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13.04.2013

11:07 Uhr

Gewässerschutz

Mehr Dreck für den Bodensee

Die Berufsfischer am Bodensee haben ein Problem: Ihr See ist zu sauber geworden. Die von ihnen favorisierten Lösungen des Problems lassen allerdings beim zuständigen Umweltministerium die Alarmglocken schrillen.

Der Bodensee ist so sauber wie seit Jahrzehnten nicht mehr - für die Fischer am See ein Problem. dpa

Der Bodensee ist so sauber wie seit Jahrzehnten nicht mehr - für die Fischer am See ein Problem.

FriedrichshafenGert Meichle zieht an seinem Netz. Ganz langsam, Meter für Meter rutschen die Maschen aus dem kalten Bodenseewasser in das Fischerboot. Kretzer hängen daran, ein paar Trüschen, Felchen und Saiblinge, auch ein kleiner Hecht hat sich in dem Nylon verfangen. Sie schnappen nach Luft, zappeln in den Fäden hin und her. Gert Meichle greift mit gelben Gummihandschuhen nach den Fischen und zieht sie mit mechanischen Bewegungen aus den Maschen heraus.

So richtig zufrieden sieht der Berufsfischer allerdings nicht aus. „Heut läuft es ganz gut“, sagt der Berufsfischer. „Aber manchmal hab ich auch wochenlang nur zwei Fische im Netz.“

Leere Kisten bringt momentan nicht nur er mit nach Hause: Am Bodensee-Obersee - dem größeren der beiden Seen des Bodensees - ist der Fisch-Ertrag 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 40 bis 50 Prozent gesunken. Endgültige Zahlen gebe es derzeit noch nicht, heißt es bei der Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg. Rückläufig sei der Fang aber schon seit mehr als zwanzig Jahren.

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„Momentan decke ich noch nicht mal meine Kosten“, sagt Meichle. Der 51-Jährige zündet sich eine Zigarette an. Seit sieben Generationen fährt seine Familie in Friedrichshafen auf den Bodensee hinaus, gelernt hat Meichle sein Fischerhandwerk vom Großvater. Heute nimmt er manchmal seinen Sohn mit auf den See. „Fischer wird er aber sicher nicht mehr“, sagt Meichle.

Denn wer heute als junger Fischer anfangen wolle, bekomme kaum noch Kredite von den Banken, sagt Meichle. Zu niedrig ist der Verdienst, zu hoch sind die Risiken in dem Beruf. Uwe Hornstein steht neben ihm und nickt - auch er hatte Startschwierigkeiten. Der 28-Jährige aus Meersburg bildet mit Meichle eine Zweckgemeinschaft auf dem kleinen Fischerboot: Um Sprit, Kraft und Zeit zu sparen, fahren die beiden zusammen auf den See hinaus.

Doch weil es wirtschaftlich trotz ihrer Boots-WG nicht mehr so richtig läuft, will Hornstein es in diesem Sommer zusätzlich noch mit einem Bootsverleih versuchen. „Wenn das nicht genügend einbringt, muss ich aufhören“, sagt er. Dass die Erträge sinken, hat für die Beiden - genau wie für viele ihrer Kollegen - einen Hauptgrund: Der Bodensee ist so sauber wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Kommentare (8)

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aspi

13.04.2013, 12:02 Uhr

Ist schon witzig: WEGEN dem Umweltschutz sterben die Fische aus...

bjarki

13.04.2013, 15:56 Uhr

Neugierig war das Schneiders Weib ( Gruene und hysterischer Umweltschutz) streut Erbsen hin zum Zeitvertreib ( greift in die Natur ein und macht das Bodenseewasser fast keimfrei)....

Dekandenz laesst Fische sterben unter dem Beifall der kranken Wohlstands Zahnarztfrauen. Und jezt wird Gruen auch noch liberal ! Das ist sexy, wie Berlin.

Account gelöscht!

13.04.2013, 19:13 Uhr

KLäranlagen an Binnenseen (nicht nur am Bodensee) sind speziell ausgerüstet, um den Phosphatgehalt des bereits biologisch gereinigten Abwassers zu senken. Da Phosphat in den Voralpenseen typischerweise der Minimumstoff ist, d.h. das Pflanzenwachstum beschränkt, wird dadurch der nicht zu kontrollierende Nitrateintrag neutralisiert.

Phosphatfällung ist kostenintensiv, da dabei Fällungsmittel zum Einsatz kommen. Im vorliegenden Falle würde es genügen, die bestehenden Wasserrechtsbescheide für einige oder alle Kläranlagen am See dahingehend zu ändern, daß der einzuhaltende max. Phosphatgehalt zunächst einmal zeitweise (saisonbedingt) angehoben wird. Das spart den Gemeinden Betriebskosten und kann, begleitet durch wiederholte Wasseranalysen, zu einem zufriedenstellenden Gleichgewicht führen.

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