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08.11.2016

11:47 Uhr

Geologischer Brexit

Großbritannien bröckelt ab

VonDaniel Lingenhöhl
Quelle:Spektrum.de

Nicht nur politisch und wirtschaftlich, auch geologisch entfernt sich Großbritannien immer mehr von Europa. Forscher sind jetzt einem Zerfallsprozess auf die Spur gekommen, der sich offenbar beschleunigt.

Die Kreidefelsen von Sussex bröckeln beschleunigt ins Meer.

Kreideklippen in Beachy Head (Sussex)

Die Kreidefelsen von Sussex bröckeln beschleunigt ins Meer.

HeidelbergEine Art geologischer Brexit macht sich mit zunehmendem Tempo an Englands südlicher Küste bemerkbar: Die Kreidefelsen von Sussex bröckeln offensichtlich beschleunigt ins Meer, so eine Studie von Martin Hurst von der University of Glasgow und seinem Team.

Über Jahrtausende hinweg habe sich die Küste in dieser Region stetig um 2 bis 6 Zentimeter pro Jahr zurückgezogen, schreiben die Wissenschaftler. In den vergangenen 150 Jahren habe sich dieser Prozess jedoch auf 22 bis 32 Zentimeter pro Jahr beschleunigt.

Daten zur Küstenerosion werden erst seit dem 19. Jahrhundert genau erfasst, weshalb Hurst und Kollegen für die Berechnung des früheren Abtrags eine Isotopenanalyse heranziehen mussten. Mit Hilfe von Beryllium-10 lässt sich datieren, wann Gesteine freigelegt wurden, wie es bei den schwindenden Kreidefelsen der Fall ist. Über ein Modell der Küstendynamik erhielten die Forscher so Werte für den langsamen Abtrag seit Ende der letzten Eiszeit, die sie mit den neueren Messungen vergleichen konnten.

Mehrere Faktoren sind an der Küstenerosion beteiligt: Zum einen trafen in den vergangenen Jahrzehnten stärkere Stürme und damit auch eine wuchtigere Brandung auf die Küste von Sussex, wodurch die Felsen stärker angenagt wurden. Einen direkten Zusammenhang zum Klimawandel ziehen die Wissenschaftler aber nicht, da sich die Erosion schon vor 150 Jahren deutlich verstärkte – also bevor der menschengemachte Klimawandel einsetzte.

Eher schon spielten menschliche Eingriffe in die Küstenstruktur eine herausgehobene Rolle, so die Forscher. Baumaßnahmen westlich der am stärksten betroffenen Kliff-Abschnitte hätten zwar die Ufer geschützt, jedoch verringerten sich dadurch gleichzeitig die Sedimentmengen, die dort zuvor ins Meer gespült wurden.

Normalerweise lagern sich diese Sedimente vor den Klippen ab und verbreitern den Strand oder flachen die Strandplatte im Meer ab. Entsprechend verlieren die Wellen mehr Energie, wenn sie gegen die Küste aufliefen. Mangels Material verringerte sich in der jüngeren Vergangenheit die Schutzwirkung, sodass die Brandung mit größerer Wucht auf die Felsen trifft – und so für stärkere Erosion sorgt.

Kommentare (1)

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Herr Tom Schmidt

08.11.2016, 14:34 Uhr

Ich habe den Artikel mit leichtem Schmunzeln gelesen... möchte aber darauf hinweisen, dass der Autor einem Irrtum unterliegt.

Selbst wenn die Küste mehr erodiert und dann der Kanal breiter wird, heisst das ja nicht, dass GB insgesamt sich entfernt...

die richtige Interpretation ist doch, dass GB absäuft! :-)

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