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28.03.2012

11:43 Uhr

Havarie in der Nordsee

Wie gefährlich ist das Gas?

An der Bohrinsel „Elgin“ in der Nordsee tritt weiter unkontrolliert hochexplosives Gas aus. Ein Ölfilm breitet sich aus, benachbarte Gasförderplattformen werden evakuiert. Umweltschützer fürchten eine „Todeszone“.

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Gasleck-Probleme in der Nordsee

Video: Gasleck-Probleme in der Nordsee

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London/Oslo/AberdeenNach der Evakuierung der Gas- und Ölförderplattform „Elgin“ vor der schottischen Küste wächst die Sorge vor einer Umweltkatastrophe. An der Bohrinsel des Betreibers Total strömt auch heute unkontrolliert giftiges, hochexplosives Gas aus. Zur Schließung des Gaslecks an dem Bohrloch vor der Ostküste Schottlands prüft der Energiekonzern mehrere Möglichkeiten. Bis zur Fertigstellung einer Entlastungsbohrung könnten jedoch sechs Monate vergehen, erklärte Total laut einem Bericht des britischen Senders BBC vom Mittwoch. Die Lage sei stabil, das Leck sei jedoch noch nicht gefunden.

Experten zeigten sich über die Tatsache beunruhigt, dass an der lecken Nordsee-Gasplattform noch immer eine Gasfackel brennt. Ein Sprecher des französischen Energiekonzerns Total räumte am Mittwoch ein, dass die Flamme an der Spitze der Anlage drei Tage nach der vollständigen Evakuierung der Anlage weiterhin brenne. Experten zufolge könnte es zu einer Explosion kommen, wenn das durch ein Leck austretende Gas mit der Fackel in Kontakt kommt.

Gasunfälle in der Nordsee

April 2011

Wegen eines Gaslecks wird eine Bohrplattform des norwegischen Statoil-Konzerns in der Nordsee zeitweise evakuiert. Nur eine Notbesatzung bleibt auf der Visund-Plattform nordwestlich von Bergen zurück. Hubschrauber bringen alle anderen der insgesamt 123Mitarbeiter zu benachbarten Plattformen.

Mai 2008

Auf der norwegischen Nordsee-Bohrinsel Statfjord entdecken Kontrolleure Gas in einem Versorgungsschacht. Fast alle 200 Beschäftigte müssen die Plattform verlassen. Die Bohrinsel liegt in großer Entfernung vom Festland an der Grenze zwischen dem norwegischen und dem britischen Teil der Nordsee.

November 2004

Freiwerdendes Gas auf der norwegischen Bohrinsel Snorre A in der Nordsee löst höchste Explosionsgefahr aus. Experten befürchten, die Plattform könne kentern und sinken. 180 Menschen werden per Hubschrauber und Schiff in Sicherheit gebracht. Mit Bohrschlamm wird das Leck nach 16 Stunden abgedichtet.

Mai 2002

Ein Fischerboot rammt bei dichtem Nebel eine Gasplattform vor der Küste der nordenglischen Hafenstadt Hull und beschädigt eines der Standbeine. 110 Menschen werden in Sicherheit gebracht, es gibt keine Verletzten. Die Plattform ist wegen Reparaturarbeiten stillgelegt, so dass kein Gas entweichen kann.

Ein Experte der Universität Liverpool zeigte sich dagegen überrascht, dass die Flamme drei Tage nach Stilllegung der Plattform noch nicht erloschen sei. Die Explosionsgefahr sei „sehr schwer vorauszusagen“. Vermutlich konzentriere sich das ausströmende Gas am Fuße der Plattform. Durch Windwirbel könnte es jedoch in Kontakt mit der Fackel geraten. Solange die Flamme nicht gelöscht sei, könne aus Sicherheitsgründen niemand sich der Anlage nähern.

„Selbst wenn es eine große Explosion geben würde, wäre die Küste nicht in Gefahr“, sagte Simon Boxall, Wissenschaftler an der Universität von Southampton, dem Handelsblatt. Derzeit gefährde der im Gas enthaltene Schwefelwasserstoff die Meerestiere im Umkreis von etwa einem Kilometer um das Leck. Austretendes Öl sei leicht und verwirble schnell. Daher seien Auswirkungen auf die Umwelt überschaubar. Falls eine Explosion weitere Lecks hervorrufen würde, bliebe die Verschmutzung weiterhin lokal beschränkt.

Inzwischen scheine die Explosionsgefahr gesunken zu sein. Gas habe sich - trotz der üblichen Gasfackel auf der Plattform - bislang nicht entzündet. Es entweiche also offenbar schnell in der Luft.

Derzeit erforschen Roboter das Leck. Um das Leck zu schließen sei eine Entlastungsbohrung ebenso denkbar wie der Versuch, das Loch mit Bohrschlamm zu füllen oder das beschädigte Rohr zu schließen. Die Bohrstelle liegt nicht in der Tiefsee. Allerdings liegt das Gas in kilometertiefen Gesteinsschichten unter 1 100 Bar Druck bei 200 Grad Celsius vor.

Kommentare (5)

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Daniel-Duesentrieb

28.03.2012, 11:14 Uhr

So unangenehm, wie fehlendes Augenmaß bei den Betreibern dieser Anlagen ist, so unangenehem ist das reflexartige Katastrophenszenario der "Gegner".
Grenzenlos Energie wollen und verbrauchen, Komfortverhalten wollenund ausbauen, Gewinne für sich beanspruchen aber anderen nicht gönnen hat eben Konsequenzen.
Warten wir doch mal ab, wie die Techniker dieses Problem in den Griff bekommen und sorgen persönlich dafür, das wir mehr gut ausgebildete TechnikerInnen bekommen, die die Wünsche unserer Konsumgesellschaft umsetzen können.

whisky

28.03.2012, 11:46 Uhr

Die Techniker haben jahrelang an einem Ventil für den enormen Druck, der in dem 7000 Meter tief in der Erde gelegenen Gasfeld herrscht, gebastelt.
Im WDR 5 gehört: Entweder es hört von selbst auf, oder es dauert ca. sechs Monate, bis eine Entlastungsbohrung fertig ist. Und ob man es dann dicht bekommt?
Wie wärs mit dem schnellen Ausbau von - dezentralen - erneuerbaren Energieen.

Account gelöscht!

28.03.2012, 18:06 Uhr

Entlastungsbohrung dauert viel zu lange und es ist fraglich ob es überhaupt funktioniert.
Die Experten diskutieren es mittels einer Schlamminjektion zu verschließen. Könnte klappen muss aber nicht und dauert auch ein paar Wochen Vorbereitung.
Ich frage, warum nicht radikal zusprengen mittels Unterwasserminen ?
Die Bohrplattform entweder auf die Schnelle abbauen und wegschleppen oder als Kolateralschaden in Kauf nehmen.

Bis jetzt sollen angeblich nicht mehr als 20 to Gas ausgetreten sein.
1 m³ Gas = ca. 920 g
20.000 kg : 0,92 kg/m³ = 21.739,13 m³ Gas
Man geht davon aus, dass pro m² Wohnfläche durchschnittlich in jedem Jahr 14 m³ Gas für die Beheizung verbraucht werden, also für eine 71,43 m² Wohnung ca. 1000 m³.
Es sind also bis jetzt ein fast Zweijahresverbrauch an Heizenergie einer mittleren Zweizimmerwohnung entwichen.
Schön, wenn man ein bischen rechnen kann !

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