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20.08.2015

11:40 Uhr

Exoten auf dem Vormarsch

Invasion aus dem Garten

Palmen mitten im Buchenwald? Das ist gar nicht mehr so unwahrscheinlich. In Deutschlands Gärten wachsen Exoten aus aller Welt. Der Klimawandel begünstigt ihre Ausbreitung in die freie Natur - das kann zum Problem werden.

Exotische Pflanzen wie das Wandelröschen könnten sich künftig auch in Deutschland ausbreiten. Schuld daran ist der Klimawandel. dpa

Wandelröschen

Exotische Pflanzen wie das Wandelröschen könnten sich künftig auch in Deutschland ausbreiten. Schuld daran ist der Klimawandel.

KonstanzSie sehen hübsch aus, sind aber eine potenzielle Bedrohung für die heimische Flora und Fauna: Exotische Pflanzen wie Hanfpalmen und Wandelröschen könnten in Deutschland künftig einen Boom erleben. Mit dem Klimawandel wachse die Gefahr, dass sich mediterrane und subtropische Gewächse ausbreiten und heimische Arten verdrängen, so Biologieprofessor Mark van Kleunen von der Universität Konstanz.

Gemeinsam mit Kollegen aus dem In- und Ausland hat van Kleunen eine umfassende Übersicht über sogenannte Neophyten weltweit erstellt – von Pflanzen also, die sich auf fremdem Boden etabliert haben. Die Studie ist in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature“ erschienen.

Überrascht habe ihn, wie groß die Zahl der ausgewanderten Arten sei, sagt der Ökologe. Fast vier Prozent der globalen Flora, insgesamt mehr als 13.000 Arten, seien auch fernab ihrer Heimat zu finden. Zum Vergleich: In ganz Europa gibt es rund 14.000 Pflanzenarten.

Exoten mit hohem Schadenspotenzial

Kanadische Goldrute

Die krautige Pflanze mit ihren kleinen gelben Blüten stammt aus Nordamerika und kann mannshoch werden. Sie wird vor allem in Naturschutzgebieten äußerst ungern gesehen, weil sie sich sehr stark verbreitet und andere Pflanzen und auch Tiere verdrängt.

Drüsiges Springkraut

Die weiß, rosa oder rot blühende Pflanze stammt ursprünglich aus Asien. Sie zieht Bienen an wie ein Magnet, breitet sich jedoch stark aus und kann sogar Bäche verstopfen.

Beifußblättriges Traubenkraut

Die aus Amerika eingeschleppte Pflanze ist auch als Beifuß-Ambrosie bekannt. Sie kann bei Menschen schwere Allergien auslösen.

Riesenbärenklau

Auch Herkulesstaude genannt. Die weiß oder rosa blühende Pflanze aus dem Kaukasus wird bis zu vier Meter hoch. Sie kann schwere Verbrennungen verursachen, wenn ein Mensch mit der Pflanze in Kontakt kommt und sich anschließend der Sonne aussetzt.

Japanischer Staudenknöterich

Er ist in der Lage, mit seinen starken Wurzeln Mauern auseinanderzudrücken. Sein weit verzweigtes Wurzelgeflecht ist extrem schwer zu bekämpfen, so dass man die Pflanze kaum wieder loswird.

Schmalblättriges Kreuzkraut

Die giftige Pflanze kam über den Wollexport aus Südafrika nach Europa. Sie ist anspruchslos, breitet sich schnell aus und ist schwer zu bekämpfen.

In Deutschland haben die Forscher rund 450 Neophyten ausgemacht. Nicht alle verdrängten die heimische Flora, sagt van Kleunen. Einige potenziell problematische Arten haben sich bislang auch kaum verbreitet. Doch sie könnten einen plötzlichen Boom erleben, wenn sich die Lebensbedingungen zu ihren Gunsten ändern – etwa, wenn die Sommer heißer und die Winter milder werden.

Dies gelte unter anderem für einige Gartenpflanzen aus mediterranen und subtropischen Zonen, so der Biologe. Das hübsche, aber hochgiftige Wandelröschen etwa habe sich in anderen Teilen der Welt schon unkontrolliert verbreitet. Ähnliches gelte für die Hanfpalme, ein beliebtes Gewächs für den Vorgarten. Im Tessin verdrängt diese Art bereits den heimischen Wald, und auch in Deutschland könnte sich die Palme schon bald in freier Wildbahn ausbreiten.

Van Kleunen rät generell zu mehr Vorsicht im Gartenbau. Es solle genau überlegt werden, welche Pflanzen man von anderen Kontinenten nach Europa hole. Problematische Arten sollten unbedingt im Auge behalten werde, um eingreifen zu können, bevor sie wirklich heimisch werden. In Radolfzell am Bodensee untersucht der Biologe zusammen mit seinem Team und der Deutschen Umwelthilfe, was auf den Grünflächen der Stadt angepflanzt wird und welche Pflanzen dort besser nicht hingehören.

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