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29.09.2015

13:53 Uhr

Extreme Schadstoffbelastung

Indien ringt nach Luft

Indien keucht und hustet. Die Luft in vielen Regionen des Landes ist so schmutzig wie fast nirgendwo sonst auf der Welt. Als Dreckschleudern stehen aber nicht nur Autos und Kraftwerke im Fokus.

Laut einer Studie der Yale-Universität liegt Indien bei der durchschnittlichen Feinstaubbelastung auf Platz 177 von 178 Ländern. dpa

Brennende Müllkippe in Mumbai

Laut einer Studie der Yale-Universität liegt Indien bei der durchschnittlichen Feinstaubbelastung auf Platz 177 von 178 Ländern.

Neu DelhiDas T-Shirt von Mganasui Horam leuchtet in einem grellen Orange, der Rock ist von satter Pfirsichfarbe, doch wenn sie die Kleidungsstücke am Abend auswäscht, färbt sich das Wasser schwarz. Den ganzen Tag lang setzen sich Rußpartikel in der Kleidung der 65 Jahre alten Inderin fest: wenn sie das Frühstück macht, das Mittagessen kocht oder das Abendessen zubereitet.

„Wir Frauen verbringen unser halbes Leben in der Küche und die andere Hälfte im Dschungel“, sagt sie. Horam lebt im üppig grünen Nordosten Indiens, in einem Dorf namens Mapao mit 150 Lehmhäusern. Das liegt – per Auto-Rikscha – zwar nur eine halbe Stunde von der Landeshauptstadt Imphal entfernt, doch dazwischen liegen Welten.

Horam gehört zum Stamm der Naga, der sich viel aus den umliegenden Wäldern ernährt. In ihren Töpfen köcheln Yamswurzeln, lange Bohnen, Kürbisse und Brauner Senf, und je nach Saison auch Käfer, Grashüpfer, Vögel und Affen.

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Gekocht wird ausschließlich mit Holz – und darunter, sagt Horam, leide ihre Gesundheit. „Ich fühle mich oft schwach, meine Lunge ist nicht gut. Außerdem tun die Augen weh und sind trocken“, sagt sie. Doch habe sie keine Alternative: Der elektrische Schnellkochkopf, den ihre Tochter aus der Stadt mitgebracht hat, könne nur Reis kochen. Und einen Solarkocher oder einen Gas-Herd hat sie noch nie gesehen.

Horam ist eine von Millionen von Frauen, die in Indien täglich im Rauch sitzen. Laut jüngsten Zensusdaten wird in 49 Prozent der indischen Haushalte mit Holz gekocht; oft werden dafür auch Ernteabfälle oder getrocknete Kuhfladen genutzt. Hinzu kommt, dass fast ein Drittel der Inder Lampen mit dem staatlich subventionierten Kerosin benutzt – alles Energieträger, bei deren Verbrennung die Luft gefährlich verschmutzt wird. Das kann zu Entzündungen der Atemwege, Herzproblemen und Lungenkrebs führen.

Fast drei Milliarden Menschen seien durch das Verbrennen von Kohle oder pflanzlichen Brennstoffen ernsten Gesundheitsgefahren ausgesetzt, hieß es jüngst in einer Studie im britischen Fachjournal „The Lancet Respiratory Medicine“. Der Rauch enthält neben Ruß auch viele andere Verbindungen, die für den Körper schädlich sind. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge starben 2012 etwa 4,3 Millionen Menschen infolge der Luftverschmutzung in Haushalten – besonders viele davon in Asien.

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