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28.11.2013

07:22 Uhr

Finanzierungsengpass

Schnellzug von L.A. nach San Francisco droht das Aus

VonAxel Postinett

Die Pläne für den ersten wahren Hochgeschwindigkeitszug der USA stehen vor dem Aus. Nach einem Richterspruch droht dem größten Infrastrukturprojekt Kaliforniens noch vor dem Baubeginn das Geld auszugehen.

So stellen sich die Planer den kalifornischen Schnellzug vor – der Traum droht zu zerplatzen. California High-Speed Rail

So stellen sich die Planer den kalifornischen Schnellzug vor – der Traum droht zu zerplatzen.

San FranciscoMit rumpelndem Rucken setzt sich der Doppeldecker-Zug an der Caltrain-Station in San Francisco gemächlich in Bewegung. Lautstark, mit einer unübersehbaren Rußfahne, wuchten gigantische Dieselaggregate das silbern glänzende Wagengespann Richtung Süden, ins 77 Kilometer entfernte San Jose. Dort wird der Zug rund 100 Minuten später eintreffen wird.

Geht es nach dem Willen des kalifornischen Senats wird 2029 eine neue, elektrifizierte Schnellfahrstrecke die Fahrzeit auf 30 Minuten verkürzen. Danach würde der Hochgeschwindigkeitszug richtig Fahrt aufnehmen und mit über 250 km/h das kalifornische Herzland durchqueren. Gute zwei Stunden liefe er dann im 530 Kilometer entfernten Los Angeles in die traditionsreiche Union Station ein. 68 Milliarden Dollar (50 Milliarden Euro) soll das Mammutprojekt kosten. Der Zug könnte die überfüllten Lufträume über Los Angels und San Francisco entlasten und Wachstum und Arbeitsplätze in das landwirtschaftlich geprägte Zentralkalifornien bringen.

Fakten zum kalifornischen Hochgeschwindkeitsprojekt

Streckenführung

Die geplante Hochgeschwindikgeitsstrecke soll San Francisco mit Los Angeles verbinden, später sollen auch San Diego im Süden Kaliforniens und die Hauptstadt Sacramento im Norden angeschlossen werden. Eine Karte des Vorhabens gibt es auf der Webseite der staatlichen Planungsbehörde.

Bauplanung

Die Strecke von San Francisco bis Los Angeles soll den Plänen zufolge bis 2029 fertiggestellt werden. Der Bau ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Die erste Phase soll die Verbindung der Städte Bakersfield und Merced in Mittelkalifornien umfassen. Dort ist am wenigsten Rücksicht auf ubarne Infrastruktur zu nehmen.

Baukosten

Derzeit werden die Baukosten für die erste Phase (San Francisco - Los Angeles) auf 68 Milliarden Dollar (50 Milliarden Euro) geschätzt

Reisezeiten

Die Fahrzeit von San Francisco nach Los Angeles soll den Plänen zufolge 2 Stunden und 38 Minuten betragen bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 264 km/h. Bislang braucht ein Zug mehr als zehn Stunden.

Züge

Über mögliche Züge, die auf der Route eingesetzt werden könnten, gibt es keine Beschlüsse. Allerdings haben sich Hersteller wie Siemens bereits in Stellung gebracht und verfolgen das Projekt aufmerksam.

So weit die Theorie. Aber die Praxis sieht düster aus. Richter Michael Kenny vom County Supreme Court in der kalifornischen Hauptstadt Sacramento untersagte jetzt dem Bundesstaat den Verkauf von Anleihen im Wert von acht Milliarden Dollar, mit denen im Frühjahr 2014 der Trassenbau begonnen werden sollte. Bei der Finanzierung seien fundamentale Fehler gemacht worden, beschied Kenny. So es sei versäumt worden, andere Finanzierungsoptionen zu prüfen. Es gebe keine andere Rechtfertigung für die Ausgabe der Anleihen als dass die Betreibergesellschaft es so wolle.

Die Gegner des Projekts jubeln. Der republikanische Kongressabgeordnete Kevin McCarthy konstatiert: „Die staatliche Rail Agency hat komplett darin versagt, einen realistischen Finanzierungsplan auszuarbeiten“. Er werde weiter alles unternehmen, um das Projekt zu stoppen. Der Chef der Betreibergesellschaft, Dan Richard, gibt sich zwangsoptimistisch. Man werde die nächsten Schritte prüfen, um die Anforderungen des Gerichts zu erfüllen. Doch das wird nicht gelingen, glaubt Michael Brady, Anwalt der siegreichen Partei: „Das könnte der endgültige Stolperstein sein, den der Staat nicht mehr ausräumen kann“, gibt er sich zuversichtlich.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

28.11.2013, 11:36 Uhr

"Verrottende Infrastruktur – von Brücken und Straßen bis zu Abwasserkanälen – ist ein großes Problem der USA. Die Durchschnittsgeschwindigkeit US-amerikanischer Züge liegt bei 56 km/h"
Heho,las ich doch kürzlich hier eine Kolumne vom Kollegen Weimer, der da meinte, die USA sind aber sowas von überlegen und besser und supertoll, das es gar nicht auszuhalten wäre. Wie nennt man das eigentlich ? Fantasialand?

StefanBode

28.11.2013, 11:53 Uhr

Infrastruktur ist eine der Wiegen von wirtschaftlicher Blüte, denn durch Ihr wird Vernetzung und Warenaustausch erst möglich. Das Kartell der Erdöllobby ist jedoch zu stark und durch die Misswirtschaft in Kalifornien sind die Kassen nicht nur leer sondern viel tiefer als der San-Andreas-Graben. Mit Hilfe der Pensionskassen wie CalPers wäre hier aber sicherlich eine Finanzierungsmöglichkeit gegeben und über die Einnahmen aus den Transport von Mensch und Güter auch die Renten gesichert.

FredC2

28.11.2013, 11:58 Uhr

Ist doch nichts Neues, dass jegliche Konkurrenz zum Auto in den USA an die Wand gedrückt wird. Es lebe die freie Marktwirtschaft !

AUs Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_amerikanischer_Stra%C3%9Fenbahnskandal
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Großer amerikanischer Straßenbahnskandal

Als großer amerikanischer Straßenbahnskandal (engl. General Motors streetcar conspiracy) wird die systematische Zerstörung des auf der Straßenbahn basierenden öffentlichen Personennahverkehrs in 45 Städten der Vereinigten Staaten unter Führung der General Motors Company, der größten US-Automobilbaugesellschaft, ab den 1930er bis in die 1960er Jahre bezeichnet. Die Verkehrsunternehmen wurden aufgekauft, um eine Stilllegung der Straßenbahnstrecken zu Gunsten des Automobilverkehrs zu erreichen, damit Fahrzeuge und Betriebsstoffe aus eigener Produktion abgesetzt werden konnten.
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