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16.05.2014

11:54 Uhr

Fusionsexperiment Wendelstein 7-X

Zukunftstechnologie oder Milliardengrab?

Forscher wollen nach dem Modell der Sonne Energie aus der Verschmelzung von Atomkernen gewinnen. In Greifswald wurde dafür seit 2005 das Fusionsexperiment „Wendelstein 7-X“ aufgebaut. Jetzt geht es an den Start.

Ein Monteur arbeitet im ringförmigen Plasmagefäß des Forschungsreaktor Wendelstein 7-X in Greifswald. In der Anlage sollen ab 2015 Tests zur Kernfusion erfolgen. dpa

Ein Monteur arbeitet im ringförmigen Plasmagefäß des Forschungsreaktor Wendelstein 7-X in Greifswald. In der Anlage sollen ab 2015 Tests zur Kernfusion erfolgen.

GreifswaldPhysikern wird ein eher rationales und nüchternes Verhältnis zu ihrem Forschungsgegenstand nachgesagt. Doch Thomas Klinger, Direktor am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Greifswald, hat zum Kernfusionsexperiment „Wendelstein 7-X“ inzwischen eine väterlich-emotionale Beziehung - „wie bei einem kleinen Kind, das seine ersten Schritte macht“.

Der 49-Jährige steht unter Spannung, wippt auf den Zehenspitzen. Nicht ohne Grund: Seit 1996 wurde in Greifswald am Fusionsexperiment geplant und gebaut. Mit sieben Jahren Verspätung geht der „Wendelstein“ nun in die Vorbetriebsphase. Am 20. Mai werden Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU), EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) den offiziellen Startschuss geben.

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Die Kernfusion gilt als Energielieferant der Zukunft. Doch während die Regierungen Milliarden in den Bau von Reaktoren stecken, bleiben entscheidende technische Probleme weiterhin ungelöst. Manch Kritiker sieht gar in dem Reden über die „Energie der Zukunft“ nur einen Versuch, Forschungsgelder einzustreichen.

Was die Physiker mit Hilfe von Mitteln des Bundes, der EU und des Landes in Greifswald geleistet haben, ist technologisches Neuland. In einem ringförmigen Magnetfeld – gebildet von 70 supraleitenden Magnetspulen – wollen sie ein bis zu 100 Millionen Grad heißes Plasma erzeugen. Voraussetzung dafür, dass später Atomkerne ähnlich den Prozessen auf der Sonne verschmelzen können und große Energiemengen freigeben. Eine Fusion selbst ist in Greifswald nicht geplant. Es soll lediglich das Verhalten des Plasmas unter Hochtemperatur erforscht werden.

Seit der Diskussion um die Kostenexplosion und Bauverzögerungen des internationalen Fusionsreaktors „Iter“ im französischen Cadarache stand auch das Kernfusionsexperiment „Wendelstein 7-X“ in der Kritik. Die Gesamtkosten für das Greifswalder Fusionsexperiment haben sich wegen der längeren Bauzeit von rund 500 Millionen auf über eine Milliarde Euro mehr als verdoppelt.

Zuletzt zweifelten Grüne und Umweltverbände an der Strahlensicherheit des Hallenbetons und forderten einen Projekt-Stopp für „Wendelstein 7-X“. Der TÜV Süd hat die Zweifel in einem Gutachten ausgeräumt.

Kommentare (4)

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16.05.2014, 13:16 Uhr

Guter Artikel.

Zum Vergleich: Die Kosten in Greifswald sind in den letzten JAHREN auf eine Milliarde EUR "explodiert". Allein die EEG-Umlage für die Erneuerbaren Energien kostet derzeit eine Millarde alle zwei WOCHEN!



Account gelöscht!

16.05.2014, 13:32 Uhr

Das ist eine der wenigen Dinge wo Geld gut angelegt ist.

Zum Vergleich Kindergeld für Saisonarbeiter: Eine Milliarde!

Account gelöscht!

16.05.2014, 14:20 Uhr

Diese Energiequelle, sollte sie jemals funktionieren, macht nur für Raumschiffe Sinn, die privilegierte Bevölkerungsschichten nach der Zerstörung unserer Erde in "Sicherheit" bringen.

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