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07.03.2011

07:54 Uhr

Erneuerbare Energien

Schwimmendes Wasserrad soll Energie liefern

In Mecklenburg erleben Wissenschaftler derzeit ihr „blaues Wunder“. Das gleichnamige Mini-Wasserkraftwerk, das hier getestet wird, soll einmal in Entwicklungsländern Strom produzieren.

Das schwimmende Strömungskraftwerk soll Wasserkraft auch da nutzbar zu machen, wo Höhen- oder Druckunterschiede der Gewässer sehr gering sind. Quelle: dpa

Das schwimmende Strömungskraftwerk soll Wasserkraft auch da nutzbar zu machen, wo Höhen- oder Druckunterschiede der Gewässer sehr gering sind.

Bei eiskaltem Winterwetter tauchen die stählernen Schaufeln der blauen Wassermühle ins klare Nass der Warnow. Mit gerade einmal fünf Umdrehungen je Minute läuft das schwimmende Kraftwerk eher bedächtig in dem etwas trägen Flüsschen. In der flachen Landschaft nahe dem mecklenburgischen Sternberg, wohin sich sonst allenfalls Paddler oder Angler verirren, haben Wissenschaftler derzeit ihr Quartier aufgeschlagen. In Schneejacken und Pudelmützen hocken sie, Laptops auf den Knien, am Warnowufer und verfolgen gespannt die Stromkurve ihres „blauen Wunders“.

In dem europaweiten Forschungsprojekt „Hylow“ (Hydropower Converter for Very Low Head Differences - Wasserkraftwerk für sehr niedriges Gefälle) suchen Wissenschaftler nach Wegen, Wasserkraft auch da nutzbar zu machen, wo Höhen- oder Druckunterschiede der Gewässer sehr gering sind. Ziel ist die Entwicklung günstiger und umweltfreundlicher Wasserkraftwerke für geringe Höhenunterschiede oder langsam fließende Gewässer mit Geschwindigkeiten von nur ein bis zwei Metern pro Sekunde.

An der europäischen Entwicklung eines „Free Stream Energy Converters“ - eines schwimmenden Strömungskraftwerks im Mini-Format - sind von 2008 bis 2012 zehn Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft unter Federführung der Universitäten Southampton (Großbritannien) und Rostock beteiligt. Ohne Gefälle oder gar künstliche Staudämme soll so ein Kleinstwasserkraftwerk etwa aus der natürlichen, leichten Strömung flacher Flüsse Energie für ein bis zwei Familien liefern, wie der Projektverantwortliche Frank Weichbrodt erläutert. Das Baumaterial spiele dabei keine Rolle. Stahl, Kunststoff oder auch Holz seien möglich, erklärt Weichbrodt.

Vorbilder für solche Wasserräder gab es bereits in der Antike etwa vom römischen Architekten Vitruvius. Das Mecklenburger Modell, das bis Ende März in der Warnow und im September dann unter Tidenbedingungen in der Ems in Niedersachsen getestet wird, bringt mit eineinhalb Metern Höhe bei einer langsamen Fließgeschwindigkeit von nur gut einem Meter je Sekunde eine elektrische Leistung von 750 Watt.

Kommentare (1)

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herbert1949

07.03.2011, 08:54 Uhr

Na dann hoffen wir mal das unsere Bürokraten da keine Strich durch machen und die breitere Nutzung dieser längst überfälligen Idee verhindern. So etwas könnte Massenhaft ohne weiteres auf jedem großen Strom (Rhein etc.) ohne Behinderung der Schiffahrt eingesetzt werden.

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