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07.08.2013

09:57 Uhr

Fukushima

Grundwasser am Katastrophen-Reaktor verseucht

Die japanische Regierung hat sich in das Krisenmanagement am havarierten AKW Fukushima eingeschaltet. Dort steigt atomar verseuchtes Grundwasser an die Oberfläche und droht ins Meer zu fließen.

Wassertanks am AKW Fukushima. Die Speicher für kontaminiertes Wasser sind zu 85 Prozent gefüllt. dpa

Wassertanks am AKW Fukushima. Die Speicher für kontaminiertes Wasser sind zu 85 Prozent gefüllt.

TokioDie japanische Regierung will dem Betreiber des Unglückskraftwerkes Fukushima beim Kampf gegen atomar verseuchtes Grundwasser helfen. Das Land müsse dem Energiekonzern Tokyo Electric Power (Tepco) seine Hilfe anbieten, sagte ein Regierungssprecher am Mittwoch in Tokio. Ministerpräsident Shinzo Abe werde dafür Sofortmaßnahmen anordnen.

Das radioaktiv verseuchte Grundwasser am Atomkraftwerk Fukushima hat offenbar eine unterirdische Barriere überwunden und droht ins Meer zu laufen. Die Zeitung „Asahi“ hatte am Wochenende berichtet, das Wasser könne innerhalb der kommenden drei Wochen an die Oberfläche treten.

Tepco muss demzufolge jeden Tag 100 Tonnen Wasser abpumpen, um den Abfluss in den Ozean zu verhindern. Das Unternehmen wisse aber nicht wohin mit der Menge. Die Speicher, die 380.000 Tonnen Wasser aufnehmen können, seien zu 85 Prozent gefüllt.

Nach Einschätzung von Shinji Kinjo von der japanischen Atomaufsichtsbehörde ist das Bewusstsein für die Krise bei Tepco nur gering ausgeprägt. Deswegen könne man die Firma mit dem Kampf gegen die Katastrophe nicht alleinlassen. „Im Moment liegt eine Notfall-Situation vor“, sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Noch ist unklar, welche unmittelbare Gefahr durch die Freisetzung des verseuchten Grundwassers droht. Nach der Reaktorkatastrophe 2011 hatte die Regierung Tepco erlaubt, als Notfall-Maßnahme Zehntausende Tonnen radioaktives Wasser in den Pazifik zu kippen. Laut Tepco gelangten seit der Havarie des Atomkraftwerks vor knapp zweieinhalb Jahren 20 bis 40 Billionen Becquerel des radioaktiven Stoffs Tritium ins Meer.

In dem Atomkraftwerk war es im März 2011 nach einem Erdbeben und einem Tsunami zur Kernschmelze gekommen. Die Katastrophe war das folgenschwerste Atomunglück seit dem Unfall im ukrainischen Tschernobyl im Jahr 1986.

Kommentare (23)

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Account gelöscht!

07.08.2013, 10:59 Uhr

Die Welt hat diese Katastrophe schon längst wieder vergessen. Und was haben wir daraus gelernt? Nichts! Brüssel hat inzwischen die Gesetze gelockert, damit in Europa der Bau von AKWs wieder leichter möglich ist. Den Lobbyisten der Atombranche und unseren korrupten Politikern sei Dank.

frozen

07.08.2013, 11:34 Uhr

Jetzt können alle Atomkraftbefürworter sich freiwillig für Hilfsmaßnahmen melden. Mal sehen, wer sich traut.
Deutschland hat das einzig richtige getan, um die gesamte fossile Energieerzeugung umzustellen. Nicht dass ein Tsunami bei passieren kann, aber auch hierzulande kann Radioaktivität entweichen. Sei es aus einem KKW oder aus einem Zwischenlager, wie z.B Asse.
Der "billige" Produktionspreis von Atomstrom wird immer wieder als Vorwand genommen, um mit der Technologie weiterzumachen. Wenn wir 10 Euro im Monat sparen wollen, gehen wir allerdings solche Risiken ein, wie in Japan.
Wir sind in D bald soweit neben den KKW auch Kohlekraftwerke abzuschalten.
Freut euch! Wir werden die Wende erleben!

EDBxx

07.08.2013, 12:00 Uhr

Welche Wende? Wende zum Atomstrom? .. derzeit sind 66 Atomkraftwerke weltweit in Bau und 120 in Planung.

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