förderung ist seit geraumer Zeit in der Diskussion. Kritiker nehmen insbesondere Anstoß an der Höhe der Vergütung für Solarstrom. Nach Ansicht von Fachleuten müssen die erneuerbaren Energien außerdem stärker nach Marktmechanismen funktionieren. Erst Mitte September hatte die Monopolkommission, die die Bundesregierung in Fragen des Wettbewerbsrechts berät, sogar eine Abschaffung der festen Vergütungen gefordert.

Das System der festen Einspeisevergütungen ist Garant für den schnellen Ausbau der Erneuerbaren. Mittlerweile kommen 20 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Quellen.

Kommentare (9)

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Alfred_H

12.10.2011, 12:04 Uhr

Schlaue Idee. Windkrafträder sollen nicht da gebaut werden, wo der Wind bläst, sondern überall. Da wo nicht genug Strom erzeugt wird, müssen dann halt mehr Subventionen zum Ausgleich fließen. Das klingt so logisch. Heißt im Umkehrschluss, dass wir Solarzellen nicht nur auf den Dächern installieren sollten, sondern auch im Keller. Dann haben wir nochmehr nutzbare Fläche verwertet. Mangelnde Stromgewinnung können wir den "Kellerbetreibern" einfach durch höhere Einspeisevergütungen ausgleichen. Mit den Vergütungen können wir den Strom praktisch aus der Luft gewinnen. Sogar dann, wenn kein Wind über ganz Deutschland weht und auch keine Sonne scheint. Einfach für diesen Zeitraum alle Verbraucher, egal ob privat oder gewerblich, so lange stilllegen und den Wind- u. Solarstromerzeugern den Einnahmenausfall vergüten. Die Anderen sollen sehen, wo sie bleiben. So einfach ist das alles. Gut, dass es ein paar schlaue Wissenschaftler gibt, die sich die Welt malen, wie sie sich diese vorstellen.

CEFA

12.10.2011, 12:32 Uhr

Planwirtschaft statt Marktwirtschaft

Das EEG in seiner heutigen Form ist gescheitert.
Es hat zur Bildung einer Industrie geführt, deren zentrales Geschäftsmodell nicht die Entwicklung wettbewerbsfähiger Produkte ist, sondern die breite Nutzung von Subventionen.

Als übelster Fall sei hier exemplarisch die PV Branche erwähnt. Die Produktnachfrage wird per EEG generiert, die Ansiedlung per EU Struckturfonds und die Personalkosten über Zuschussprogramme der ARGE'n gesenkt.

Die EEG Subvention wird für alle PV Produkte gleichermassen gewährt. Dadurch ist es lukrativer in den Ausbau alter Technologien zu investieren (bzw. gleich zu importieren) als neue Technologien zu entwickeln.

Die Koppelung der Förderung an die Anzahl der Arbeitsplätze macht es lukrativer Manufakturen aufzubauen als in die Automatisierung zu investieren.

Im Ergebnis haben wir uns damit eine Industrie geschaffen, die in einem Hochlohnland alte Technik in Manufakturen herstellt.

Diese Todgeburt kann nur per Subventionen weiterleben woraus sich die Konsequenz ergibt das EEG komplett neu zu überdenken oder ganz zu entsorgen.

Wenn EEG dann muss die Entwicklung von Technologien/Produkten gefördert werden, deren Stromerzeugung im freien Wettbewerb konkurenzfähig ist und nicht eine Industrie die nur mit Dumpinglöhnen plus Subventionen überhaupt leben kann.

Das Problem der Netzkapazitäten wird viel zu sehr auf die Kapazität der Stromleitungen begrenzt. Wandelt man die Elektrizität der Offshoreanlagen mittels Elektrolyse in Wasserstoff um, so stehen für den Energietransport ausreichende Kapazitäten durch das vorhandene Gasnetz zur Verfügung und gleichzeitig wird damit regenerative Energie on demad verfügbar.

Der Vorschlag die EEG Vergütung an den Einsatzort zu koppeln ist aus meiner Sicht so krude wie die ganze EEG Förderung bisher.

CEFA

12.10.2011, 12:54 Uhr

Alter Zyniker,
Sie haben völlig Recht nur mit den "Wissenschaftlern" auf die Falschen geschossen.

Die ganze Branche ist es von je her gewöhnt sich per Subventionen füttern zu lassen (bös gesagt unser kleines Griechenland). Die haben mit ihrer Mentalität des "versorgen lassens" soviel erbettelt das sie jetzt tatsächlich glauben sie wären Leistungsträger unserer Volkswirtschaft. Von den reichlichen Subventionen haben sie sich, nach dem Vorbild aller anderen Branchen, think tanks gebastelt die nun fleissig "wissenschaftliche" Arbeiten produzieren.

Im Bereich regenerativer Energie gibt es nur sehr wenige marktorientierte Unternehmer aber sehr viele, bei öffentlichen Einrichtungen (FH's, Unis, Fraunhofer) beschäftigte Wissenschaftler, die hoch interessante Arbeit leisten.

Ich bin nun wirklich kein Fan öffentlicher Leistungen aber in der Branche ist alles auf den Kopf gestellt worden. Hier sind die meisten Unternehmer Schnorrer und die öffentliche Hand der Leistungsträger. Alles traurig für einen wie mich, der sich seit 35 Jahren für die Nutzung der regenerativen Energie einsetzt.

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