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03.08.2013

10:29 Uhr

Himalaya-Staat Bhutan

Ein Königreich wird grün

Pestizide und Chemie-Dünger verwenden die Bauern im winzigen Berg-Staat Bhutan bislang kaum. Nun öffnet sich das abgeschottete Land der Moderne – und setzt statt auf konventionelle Landwirtschaft gleich auf Bio-Anbau.

Im Himalaya-Königreich Bhutan gibt es offiziell rund 2000 Bio-Bauern. Doch weit mehr Landwirte verzichten freiwillig auf Kunstdünger und Pestizide. dpa

Im Himalaya-Königreich Bhutan gibt es offiziell rund 2000 Bio-Bauern. Doch weit mehr Landwirte verzichten freiwillig auf Kunstdünger und Pestizide.

ThimphuIm Himalaya-Königreich Bhutan gibt es rund 2000 Bio-Bauern - und noch viele mehr sind es, ohne sich so zu nennen. „Wir sind fast alles Buddhisten. Nett zur Umwelt und zur Erde zu sein, ist für uns von zentraler Bedeutung“, sagt Kesang Tshomo, die das Bio-Programm in Bhutan leitet. Pestizide, Herbizide oder chemische Düngemittel fänden nur wenig Akzeptanz in der Bevölkerung und würden nur auf etwa 1,5 Prozent des Agrarlandes verwendet.

Bald sollen es gar keine mehr sein. Denn Bhutan will als erstes Land der Welt auf ökologische Landwirtschaft umsteigen.

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„Als wir vor einigen Jahren diese Idee hatten, war die Luft sehr sauber, die Erde unbelastet, die Flüsse nicht verschmutzt. Es wäre doch schade gewesen, das nicht zu erhalten“, meint Kesang Tshomo. Der kleine Staat mit seinen etwa 700.000 Einwohnern, etwa so groß wie die Schweiz und eingeklemmt zwischen hohen Himalaya-Bergen, war bis in die 60er Jahre vollkommen isoliert und öffnet sich nur langsam.

Erst 1999 wurden Fernsehen und Internet eingeführt, 2008 kam die Demokratie. Und bis heute gibt es nur drei Straßen in den Süden nach Indien und keine einzige in den Norden nach China.

Vor sechs Jahren wurde das Rahmenkonzept für die Bio-Landwirtschaft bekanntgegeben, doch einen festen Zeitrahmen zur Umsetzung gibt es nicht. Vielleicht schaffen wir es bis 2020, sagt Kesang Tshomo. „Ideologisch würden wir gerne morgen schon bio sein, aber praktisch müssen wir die Lebenswirklichkeit der Bauern betrachten.“

Die Bauern, das sind Menschen wie Chencho Dorji (27), der von seinem Dorf Khariphu zwei Stunden bis zur nächsten Straße laufen muss. „Es ist schwierig bei uns im Tal, weil die Hänge so steil sind und die Felder klein“, sagt er. Wie die meisten Landwirte benutzt er Ochsen - Maschinen würden sich gar nicht lohnen.

70 Prozent der Bhutaner leben von der Landwirtschaft, und doch müssen viele von ihnen noch Getreide und Gemüse zukaufen. Die Bevölkerung wächst rasch und verstädtert in rasantem Tempo. Mehr als die Hälfte des Reises muss mittlerweile aus Indien importiert werden.

Kommentare (2)

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Genteufel

04.08.2013, 09:16 Uhr

Gratulation!

Vielleicht gehört dieses Land in baldiger Zukunft zu einem der kostbarsten Länder auf unserem Globus?

Nicht verseucht von Monsantos Gentechnik, dem damit zwingend erforderlichen Einsatz von Pflanzenschutzgiften, einem exzessiv ansteigenden Düngemitteleinsatz, kranken Menschen, die sich der Profitgier dieses vermeintlich sauberen Weltkonzerns ausliefern werden.

In der westlichen Welt, Amerika, Europa, Afrika, Asien und Australien hängen wir längst am Tropf der Monsantos, Bayers, Syngentas, KWS... etc.

Aus dem Tropf werden wir mit Glyphosat, Gensaat und Düngemitteln versorgt und merken nicht, wie wir uns langsam zu Grunde richten lassen! Hauptsache die Kasse klingelt!?

Account gelöscht!

05.08.2013, 10:49 Uhr

Hallo lieber Genteufel.
Wenn das Land mit seinen 700.000 Einwohner, so groß wie die Schweiz, auch mal 8 Mill. Einwohner erreicht haben wird, dann wird es vorbei sein mit der biologischen und CO2-freien Landwirtschaft. Wie längst in anderen Ländern mit hoher Besiedelungsdichte. Biostrom- und Bionahrungsmittelanbau funktionieren nur mit viel Platz und wenigen, aber sehr fleißigen Menschen, die nicht nur über Geld und Renditen nachdenken. Wollen Sie etwa mittels des "Gesellschaftsvertrages für eine Große Transformation" à la Schellnhuber & Co. Europa auf den Stand des Entwicklungslandes von Bhutan zurück führen?
Alina Alanka

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