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24.03.2011

10:09 Uhr

Experteninterview

„Das Gebiet um den Reaktor ist verloren“

VonSven Malzahn
Quelle:Tagesspiegel

Die Angst vor der Strahlungswolke beschäftigt nicht nur die Menschen in Japan. Gerhard Wotawa von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien spricht im Interview über die Auswirkungen Atomunfalls.

Die am Mittwoch (23.03.2011) veröffentlichte Abbildung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zeigt für Japan und den sich anschließenden Pazifik eine Vorhersage der Verteilung eines Spurenstoffes, der vom beschädigten Kernkraftwerk Fukushima abgegeben wird. Quelle: dpa

Die am Mittwoch (23.03.2011) veröffentlichte Abbildung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zeigt für Japan und den sich anschließenden Pazifik eine Vorhersage der Verteilung eines Spurenstoffes, der vom beschädigten Kernkraftwerk Fukushima abgegeben wird.

Herr Dr. Wotawa, interessieren sich die Menschen eigentlich inzwischen mehr für das Wetter in Japan als für das Wetter bei uns?

Teilweise schon. Viele Menschen verreisen in Länder, die vielleicht nicht so weit von Japan weg sind, und die wollen dann genau wissen, wie sich die Windströmungen ändern. Oder sie kennen Menschen dort, und dann interessieren sie sich auch für das dortige lokale Wetter.

Wie sieht die Wetter- und vor allem die Windprognose für Fukushima denn aus?

Am Dienstag war es eher ungünstig. Der Wind wehte aus überwiegend nördlichen bis östlichen Richtungen, die Luft von Fukushima gelangte damit ins Landesinnere.

Am Mittwoch und Donnerstag etablieren sich aber schwache Winde aus westlichen Richtungen. Die Radioaktivität wird dann vorwiegend in Richtung Pazifik transportiert. Für Freitag erwarten wir kräftigen Regen und auch wieder potenziellen Transport von Strahlung in das Landesinnere.

Was ist für Tokio zu befürchten, wenn der Wind ungünstig steht?

Tokio ist in einer ähnlichen Situation wie Kiew während des Tschernobyl-Unfalles vor 25 Jahren. Es besteht keine unmittelbare Gefahr, aber Langzeitfolgen aufgrund der Strahlung sind möglich.

Dass die Windrichtung von Interesse ist, ist offensichtlich. Spielt die Windgeschwindigkeit eigentlich auch eine Rolle?

Der Wind spielt natürlich allgemein die Hauptrolle. Bei starken Winden wird das radioaktive Material schnell verlagert und dann verdünnt, bei schwachen Winden bleibt es in der Nähe des Kraftwerkes hängen.

Nach derzeitigem Kenntnisstand über die freigesetzte Radioaktivität: Bis zu welcher Entfernung vom Atomkraftwerk ist die Strahlung gefährlich?

Unmittelbar gefährlich bis etwa 20 oder 30 Kilometer. Aber auch ein 100-Kilometer-Umkreis hat stark erhöhte Werte. Was Nahrungsmittel und Wasser angeht, können auch weiter entfernte Gebiete beeinträchtigt werden. Das Gebiet rund um den Reaktor ist mit hoher Wahrscheinlichkeit für die nächsten Jahrzehnte bis Jahrhunderte verloren, wobei es in Fukushima etwas besser ist als in Tschernobyl, weil großes, nicht-flüchtiges Material aus dem Reaktorkern bisher nicht freigesetzt wurde.

In diesen Tagen ist immer wieder von der Strahlungswolke die Rede, die die radioaktiven Partikel vom Atomkraftwerk fortträgt. In welcher Höhe zieht diese Wolke?

Die Strahlungswolke wird teilweise bis in große Höhen transportiert. Auch im Starkwindband, dem sogenannten Jetstream bei ca. 9000 bis 10.000 Meter, ist laut Modell etwas Strahlung vorhanden. Größtenteils erfolgt der Transport aber in einigen 100 Metern Höhe.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

24.03.2011, 10:26 Uhr

Und wer kommt dafür auf? Ist eine Haftpflicht für AKWs nicht finanzierbar? Dann abschalten!
http://faszinationmensch.wordpress.com/2011/03/23/ist-eine-haftpflicht-fur-akws-nicht-finanzierbar-dann-abschalten/

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