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19.04.2011

18:19 Uhr

Handelsblatt exklusiv

Experten über Stromnetz-Bedarf uneins

VonKlaus Stratmann

Wie viele neue Übertragungsleitungen für den Ausbau der Stromnetze erforderlich sind, ist umstritten. Das Wirtschaftsministerium geht von 500 Kilometern aus, die Dena hält 3.600 Kilometer für nötig.

Der Ausbau der Stromnetze ist zentraler Bestandteil der von der Bundesregierung angestrebten Energiewende. Quelle: dpa

Der Ausbau der Stromnetze ist zentraler Bestandteil der von der Bundesregierung angestrebten Energiewende.

Berlin.Eine Studie des Beratungsunternehmens Consentec, angefertigt im Auftrag des Wirtschaftsministeriums, kommt zu dem Ergebnis, dass 500 Kilometer neuer Leitungen ausreichen. Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) dagegen hält bis zu 3.600 Kilometer neuer Übertragungsleitungen für erforderlich. Aus Sicht von Fachleuten sind die Zahlen der Dena zu hoch gegriffen.

Die Dena-Studie gehe „von extremen Annahmen aus“, sagte Christian von Hirschhausen, Experte für Infrastrukturpolitik an der TU Berlin, dem Handelsblatt. Zudem würden die Vorteile bestimmter neuer Techniken, zum Beispiel der Einsatz der besonders leistungsfähigen Hochtemperaturseile, von der Dena nicht gebührend berücksichtigt. Insgesamt werde die Frage des Netzausbaus überbewertet. „Das Thema wird instrumentalisiert, um den Ausbau der erneuerbaren Energien möglichst schwierig erscheinen zu lassen“, sagt Hirschhausen.

Die neuen Leitungen werden erforderlich, weil sich mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien Stromerzeugung und Stromverbrauch räumlich immer weiter auseinander entwickeln. Künftig wird der Windstrom aus den norddeutschen Küstenregionen tragender Teil der Energieversorgung werden. Die Verbrauchszentren liegen jedoch im Westen und Südwesten des Republik. Der Strom muss quer durchs Land transportiert werden. Dass das Netz in seinem jetzigen Zustand sehr bald an seine Grenzen stößt, ist unbestritten. Schon heute kann der Windstrom nicht mehr jederzeit komplett eingespeist werden.

Aus Sicht von Hirschhausen ist es illusorisch davon auszugehen, dass dass Netz so ausbaugebaut werden kann, dass stets alle Windstrommengen aufgenommen werden können. "Wir werden uns an den Gedanken gewöhnen müssen, dass es Zeiten gibt, in denen der Windstrom nicht komplett ins Netz geht“, sagt er. Der Bundesverband Windenergie (BWE) sieht die Probleme im übrigen nicht in erster Linie bei den Übertragungsnetzen, also den „Stromautobahnen“, sondern auf der Ebene der Verteilernetze. „Fast alle Abschaltungen von Windenergieanlagen sind auf Überlastungen auf Verteilernetzebene zurückzuführen“, sagte BWE-Präsident Hermann Albers. Die Branche prüft, in den Netzausbau einzusteigen.

Kommentare (4)

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wone

19.04.2011, 22:56 Uhr

Intelligent scheint wohl der politische Haufen nicht zu sein! Dr. Dr. Dr. Dr. = Unfähig!
Die Lösung sit doch einfach:
1. Windenergie wird für Norddeutschland und teils Ruhrgebiet geplant! Kernkraftwerke werden dann im Norden abgeschaltet. Ich denke 500 KM neuen Leitungen aufalten Trassen
2. Im Rhein Main Gebiet, BW. und Bayern werden die neunen notwendigen Gaskraftwerke installiert und gleichzeitig
die Kernkraftwerke stillgelegt. Somit haben wir eine Stromversorgung in der Fläche.
Später wird Windenergie-Überschuß in Wasserstoff umgewandelt, gespeichert, und auch für die Brennstoffzellen in Autos und Häusern zur >Heizung verwendet
Aber 4000 km Leitungen sind Irrenhausgeschichten
von dummen Politikern

auf_in_den_Norden

20.04.2011, 01:11 Uhr

Vielleicht nicht einfacher - aber naheliegender - ist die Einführung regionaler Strompreise. Energieintensive Betriebe wären damit eingeladen, sich langfristig im (Energie-)Überschußgebiet Norddeutschland anzusiedeln.
Dies würde sich mit Sicherheit positiv auf den Strukturausgleich (Länderfinanzausgleich) auswirken.

Kommt die Energie nicht zu mir, geh' ich zu ihr.

yoatmon

20.04.2011, 18:23 Uhr

Es müssen überhaupt keine neuen Leitungen verlegt werden, sondern vorhandene Leitungen durch Bessere ersetzt werden.
http://idw-online.de/pages/de/news418752

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