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15.01.2011

09:29 Uhr

Experteninterview

Zunehmende Fluten auch durch Klimawandel bedingt

VonSimone Humml (dpa)

Die Welt wird heißer und feuchter. 2010 war neben dem Jahr 2005 das weltweit wärmste Jahr seit Messbeginn und zugleich das niederschlagsreichste. Auch die Zunahme verheerender Fluten sei auch durch die Erderwärmung zu erklären, so der Stefan Rahmstorf vom Potsdam für Klimafolgenforschung-Institut (PIK).

Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK): 2010 war global das wärmste und feuchteste Jahr seit dem Beginn der Aufzeichnungen. dpa

Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK): 2010 war global das wärmste und feuchteste Jahr seit dem Beginn der Aufzeichnungen.

Führen Sie die zunehmenden Fluten wie die in Pakistan, Kolumbien, Südostasien, Australien und nun Brasilien auf den Klimawandel zurück?

Rahmstorf: Solche Extremereignisse sind immer eine Kombination aus den Zufällen des Wetters und der längerfristigen Klimaentwicklung, also der globalen Erwärmung. Die Häufigkeit von Extremereignissen hat in der Tat zugenommen, das haben eine Reihe von Studien gezeigt. Auch der Deutsche Wetterdienst hat festgestellt, dass dies sowohl für Hitzeextreme als auch für Niederschläge gilt.

Wie ist die Zunahme der Fluten zu erklären?

Das ist physikalisch relativ einfach verständlich: Wir haben 2010 global das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung, gleichauf mit 2005. Und ein wärmeres Klima bringt auch mehr Niederschläge mit sich, weil das Wasser ja größtenteils durch die Verdunstung von den Ozeanen kommt. Wärmere Meere führen eben auch zu stärkeren Niederschlägen. Das Jahr 2010 war ja zugleich das nasseste Jahr - also das mit den größten Niederschlägen weltweit - seit beginn der Aufzeichnungen vor über 100 Jahren.

Kann man das Hochwasser in Deutschland auf solche Vorgänge zurückführen oder ist das eben ganz normales Schmelzwasser?

Man kann das für ein einzelnes Extremereignis nie auseinanderdividieren. Sicher aber ist, dass die Häufigkeit von solchen Extremereignissen deutlich zunimmt. Zudem sind gerade in den letzten zehn Jahren viele vorher noch nie dagewesene neue Extreme aufgetreten, die eine ganz neue Qualität haben.

Können Sie Beispiele für neuartige Extremereignisse nennen?

Das begann bei uns mit der Elbeflut oder dem Hitzesommer 2003. In beiden Fällen waren letztlich nie vorher dagewesene Wetterrekorde die Ursache. Auch bei der Hitzewelle in Russland sind Julitemperaturen aufgetreten, die alles in den Schatten gestellt haben, was seit Beginn der Aufzeichnungen beobachtet wurde. Die Fluten in Pakistan sind auf neue Niederschlagsrekorde zurückzuführen, die dort eben auch bisher nie verzeichnet wurden. Und das gleiche gilt jetzt für Australien.

Sind die Fluten von Australien und Brasilien nicht auch auf das Klimaphänomen La Niña zurückzuführen, das ja die Temperatur der Ozeane stark beeinflusst?

Natürlich sind sie vordergründig auf La Niña zurückzuführen. Aber der Wechsel zwischen El Niño und La Niña ist ein zyklisches Phänomen, das alle drei bis sieben Jahre auftritt. Das kann nicht erklären, warum in diesem Jahr Rekorde übertroffen werden, die seit über 100 Jahren nicht passiert sind. Es gibt Experten, die glauben, dass die Schwankungen zwischen El Niño und La Niña heftiger werden. Es gibt derzeit ja einen Extrem-La-Niña. Wir hatten 1998 den stärksten El Niño. Ich glaube aber, dass es noch zu früh ist, um eine Veränderung wirklich robust belegen zu können.

Kommentare (1)

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James Orwell

20.01.2011, 15:08 Uhr

Der Einfluss der Sonnenprotuperanzen (SP) ist um den Faktor 100 grösser als die zur Zeit herrschenden CO2-Einflüsse ! (auf der Sonne herrscht eine Oberfächentemperatur von durchschnittlich 5500 °C; im inneren der Sonne herrschen 20-Millionen °C; treten Eruptionen auf, herrschen örtlich sehr grosse Temperatur- Schwankungen ! Die beeinflussen die Abstrahlung auf die Erde mit dem Faktor T hoch 4 .).

Energie- Gesamtkonzept für die bRD

Autokunden kaufen seit Jahrzehnten Öko-Autos mit Niedrigstverbräuchen in großen Stückzahlen: Mercedes A-Klasse, VW Fox und Golf, Opel Corsa, Ford Fiesta, bMW Mini, Smart ForTwo, Audi A3 und weitere. Diese Autos haben alle bei der verfügbaren Ökomotorisierung unter 5l Verbrauch im NEFZ-Zyklus (entspricht 120g CO2).

Wenn diese sparsamen Autos allerdings im Stau stehen, emittieren sie fast doppelt so viel CO2 (statt 120g etwa 200g CO2). Der Verkehr hat sich seit 20 Jahren in der bRD nahezu verdoppelt, das Strassennetz ist jedoch kaum gewachsen und wir erleben täglich landesweite Stausituationen. Sollte dann nicht zuerst der aus ökologischen und ökonomischen Überlegungen entstandene Dringlichkeitsplan für den Ausbau des Fernstrassennetzes in der bRD umgesetzt werden, damit der Verkehr wieder fliesst?
Elektroautos mit ihrem in der Gesamtenergie- Wandlungs- und Übertragungs-Kette begründeten schlechteren Gesamtwirkungsgrad (ca. 20% bis max. 35% im Vergleich zum Otto- und Dieselmotor mit ca. 45% bis 48%) sollten nur in emissionssensiblen Citybereichen zulässig sein.

An der Gesamt- CO2- Emission weltweit haben KFZ einen Anteil von weniger als 15% (laut bMU). Der Anteil der CO2-Emission bei der Stromerzeugung in Großkraftwerken mit fossilen Kraftstoffen beträgt mehr als das Dreifache (laut bMU). Sollten wir dann nicht schnellstmöglich auch in der bRD wieder zur CO2- freien Kernenergie, in der wir mal Technologieführer in Leistung und Sicherheit waren, als Zieltechnologie zurückkehren?

Die schnellstmögliche Rückkehr zur Kernenergie in der bRD ist allein schon aus Wettbewerbsgründen notwendig, da dies in allen führenden industrienationen (USA, Canada, Japan, Russland, China etc.) weltweit bereits geschieht. Der in Deutschland von der “Links-Grünen-Laien“-Politik eingeschlagene Weg der mittelfristigen Abschaltung unserer KKWs führt aus Gründen der stark eskalierenden Energiekosten in kurzer Zeit zum Verlust der Wettbewerbsfähigkeit in der bRD bei der Herstellung aller energieintensiven industrieprodukte und Konsumgüter. Die Folgen für die Arbeitsplätze in Deutschland wären verheerend.

Es führt kein Weg am raschen Ausbau neuer, mit höchsten Sicherheitsstandards ausgestatteten KKWs vorbei. Die Lagerung verbrauchter Kernbrennstäbe in Castor- (cask for storage and transport of radioactive material) -behältern, die z. b. mit einem langfristig nutzbaren Tauschkonzept für strahlengeschädigte behälterwände ausgestattet sind, ist eine von mehreren sinnvollen Möglichkeiten. Auch ein weltweit betriebenes Endlagerprojekt, das über einen internationalen Gemeinschaftsfonds aller Nutzer finanziert werden könnte, ist hier zielführend. Dafür sollte sich die deutsche bundesregierung endlich einsetzen.

Wäre es nicht noch ökologischer, die dann länger verfügbaren fossilen Kohlenstoffressourcen ausschliesslich für den mobilen Verkehr (KFZ, Flugzeuge und Schiffe) und für Produkte der Kohlenstoffchemie (Kunststoffe, Medikamente etc.) zu reservieren, da es hier keine brauchbaren Alternativen gibt, statt diese ökofeindlich bei der Stromerzeugung in Großkraftwerken oder bei der Wärmeerzeugung in Heizanlagen zu verbrennen?

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