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21.06.2016

11:30 Uhr

Erneuerbare Energien

Urin als Energiequelle nutzen

Ein mexikanischer Forscher hat ein Gerät konstruiert, das Urin in Biogas verwandelt. Damit ließe sich nicht nur Duschwasser erhitzen oder der Kochherd betreiben, die Technologie könnte sogar im All zum Einsatz kommen.

Für eine 15-minütige heiße Dusche bräuchte man mit der Technologie von Gabriel Luna-Sandoval lediglich 13 bis 21 Milliliter Urin. AFP; Files; Francois Guillot

Urin als Energiequelle

Für eine 15-minütige heiße Dusche bräuchte man mit der Technologie von Gabriel Luna-Sandoval lediglich 13 bis 21 Milliliter Urin.

Mexiko-StadtDer Geistesblitz kam auf der Toilette: Gabriel Luna-Sandoval war gerade auf dem Klo, als er erkannte, dass Urin durchaus sinnvoll genutzt werden könnte. Neun Jahre später hat der mexikanische Ingenieur nun ein Gerät konstruiert, das Urin in Biogas verwandelt. Damit ließe sich nicht nur Duschwasser erhitzen oder der Herd in der Küche betreiben – der findige Wissenschaftler ist überzeugt, dass die Technologie sogar im All zum Einsatz kommen könnte.

Dem Forscher der Universität von Sonora im Norden Mexikos gelang es durch Elektrolyse, aus Urin Wasserstoff und Sauerstoff zu extrahieren und ersteren in Biogas umzuwandeln. Dies könnte Propangas ersetzen, das in mexikanischen Haushalten vielfach zum Einsatz kommt und zur Luftverschmutzung und Erderwärmung beiträgt.

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Auch für den Sauerstoff hätte der 41-jährige Forscher Verwendung. Dieser könnte im Notfall als Atemluft dienen, vor allem für Astronauten auf langen Einsätzen im All: Sie könnten mithilfe eines kleinen Geräts aus ihrem eigenen Urin Sauerstoff herstellen. Die mexikanische Raumfahrtagentur nimmt die Idee durchaus ernst: Sie spricht von einer „großen Erfindung mit hohem Einsatzpotenzial in der Raumfahrttechnologie und für Spaziergänge im All“.

An den Ursprung des Brennstoffs erinnert nichts

Für sein Recycling-Verfahren konstruierte der promovierte Maschinenbauer einen durchsichtigen Acrylbehälter zum Auffangen des Urins, der an eine quadratische Vase erinnert. Sein Prototyp misst etwa 20 Quadratzentimeter und ist mit Edelstahl-Elektroden ausgestattet, die Wasserstoff- und Sauerstoffmoleküle extrahieren. Der Tank könnte an das Rohrsystem eines Hauses angeschlossen werden, das so gewonnene Biogas in der Küche und im Bad zum Einsatz kommen.

Angst vor unangenehmen Gerüchen hat Luna-Sandoval nicht: Biogas sei geruchlos. Ob mit der gewonnenen Energie Bohnen gekocht oder das Duschwasser erhitzt werde – an den Ursprung des Brennstoffes erinnere dabei nichts, versichert er lächelnd.

Um jedoch zu verhindern, dass es nach mehreren Tagen aufgrund der Konzentration von Ammoniak doch zu Geruchsbelästigungen kommen könnte, soll der Urin durch einen Filter laufen. Außerdem sei der Sammelbehälter gut abgedichtet, so der Forscher.

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