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17.11.2015

15:28 Uhr

EU-Klimaschutzkommissar Cañete

„Die Chancen für ein Abkommen sind groß wie nie“

VonJürgen Flauger, Thomas Ludwig

Der EU-Kommissar für Klimaschutz und Energie will in Paris für harte und verbindliche Klimaziele kämpfen. Im Gespräch erklärt er, warum er optimistisch ist und was Brüssel jetzt vom CO2-Sünder Volkswagen erwartet.

Der EU-Kommissar für Klima und Energie ist in den vergangenen Wochen rund um den Globus gereist, um für seine Klimapolitik zu werben. AFP

Miguel Arias Cañete

Der EU-Kommissar für Klima und Energie ist in den vergangenen Wochen rund um den Globus gereist, um für seine Klimapolitik zu werben.

BrüsselEr müsse sich nur mal eben frisch machen, sagt Miguel Arias Cañete, als er etwas gehetzt wirkend seine Gäste im Büro der Brüsseler EU-Kommission begrüßt. Der Kommissar für Klima und Energie ist in den vergangenen Wochen rund um den Globus gereist, um für seine Klimapolitik zu werben. Jetzt, knapp zwei Wochen vor Beginn der größten Klimakonferenz aller Zeiten, befindet sich die französische Hauptstadt wegen des Terroranschlags auch noch im Ausnahmezustand.

Herr Cañete, trotz der Terroranschläge hält Frankreichs Regierung an der Ausrichtung des Weltklimagipfels COP21 fest. Fahren Sie mit einem mulmigen Gefühl nach Paris?
Nein, wir haben volles Vertrauen in die Fähigkeiten Frankreichs als Gastgeber.

Handelsblatt-Spezial: Wo steht die Welt?
Der Klimawandel nimmt keine Rücksicht auf Grenzen. Er geht alle an. Deshalb hat sich das Handelsblatt mit Partnermedien aus der ganzen Welt zusammengetan, um zu recherchieren: Wo auf dem Globus finden sich die cleversten Einzelprojekte, um die Erderwärmung zu begrenzen? Und wo steht die Welt kurz vor dem Klimagipfel in Paris Ende November? Das Handelsblatt gibt in einem Spezial auf 12 Seiten Antworten.

Lesen Sie unter anderem:
+ Vorbild Deutschland: Die deutsche Energiewende zeigt, dass der Umstieg auf grüne Energie machbar ist.
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Kommt dem Treffen nach den Anschlägen eine Bedeutung zu, die über das Thema Klimaschutz hinausgeht?
Das Treffen ist nun wichtiger denn je. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir unterschiedliche Sichtweisen respektieren, Kompromisse finden und als weltweite Gemeinschaft zusammenhalten. So kommen wir auch zu einer erfolgreichen Klimaübereinkunft.

Sie halten ein Scheitern trotz hoher Erwartungen also für ausgeschlossen?
Wir streben ein sehr ambitioniertes Abkommen mit bindenden Vereinbarungen an. Das wird zweifelsohne schwierig und ich erwarte Verhandlungen bis zur letzten Minute. Aber die Chancen sind groß wie nie, denn die Entwicklung ist dramatisch. Es werden 160 Länder teilnehmen, die für 93,5 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich sind. In Kyoto waren es nur 35 Länder, die für zwölf Prozent der Emissionen verantwortlich waren. Alle sind bereit, sich zu bewegen, haben sich Ziele gesetzt und zum Teil auch schon politische Maßnahmen ergriffen. Der Druck, endlich eine Lösung hinzubekommen, ist enorm. Das haben auch die USA, China und Indien verstanden.

15 Gründe, weshalb die Energiewende so kompliziert ist

Kosten

Diese zahlen die Stromverbraucher. Die Ökostrom-Umlage und Rabatte für die Industrie belasten ihre Stromrechnungen.

Fördersystem

Die Wirtschaft warnt vor Planwirtschaft und fordert ein Förder-Ende sowie Wettbewerb auch für Ökostrom-Erzeuger.

20 Jahre Garantie

Da Solar- und Windanlagen bisher 20 Jahre lang Vergütungen bekommen, kann der Strompreis erstmal nicht sinken.

Soziale Schieflage

Die Zahnarzthelferin zahlt über den Strompreis die Renditen für Solarpanele, die sich ihr Chef aufs Dach setzt.

Industrie

Sie muss entlastet werden, damit niemand abwandert. Aber wie stark? Die Bürger müssen dadurch Mehrbelastungen schultern.

Zielkonflikt

Weniger Atomstrom führt dazu, dass mehr Kohlestrom produziert wird. Der CO2-Ausstoß ist 2012 und 2013 gestiegen.

Länder-Interessen

Der Norden will mehr Windräder, der Westen fürchtet um seine Industrie, der Süden will mehr Gaskraftwerke.

Stromnetze

Große Nord-Süd-Trassen werden gebraucht, sonst gibt es im Norden viel zu viel Strom. Aber die Bürger protestieren.

Fehlende Steuerung

Bisher können quasi unbegrenzt Ökoenergie-Anlagen gebaut werden - es fehlt oft an bedarfsorientierter Planung.

Grundlast-Problem

Ohne Speicher sind wegen der je nach Wetterlage schwankenden Ökostrom-Produktion weiterhin viele Kraftwerke nötig.

Strombörse

Im Einkauf fallen dank viel Ökostrom die Preise - die Bürger spüren davon wegen der Umlagen beim Endpreis kaum etwas.

Fehlender Markt

Viele Kraftwerke rechnen sich nicht mehr - der mit viel Geld geförderte Ökostrom stellt den Markt auf den Kopf.

Überkapazitäten

Wegen des rasanten Ausbaus wird oft zu viel Strom produziert. Nie wurde so viel Strom exportiert wie 2013.

Ärger bei den Nachbarn

Polen lässt Netzsperren einbauen, auch andere Länder klagen über Preis- und Stromfluss-Unwuchten.

Wärmemarkt

Im Wärmebereich hakt es besonders stark, auch beim Energiesparen - Gebäudesanierungs-Ziele werden kaum erreicht.

Dennoch hat US-Außenminister John Kerry erst jüngst wieder klar gemacht, dass es kein verpflichtendes Abkommen geben kann.
Ich denke, da gibt es ein kleines Missverständnis. Ein Protokoll, in dem sich Parteien auf nichts verpflichten, macht keinen Sinn. Wenn Ziele definiert werden, müssen auch alle sie umsetzen. Wenn die USA das nicht wollen, müssen sie Alternativen aufzeigen und klar machen, wie sie Vertrauen herstellen wollen.

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