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12.11.2015

14:51 Uhr

Herbizid Glyphosat

Freispruch für Unkrautvernichter

VonSiegfried Hofmann

Die EU-Nahrungsmittelbehörde kommt zu dem Ergebnis, dass eines der umsatzstärksten Unkrautvernichtungsmittel der Welt doch nicht krebserregend ist – und widerspricht damit der WHO. Wer sich über die Entscheidung freut.

Laut EU-Nahrungsmittelbehörde ist das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosate doch nicht krebserregend. Reuters

Monsanto

Laut EU-Nahrungsmittelbehörde ist das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosate doch nicht krebserregend.

FrankfurtVor knapp einem halben Jahr sorgte die Internationale Krebsforschungsagentur IARC, eine Einrichtung der Weltgesundheits-Organisation (WHO), für Aufregung: Sie stufte das weit verbreitete Herbizid Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein – und erschütterte damit die Pflanzenschutz-Branche. Umweltschützer und etliche Politiker forderten umgehend ein Verbot des Unkrautvernichtungsmittels, was sowohl etliche Hersteller als auch ihre Kunden – die Landwirte – erheblich belastet hätte. Der Grund: Das seit gut 40 Jahren zugelassene Glyhosat ist das wohl am häufigsten eingesetzte Pflanzenschutz-Mittel in der Welt.

Experten aus der Industrie und dem Bundesamt für Risikobewertung (BfR) hatten der IARC-Einstufung von Anfang an widersprochen. Nun bestätigt auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA diese Einschätzung: In einer Neubewertung von Glyphosat kommt die EU-Institution zu folgendem Ergebnis: Es sei unwahrscheinlich, „dass Glyphosat eine krebserregende Gefahr für den Menschen darstellt.“ Mit einer Ausnahme sei man sich einig, dass weder die epidemiologischen Daten – also solche die sich auf den Menschen beziehen – noch die Befunde aus Tierstudien einen kausalen Zusammenhang zwischen der Glyphosat-Exposition und einer Krebserkrankung beim Menschen zeigen, teilte die EFSA mit.

Das sind die größten Agrochemie-Hersteller

Syngenta

Umsatz 2014: 15,1 Mrd. US-Dollar (2013: 14,7 Mrd. US-Dollar)

(Quelle: Geschäftsberichte)

Bayer

Umsatz 2014: 12,6 Mrd. US-Dollar (2013: 11,7 Mrd. US-Dollar)

BASF

Umsatz 2014: 7,2 Mrd. US-Dollar (2013: 6,9 Mrd. US-Dollar)

Monsanto

Umsatz 2014: 15,6 Mrd. US-Dollar (2013: 14,8 Mrd. US-Dollar)

Dupont

Umsatz 2014: 11,3 Mrd. US-Dollar (2013: 11,7 Mrd. US-Dollar)

Dow Chemical

Umsatz 2014: 7,3 Mrd. US-Dollar (2013: 7,1 Mrd. US-Dollar)

Glyphosat dürfte damit kaum noch Probleme haben, auf der EU-Liste der genehmigten Wirkstoffe zu bleiben. Für das Pflanzenschutzmittel hatte eine routinemäßige Überprüfung dieses Status angestanden.

Vor allem für den US-Konzern Monsanto – den Erfinder und nach wie vor weltweit führenden Hersteller von Glyphosat – bedeutet die Entscheidung eine wichtige Entlastung. Monsanto ist erfolgreich im Bereich von genmodifizierten Saaten, die gegen Glyphosate resistent sind, und kann den Landwirten daher ein effizientes Paket aus Saatgut und zugehörigem Unkrautbekämpfungsmittel anbieten.

Zwar ist er mit den genetisch veränderten Sorten in Europa mangels Zulassungen kaum präsent. Eine negative Einstufung von Glyphosate durch die EFSA hätte das Geschäft des US-Konzerns dennoch belastet.

Monsanto erzielte zuletzt rund fünf Milliarden Dollar Umsatz – rund ein Drittel des Konzern-Umsatzes – mit Pflanzenschutzmitteln. Den größten Anteil machten dabei mit Glyphosat-basierte Produkte aus. Das längst patentfreie Herbizid wird darüber hinaus nach Daten der WHO aber auch noch von rund 90 weiteren Unternehmen produziert. Weltweit werden danach rund 680.000 Tonnen Glyphosat im Jahr eingesetzt. Der Wirkstoff ist auch in zahlreichen Produkten für private Anwender enthalten.

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