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24.01.2008

12:33 Uhr

Im Interview: Dennis Meadows

„Kein fundamentaler Wechsel“

VonSusanne Bergius

Dennis Meadows gehört zu den renommiertesten Zukunftsforschern weltweit. 1972 erarbeitete er im Auftrag des „Club of Rome“ die wegweisende Studie „Grenzen des Wachstums“, in der erstmals umfassend mögliche soziale und ökologische Folgen eines ungebremsten Wirtschaftswachstums diskutiert wurden. Im Interview erläutert er, wieweit sich die damals gestellten Prognosen erfüllt haben - und welche Herausforderungen er heute für zentral hält.

Vor einem Jahr erschien in Deutschland Ihr recht pessimistischer 30-Jahre-Rückblick. Seither haben Klimawandel-Erkenntnisse politisch und wirtschaftlich viel in Bewegung gebracht. Stimmt Sie dies optimistischer?

Durch Reihe von Anlässen, darunter den letzten IPCC-Bericht, den Stern-Report und Al Gores Film, wuchs tatsächlich das Bewusstsein von Bevölkerungen und nationalen Regierungen und sie wurden aktiver hinsichtlich der CO2-Emissionen. Dies ist ein Grund zur Hoffnung.

Trotzdem nehmen die Emissionen immer weiter zu. Und die jüngsten wissenschaftlichen Daten legen nahe, dass sich die klimatischen Schlüsselvariablen schneller ändern als wir erwartet haben. Selbst wenn wir heute einen magischen Knopf drücken könnten und alle Treibhausgase beseitigen könnten, würde sich das Klima infolge des extrem langen Zeitverzögerungen in dem System in den nächsten Jahrhunderten weiterhin ändern. James Lovelock schreibt in seinem Buch, Gaia’s Revenge”, dass der Klimawandel unsere industrialisierte Gesellschaft von diesem Planeten eliminieren wird.

So pessimistisch bin ich nicht, aber ich erwarte ernsthafte Folgen für die nächsten Jahrzehnte. Wir haben mehr als 30 Jahre geschlafen, können aber trotzdem – wenn wir jetzt sehr schnell handeln – Lösungen finden und anwenden, um ernsthafte Umweltvergiftungen zu vermeiden. Dafür reicht es allerdings nicht mehr, das auf materiellem Konsum basierende Wirtschaftswachstum zu verlangsamen, sondern wir müssen den materiellen Konsum senken. Bei unveränderter Wirtschaftsweise droht schon in 70 Jahren ein Zusammenbruch.

Welche politischen Initiativen erscheinen Ihnen vielversprechend?

Ein zentraler politischer Schritt war natürlich, dass Russland das Kyoto-Protokoll ratifiziert hat und die Vereinbarung dadurch in Kraft treten konnte. Selbst wenn Russland mehr durch die Aussicht auf den Verkauf von Emissionszertifikaten motiviert war als durch die Sorge um die globalen Wettermuster, hat diese Ratifikation der Weltgemeinschaft erlaubt, zu beginnen. Der Klimavertrag von Kyoto kann den Klimawandel nicht stoppen, aber er ist wichtig, um die Leute dazu zu bringen, nach Lösungen zu suchen.

Ich bin sehr beeindruckt von Bundeskanzlerin Merkels Vorschlag, dass wir die politische Debatte um den Klimawandel dahingehend ändern müssen, anzuerkennen, dass jede Person in der Welt das Recht auf denselben Anteil an Treibhausgasemissionen hat. Zurzeit basiert die Kyoto-Vereinbarung auf Anstrengungen, die nationalen Emissionen ausgehend von Niveaus von 1990 zu senken – und das in völliger Missachtung der unterschiedlichen Bevölkerungen der Länder oder ihrem zuvor gemachten Bemühen, den Energieverbrauch oder die CO2-Emissionen zu senken. Es gibt wenig politische Unterstützung für Merkels Vorschlag. Aber ich glaube nicht, dass es irgendwelche vernünftigen internationalen Vereinbarungen geben kann, bis ihre Ideen akzeptiert sind.

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