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11.11.2014

08:56 Uhr

Hochwasserschutz

Mit Sand dem Klimawandel trotzen

Der Klimawandel bedroht die Niederlande. 40 Prozent des Landes liegen unter dem Meeresspiegel. Deiche aber reichen als Schutz nicht mehr aus. Deshalb vollziehen die Niederländer eine radikale Wende.

Herbststurm an der niederländischen Küste. Statt Hochwasserschutz mit immer höheren Deichen setzt das Land im Kampf gegen den Klimawandel auf eine neue Strategie. dpa

Herbststurm an der niederländischen Küste. Statt Hochwasserschutz mit immer höheren Deichen setzt das Land im Kampf gegen den Klimawandel auf eine neue Strategie.

AmsterdamTräge liegen die Seehunde auf dem Sand, räkeln sich in der fahlen Herbstsonne. Normalerweise tummeln sich die Robben auf einer Sandplatte nahe der Wattenmeerinsel Terschelling. Doch nun haben sie ganz überraschend auf ihrem Weg gen Norden bereits an der westlichen Küste der Niederlande einen idealen Ruheplatz gefunden. Wie aus dem Nichts ist er entstanden: ein breiter Strand.

Auch Spaziergänger reiben sich verblüfft die Augen. Dort, wo noch vor einigen Wochen das graue Wasser gegen den Deich schwappte, erstreckt sich nun ein 200 Meter breiter gelber Sandstrand, dahinter erheben sich sanfte Dünen.

Schiffe spritzen in großem Bogen Sand ins Wasser, riesige Bulldozer schieben Sandberge vor sich her und walzen sie platt. An der nordwestlichen Spitze des Festlandes, zwischen den Dörfern Egmond und Petten, geht es nicht etwa um ein Mega-Tourismusprojekt. Hier wird ein Schutzwall gegen die zunehmenden Wassermassen errichtet – erzwungen durch den Klimawandel.

„Die Niederlande müssen sich vorbereiten“, sagt Roeland Hillen, Direktor des Flutprogramms im Ministerium für Wasserwirtschaft. „Wir haben keine Wahl, sonst kriegen wir nasse Füße.“ Es klingt so locker, doch für die Niederländer ist es eine Frage von Leben und Tod. Gut 40 Prozent des Landes liegen unterhalb des Meeresspiegels. Die Wassermassen bedrohen das gesamte Ballungsgebiet im Westen um Amsterdam.

Der Klimawandel zwingt zum Umdenken

Nach den Prognosen der Klimaforscher wird der Spiegel der Nordsee in den nächsten einhundert Jahren um ein bis vier Meter steigen. „Es wird auch mehr Superstürme geben“, sagt Direktor Hillen. Die bisherigen Schutzmaßnahmen an der nordholländischen Küste reichen da nicht mehr aus.

Eine der Schwachstellen ist der über 500 Jahre alte Deich bei Petten, die Hondsbossche und Pettemer Zeewering. Im 15. Jahrhundert wurde der Deich gebaut, nachdem das Dorf bei einer Sturmflut 1421 überflutet worden war. Doch immer wieder war die See stärker. Dünen wurden weggespült, Dörfer überschwemmt und regelrecht weggerissen von der See.

Seit gut 140 Jahren galt dieser mit dickem schwarzem Basalt bedeckte massive Verteidigungswall von zwölf Metern nun als sicher. Bis jetzt. Wegen des Klimawandels müsste er um vier Meter erhöht werden.

Doch genau das geschieht nicht. Der Klimawandel zwingt die Niederländer zum Umdenken. „Nur noch Deiche bauen oder erhöhen, reicht nicht mehr“, sagt Luc Kohsiek, der Deichgraf der nordholländischen Küstenregion. Wird ein Deich höher, muss er an der Basis auch breiter werden. Die Folge: Kostbares Hinterland geht verloren. „Außerdem hört es ja nicht auf“, sagt der Deichgraf, „durch den Klimawandel steigt das Wasser immer weiter.“

Statt gegen die Naturkräfte zu kämpfen, werden sie genutzt. Die Niederländer bauen Dünen und Strand statt Deiche. Der natürliche Schutzwall bricht die Kraft der Wassermassen schon weit vor der Küste. Das ist nicht nur nachhaltiger, wie der Deichgraf sagt. „Es ist auch billiger.“ Außerdem bringt der Schutzwall etwas ein. Denn als Nebeneffekt entsteht auch noch ein neues Touristenparadies.

Kommentare (5)

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Herr Markus Jungfer

11.11.2014, 09:35 Uhr

"Der Klimawandel zwingt zum Umdenken"

Bislang scheint dieses Umdenken aber noch nicht begonnen zu haben. Eine weitere, langfristig bessere und günstiger Lösung (günstig sowohl aus ökonomischer wie auch ökologischer Sicht) wäre die Aufgabe der Gebiete die unter dem Meeresspiegel liegen und Umsiedlung der betroffenen Menschen.
Wohin? Nun, es gibt in der EU genug Landstriche die immer mehr verwaisen. Ja, diese Landstiche gehören anderen Nationen (auch in D gibt es genug Brachland) aber der Klimawandel schert sich nicht um kleinkariertes nationalistisches Denken. eine Aufnahme diese EU-internen Klimaflüchtlinge wäre ein Zeichen der Solidarität mit unseren EU-Nachbarn.

Account gelöscht!

11.11.2014, 10:33 Uhr

Die Niederländer wären ganz schön blöde, wenn diese auf das Geschwätz und Profitgier der Jenigen vom menschengemachten CO2-Klimawandelzikus hören würden.
Der Meeresspiegel wird sich weiter so kleinlich entwickeln, wie es schon immer war. Und wenn in Zukunft die Sonne ihre Aktivität zurückführt, dann werden wir froh sein um jedes Grad Wärme die uns gegen die Abkühlung hilft.

Herr Marcel Europaeer

11.11.2014, 13:17 Uhr

Hallo Herr Jung,

prinzipiell haben Sie recht damit, dass es kostengünstiger wäre, die Menschen in den betroffenen Gebieten umzusiedeln. Aber wer will die Entscheidung treffen und sagen: Ihr müsst hier weg?

In den Niederlanden hat man sich vor Jahrzehnten ganz bewusst dafür entschieden, große Teile der ehemaligen Zuiderzee einzudeichen, trocken zu legen und landwirtschaftlich zu nutzen. Leylstad oder Emmeloord sind Städte, die deutlich unter dem Meeresspiegel angelegt wurden. Man geht davon aus, dass man auch den zukünftigen Meeresspiegelanstieg technisch bewältigen kann. Darum werden aktuell Deiche erhöht und neue Hochwasserentlastungsanlagen gebaut.

Auch in Deutschland wappnet man sich für den weiteren Meeresspiegelanstieg. Ich kenne kein Projekt in Küstenbereichen, welches nicht einen weiteren Meeresspiegelanstieg berücksichtigt. Auch Brücken über Flüsse im Binnenland werden für höhere Überschwemmungen ausgelegt. Etwas anderes wäre ja völlig abwegig. Der Meeresspiegel steigt immer schneller an und wir sollen so tun, als wäre nichts?? Keine Sorge; so dämlich sind wir nicht. In unseren aktuellen Baumaßnahmen ist der vermutete Meeresspiegelanstieg zumindest bis zum Ende des Jahrhunderts "eingepreist".

Zu Thema Umsiedelung noch ein Beispiel: Ca. 1/3 des Ruhrgebiets wäre überschwemmt, wenn dort nicht ständig der Grundwasserspiegel abgesenkt würde. Der Aufwand dafür, sogenannte Ewigkeitskosten, wird im Laufe der Zeit mit 100% Sicherheit den finanziellen Aufwand übersteigen, den eine Umsiedlung der dort lebenden Menschen kosten würde. Auf die Idee, wirklich die Umsiedlung von vielleicht 1 oder 2 Millionen Menschen zu starten, ist bisher ernsthaft noch niemand gekommen.

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