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18.04.2016

10:04 Uhr

Geisternetze

Schwimmende Todesfallen belasten die Ozeane

Was vergessene Landminen für Menschen sind, stellen Geisternetze für Meerestiere dar. Ihren eigentlichen Zweck erfüllen die herrenlosen Fanggeräte schon lange nicht mehr. Doch noch immer sind sie tödliche Fallen.

Unzählige Fische verenden täglich in solchen Geisternetzen. dpa

Geisternetz in der Ostsee

Unzählige Fische verenden täglich in solchen Geisternetzen.

WaretownDie Arbeit auf See ist hart. Dass bei Sturm auch mal etwas über Bord fällt, gehört für Fischer zum Geschäft. Schätzungen zufolge gehen jedes Jahr bis zu zehn Prozent der Ausrüstung verloren. Folglich treiben heute überall auf der Welt tonnenweise herrenlose Netze und Krebsreusen umher.

Für die Bewohner der Meere ist das verlassene Fanggerät oft gefährlich: Unzählige Fische verenden täglich in diesen Geisternetzen. Eine Reihe von Initiativen bemüht sich inzwischen, die Folgen dieses Problems abzumildern.

Eine davon ist die Gruppe Ghost Fishing Foundation. Gegründet wurde sie von dem niederländischen Taucher Pascal van Erp, der bei seinen Expeditionen unter Wasser immer wieder mit der massenhaften Verbreitung des gefährlichen Treibguts konfrontiert wurde.

„Das Problem mit verlorener Ausrüstung ist enorm“, sagt er. Man finde sie in allen Meeren, in allen Tiefen, am Strand und auch unter dem Sand. „Ich vermute, dass das Problem niemals vollständig gelöst wird, aber wir können dafür sorgen, dass es nicht noch schlimmer wird, indem wir Behörden und die allgemeine Öffentlichkeit darüber informieren.“

Strömungen bringen die Netze an entlegenste Orte

Seit vielen tausend Jahren fahren die Menschen aufs Meer hinaus, um zu fischen. Und schon immer gingen dabei auch mal Netze verloren. Seit einigen Jahrzehnten, seit die globale Fischereiwirtschaft mit effektiver Technik systematisch die Meere durchkämmt, nimmt das Problem allerdings bedrohliche Ausmaße an. Durch Strömungen gelangt das Treibgut an die entlegensten Orte.

Nicht nur private Gruppen wie die Ghost Fishing Foundation, auch staatliche Institutionen und Unternehmen versuchen daher, Netze und sonstiges Fanggerät zumindest punktuell aus dem Meer zu holen. Ziel ist vor allem der Schutz der Umwelt und der durch das Treibgut bedrohten Tiere.

In einigen Fällen geht es aber auch darum, Gefahren für die Schifffahrt zu vermeiden. Die geborgene Ausrüstung kann teils erneut im Fischfang eingesetzt werden, zum Teil wird sie sogar zur Energiegewinnung genutzt.

Neben Netzen sind vor allem Meerestierfallen wie Krebsreusen eine Gefahr. Nicht selten werden die Leinen, über die sie zum Beispiel an Bojen befestigt sind, durch fremde Schiffe durchtrennt. Die tödlichen Fallen bleiben dann meist herrenlos am Meeresgrund zurück oder werden durch Strömung an andere Orte vertrieben.

„Die Krebse verfangen sich in den Kästen und verhungern dort“, sagt John Wnek, Leiter der Marine Academy of Technology and Environmental Science im US-Staat New Jersey. Gemeinsam mit seinen Studenten macht Wnek in der Barnegat Bay an der US-Ostküste Jagd auf alte Reusen und Netze. „Sie fangen noch immer Fisch, obwohl sie schon lange niemand mehr dafür nutzt. Das passiert überall, wo es kommerziellen Fischfang gibt.“

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