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31.05.2014

10:01 Uhr

Haus der Zukunft

Null Euro für Strom und Energie

Aus einem ganz normalen Einfamilienhaus der 60er Jahre in Bottrop wurde ein Energiespar-Musterhaus. Lichtschalter steuert man per Smartphone, die Lüftung funktioniert automatisch. Wie lebt es sich in der Hightech-Hütte?

Beate und Christian Kewitsch freuen sich über die Kostenersparnis in ihrem Zukunftshaus in Bottrop (Nordrhein-Westfalen). dpa

Beate und Christian Kewitsch freuen sich über die Kostenersparnis in ihrem Zukunftshaus in Bottrop (Nordrhein-Westfalen).

BottropHeiz- und Stromkosten schlagen mit null Euro zu Buche, die Haustür wird mit Fingerabdruck statt Schlüssel geöffnet, und neben dem Haus gibt es eine Privat-Stromtankstelle für das Elektroauto: So lebt der Zahnarzt Christian Kewitsch mit Frau Beate und zwei Töchtern in seinem umgebauten „Zukunftshaus“ in Bottrop. Der Energiekonzern RWE und 30 Bautechnik-Unternehmen haben aus dem 1960er-Jahre-Einfamilienhaus der Kewitschs ein Musterobjekt für Energieeinsparung gemacht. Seit der Einweihung Mitte Juli 2013 wohnt die Familie jetzt knapp ein Jahr darin.

Ausgerechnet in einer der letzten Steinkohlen-Bergbaustädte Deutschlands steht damit ein bundesweit beachtetes Vorzeigeprojekt für die Energiezukunft: ein Haus aus 50 Jahre altem Bestand mit um 90 Prozent verringertem Wärmebedarf, Photovoltaik auf dem Dach für die Stromerzeugung, Wärmepumpe für das Heizungswasser, Computer-Steuerung der Lampen und Rollläden - kurz: mit allem, was CO2 spart und Technik-Fans glücklich macht.

Für RWE ist das ein großes Thema. Seitdem die Kraftwerke in Energiewende-Zeiten kein richtiges Geld mehr erwirtschaften, setzen alle Versorger auf dezentrale Energieangebote - also Strom vom eigenen Dach, Wärme aus dem eigenen Keller, Blockheizkraftwerke. RWE liefere dann nicht mehr nur Kilowattstunden, sondern ein „warmes Haus“, sagt der Geschäftsführer der zuständigen Gesellschaft RWE Effizienz, Norbert Verweyen. Der Konzern will bei Umbau, Finanzierung, Anlagenkauf und Stromeinspeisung beraten, vermitteln - und natürlich mitverdienen.

Die Politik ist ebenfalls höchst interessiert. In NRW stammen mehr als sechs der acht Millionen Wohnungen aus der Zeit vor 1977, dem Jahr der ersten Wärmeschutzverordnung. Ihr Energiebedarf ist fünf- bis sechsmal so hoch wie bei heutigen Neubauten. Ohne moderne Dämmung und energiesparende Umbauten des Wohnungsbestandes wird das Erreichen der CO2-Einsparziele schwierig. Doch wie lebt es sich in dem Musterhaus?

Kommentare (5)

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02.06.2014, 10:25 Uhr

Kapitalisiert man die 500.000 EUR Investitionssumme, kommt eine unbezahlbare Energierechnung raus. Nacheifern werden diesem Modell also nur betriebswirtschaftlich unbeleckte Gutmenschen mit tiefem Geldbeutel. Bei einer Heizungsrechnung von 3.000 EUR/a lohnt sich doch nur ausnahmsweise eine Investition von 50.000 EUR.

Der Weg mit dem "intelligenten" Haus ist grundsätzlich gut. Mit "ein paar 100 EUR" wird man allerdings nichts Spürbares erreichen. Bei viel Eigenleistung, vor allem auch beim späteren Betrieb, kann man mit 5.000 EUR aber schon einige Energieeinsparung erreichen.

Besonders wertvoll ist Sensorik. Will man beispielsweise die Kennlinie des Außenthermometers an der Heizung einstellen, braucht man dafür auch Einstellkriterien. Mit den Werkseinstellungen erreicht kaum ein Brennwertkessel einen Arbeitsbereich, in dem er überhaupt den Brennwertbetrieb erreicht. Entsprechend bleibt die Kondensatleitung trocken.

Eine normale Heizungsanlage liefert die nötigen Daten nicht, weshalb nach einer kürzlich veröffentlichten Studie 90% aller Heizungen mit der Werkseinstellung betrieben werden. Weiter kommt man nur wenn man weiß, wie weit die Ventile an den einzelnen Heizkörpern jeweils geöffnet sind.

Einem üblichen Thermostatventil sieht man die Ventilstellung nicht an. Und selbst wenn: Wer rennt über eine ganze Heizperiode hinweg immer wieder, auch nachts, durch's ganze Haus, um diese Stellungen abzulesen und die Kennlinie anzupassen? Die Daten müssen zentral erfasst und aufgezeichnet werden.

Ein großes Problem des "intelligenten" Hauses: Es gibt keine breit eingeführten, ausreichend vollständige Normen. So pflegt jeder Hersteller seine eigene, gegen Konkurrenz abgeschirmte Marktnische mit entsprechenden Preisen.

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02.06.2014, 11:15 Uhr

Mit diesem Prototyp zeigt RWE, was schon heute technisch möglich ist.

Das Beispiel macht deutlich: Die Energieversorgung für einen Privathaushalt wird in Zukunft keine große Belastung bedeuten. Wenn bei der Kernsanierung eines Hauses aus den 70er Jahren mehr Geld in Dämmung, in eine moderne Heiztechnik und in eine großzügig dimensionierte Photovoltaikanlage incl. Kleinspeicher investiert wird, hat man die zusätzliche Investition in 10-15 wieder raus, da man ca. 80 % der Heizkosten und 80% der Stromkosten spart.

Neu gebaute Häuser können schon heute ohne großen Mehraufwand als Niedrigenergiehäuser ausgeführt werden.

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02.06.2014, 11:55 Uhr

Da sind sie aber überoptimistisch! Bei einem Haus aus den 1970er Jahren werden Sie großen Aufwand treiben müssen, um überhaupt auf 50% weniger Heizenergie zu kommen.

Sie müssten also rund um das Haus aufgraben, um die Wärmeisolierung unter die Bodenplatte/Kellerdecke zu ziehen, die sie dann auch noch wasserfest auslegen müssen. Wenn Sie die Kellerdecke isolieren ist die Gefahr groß, dass Sie im Keller nicht mehr stehen können. Sie müssen den Balkon absägen und durch eine vorgesetzte Konstruktion ersetzen, um eine riesige Wärmebrücke zu beseitigen. Die Fensternischen müssen Sie komplett umbauen, mit vorgesetzten Rolladenkästen und höheren Fenstern, um die Abschirmung des Tageslichts durch die Außenisolierung zu kompensieren. Für die Lüftungsanlage ist nirgendwo Platz vorgesehen. Ich könnte noch lange weiter machen.

Die Frage ist auch, wie viel Spielraum Ihnen die Baubehörde überhaupt lässt, wenn Sie die Außenform des Gebäudes ändern und die überbaute Fläche deutlich vergrößern wollen.

Bei Neubauten ist der Aufwand natürlich geringer. Aber 100.000 EUR Mehraufwand kommen auch da schnell zusammen.

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