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22.09.2012

10:36 Uhr

Erneuerbare Energien

Schwimmkurs für Windräder

VonSteffen Ermisch

Windkraft vom Meer: Anlagen vor den Küsten der USA, Japans und Europas sollen bald gigantische Strommengen erzeugen. Das Engagement auf hoher See steigt - doch die Projekte sind wegen hoher Auflagen kostspielig.

In über 25 Projekten weltweit arbeiten Forscher und Unternehmen daran, Windrädern das Schwimmen beizubringen. dpa

In über 25 Projekten weltweit arbeiten Forscher und Unternehmen daran, Windrädern das Schwimmen beizubringen.

KölnEs ist ein Mammutprojekt an einem ganz besonderen Ort: Mehrere Dutzend Kilometer vor der Küste von Fukushima werden 143 Türme aus dem Wasser ragen. Im heftigen Seewind drehen sich an ihnen je drei Rotorblätter - jedes 80 Meter lang. Zwischen Wasserlinie und dem Meeresgrund liegen 100 bis 150 Meter. Ankerleinen halten die schwimmenden Kraftwerke trotz der großen Tiefe in Position. Von einer zu Wasser gelassenen Transformatorstation transportiert ein Unterseekabel den Strom an Land.

Noch existiert das Windidyll nur auf dem Papier. Doch wenn die Planer ihren ambitionierten Zeitplan einhalten, könnte der Offshore-Windpark in acht Jahren Realität sein. Fukushima soll dann nicht mehr für eine nukleare Katastrophe stehen, sondern für die grüne Zukunft des Landes. Mit 129 Millionen Euro fördert die Regierung das Projekt. Aus der Industrie sind Giganten wie Mitsubishi, Nippon Steel und Hitachi beteiligt.

Außer vor Fukushima sind in Japan an sieben weiteren Standorten Offshore-Windanlagen geplant. Weil die Küsten des Inselstaats steil sind, setzen die Ingenieure auf schwimmende Fundamente, die nicht in den Meeresboden gerammt werden müssen.

Die Japaner setzen sich damit an die Spitze eines internationalen Trends: In über 25 Projekten weltweit arbeiten Forscher und Unternehmen daran, Windrädern das Schwimmen beizubringen.

„Schwimmende Gründungen sind kein Nischenthema mehr für die akademische Forschung, sondern ein wachsender, internationaler Wirtschaftsbereich“, sagt Annette Bossler. Die deutsch-amerikanische Unternehmensberaterin erstellt seit zwei Jahren einen Bericht zum Thema, der ständig umfangreicher wird. Die Expertin prognostiziert: „Ab 2017 werden die ersten Anlagen in die kommerzielle Serienproduktion gehen.“

Kommentare (1)

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vandale

23.09.2012, 21:25 Uhr

Windmühlen an Land erzeugen einen nahezu wertlosen Zufallsstrom für 7-8c/kWh*. In Deutschland beträgt der Subventionssatz 9,4c/kWh. Die Kosten des Stroms für die nahe der Küste fest verankerten Windmühlen beträgt etwa ein 2-faches. Die Subventionssätze sind entsprechend höher. Da die Stromerzeugung gleichfalls gem. den Launen des Wetters schwankt, ist der erzeugte Strom gleichfalls weitgehend wertlos.

Schwimmende Windmühlen erfordern einen Schwimmkörper. Dieser muss analog eines Segelschiffs einen sehr tiefen Schwerpunkt haben um nicht zu kentern. Der Anschluss solcher Windmühlen an das Stromnetz mittels eines Tiefseekabels ist gleichfalls eine finanzielle Herausforderung. Die Kosten können wiederum ein mehrfaches der in flachem Wasser fest verankerten Windmühlen betragen. Der erzeugte Strom ist wohl gleichfalls ziemlich wertlos.

Es würde mich wenig erstaunen wenn man in Kürze analog der Antike Muskelkraft als Energiequelle der Zukunft propagieren würde.

Vandale

*Der Wert beruht auf Zahlen aus den GB zweier Windparks. Die Stromerzeugungskosten von Windmühlen sind standortabhängig.

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