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25.06.2012

11:59 Uhr

Forschungsplattform

Schwimmendes Labor untersucht Klimawandel

Mit einem schwimmenden Labor auf dem Stechlinsee wollen Gewässerforscher neue Erkenntnisse über die Folgen des Klimawandels gewinnen. Das einzigartige Projekt bietet ganz neue Möglichkeiten der Untersuchung.

Wissenschaftler des Berliner Leibniz-Instituts für Gewässerökolgie und Binnenfischerei arbeiten auf einer Forschungsplattform auf dem Stechlinsee in Brandenburg. dpa

Wissenschaftler des Berliner Leibniz-Instituts für Gewässerökolgie und Binnenfischerei arbeiten auf einer Forschungsplattform auf dem Stechlinsee in Brandenburg.

StechlinMit einer einzigartigen Forschungsplattform wollen Wissenschaftler auf einem See in Brandenburg die Folgen des Klimawandels untersuchen. Vor wenigen Wochen startete das Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei den Betrieb der Anlage auf dem Stechlinsee (Oberhavel). Am kommenden Freitag wird das Labor offiziell eröffnet.

„Wir wollen die Klimafolgenforschung am Beispiel von Seen auf ein neues Niveau heben“, erklärt der Projektleiter, Professor Mark Gessner. Bisher hätten die Forscher vorwiegend in kleinem Maßstab im Labor experimentiert und Langzeitdatenreihen analysiert. Doch die Auswirkungen von Klimaveränderungen seien noch nicht genügend verstanden. Das Seelabor biete nun unter weitgehend natürlichen Bedingungen ganz neue Möglichkeiten. Die Anlage besteht aus 24 Versuchszylindern mit einem Durchmesser von je neun Metern. Die mit einer Spezialfolie ummantelten Röhren sind jeweils 20 Meter tief und reichen bis auf den Seegrund.

Mit einer Unterwasser-Sprinkleranlage können die Forscher das Wasser in den einzelnen Zylindern mischen und so die Lebensraumbedingungen verändern. So lasse sich zum Beispiel die warme Oberflächenwasserschicht im Sommer vergrößern oder die Temperatur des Tiefenwassers erhöhen, erklärt Gessner. Welche Auswirkungen dies auf die Tier- und Pflanzenwelt oder den Nährstoffgehalt des Wassers hat, sollen die Untersuchungen zeigen. In jeder Röhre liefern Messsonden Daten zu Temperatur, pH-Wert, Sauerstoffgehalt, Trübung, Lichtintensität und Algendichte in verschiedenen Tiefen.

Blick auf die Forschungsplattform auf dem Stechlinsee in Brandenburg. dpa

Blick auf die Forschungsplattform auf dem Stechlinsee in Brandenburg.

Geplant seien verschiedene Experimente, bei denen auch andere Ereignisse wir Sturm oder Starkregen simuliert werden, die in Zukunft häufiger erwartet werden. „Aus den Erkenntnissen wollen wir künftige Handlungsoptionen für das Management von Seen ableiten“, sagt Gessner. Auch andere Wissenschaftler aus dem In- und Ausland seien eingeladen, das Labor zu nutzen und ihre Ideen einzubringen. Finanziert wurde die Anlage mit fünf Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium.

Der Stechlinsee ist mit fast 70 Metern einer der tiefsten Seen der Mecklenburgischen Seenplatte. Seit 1957 wird er regelmäßig untersucht. „Dadurch stehen der Wissenschaft heute wertvolle Langzeitdaten zur Verfügung“, sagt Peter Casper, der seit fast 30 Jahren am Stechlinsee forscht. Die gute Datenlage und die Tatsache, dass das Leibniz-Institut am Seeufer seit Jahren ein Labor betreibt, waren laut Gessner Gründe für die Wahl des Stechlinsees.

Eingeschlossene Seebecken im Freiland sind in der Forschung nicht neu. Bereits in den 1970er Jahren haben Wissenschaftler drei große Zylinder im englischen Lake District installiert. „Die Aussagekraft der dort durchgeführten Versuche war jedoch begrenzt, weil die Zahl der gleich behandelten Versuchseinheiten unzureichend war, um statistisch gesicherte Aussagen abzuleiten“, sagt Gessner. Das Seelabor erfülle diese zentrale Voraussetzung dagegen bestens. Das Projekt sei zunächst auf 10 bis 20 Jahre angelegt.

Von

dpa

Kommentare (1)

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vandale

25.06.2012, 12:57 Uhr

ich nehme an, dass die Forscher ihr interessantes Projekt unter der Flagge des "Klimawandels" deklariert haben um einfacheren Zugriff auf Forschungsmittel zu erhalten. Wenn Sie ihr Projekt "Erforschung der Seefauna" genannt hätten, hätten Sie vermutlich kein Geld erhalten.

Die Politiker die letztlich die staatlichen Forschungsmittel zuteilen reagieren positiv auf Begriffe der Oekoreligion wie "Erneuerbare Energien", "Klimawandel", Nachhaltigkeit etc.

Die Forscher, auch wenn sie dieser sehr destruktiven Oekoreligion nicht zugetan sind, tun gut daran ihre Projekte mit diesen Begriffen zu verkaufen.

Vandale

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