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12.04.2011

11:29 Uhr

Ines

Was hinter der Katastrophen-Skala steckt

VonStephan Dörner, dpa

Japan sieht die eigene Reaktorkatastrophe auf einer Stufe mit der von Tschernobyl. Wie die Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse funktioniert und was Fukushima von Tschernobyl noch unterscheidet.

Reaktor 3 des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi. Die japanische Regierung schätzt die Katastrophe inzwischen als nuklearen Unfalls größten Ausmaßes ein. Quelle: Reuters

Reaktor 3 des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi. Die japanische Regierung schätzt die Katastrophe inzwischen als nuklearen Unfalls größten Ausmaßes ein.

DüsseldorfDie japanische Regierung schätzt das Ausmaß der Reaktorkatastrophe von Fukushima I als katastrophalen Unfall ein – Stufe sieben und damit die höchste der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (Ines). Bisher war nur der Reaktorunfall von Tschernobyl in diese höchstmögliche Katastrophenstufe klassifiziert worden. Der bekannte Störfall von 1979 im US-Kernkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg beispielsweise gilt nur als ernster Unfall der Stufe fünf.

Ein mit Stufe sieben eingeordneter Vorfall bezeichnet einen katastrophalen Unfall mit dem Austritt großer Mengen Radioaktivität und schwersten Auswirkungen auf Menschen und Umwelt.

Ines soll Störfälle in nuklearen Anlagen – vor allem in Kernkraftwerken – nach international festgelegten Kriterien bewerten. Dafür werden sie nach der Schwere des Unfalls in einem achtstufigen Schema bewertet, vom Ereignis ohne oder mit nur geringer sicherheitstechnischen Bedeutung (Stufe null) bis zum katastrophalen Unfall (Stufe sieben). Die Skala wurde 1990 eingeführt und später um die Stufe null ergänzt.

Die Ines-Skala

Wo fängt die Ines-Skala an?

Bei der Stufe 0. Die sicherheitstechnische Bedeutung ist nicht vorhanden oder nur sehr gering.

Was bedeutet Störung?

Dass es zu Abweichungen von den zulässigen Bereichen für den sicheren Betrieb der Anlage kommt. Auf der Ines-Skala bedeutet das die Stufe 1.

Wann spricht man von einem Störfall?

Wenn es zu erheblichen Kontaminationen mit unzulässig hoher Strahlenexplosion beim Personal kommt und gestaffelte Sicherheitsvorkehrungen begrenzt ausfallen. Auf der Ines-Skala ist das die Stufe 2. Ab diesem Punkt sind Atomkraftwerke verpflichtet, die Zwischenfälle der Internationalen Atomenergiebehörde zu melden.

Wann liegt ein ernster Störfall vor?

Wenn es eine sehr geringe Freisetzung mit Strahlenexposition bei der Bevölkerung gibt, die in Höhe eines Bruchteils der natürlichen Strahlenexposition liegt. Bei dem Personal kommt es zu schweren Kontaminationen und akuten Gesundheitsschäden. Die gestaffelten Sicherheitsvorkehrungen fallen weitgehend aus. Hier liegt die Stufe 3 auf der Ines-Skala vor.

Wann spricht man von einem Unfall im AKW?

Bei geringer Freisetzung mit Strahlenexposition für die Bevölkerung, die in etwa der natürlichen Strahlungshöhe entspricht. Es kommt auch zu begrenzten Schäden am Reaktor und/oder an den radiologischen Barrieren. Strahlenexposition beim Personal mit Todesfolge. Auf der Ines-Skala ist die Stufe 4 erreicht.

Was heißt "Ernster Unfall"?

Hier kommt es zur begrenzten Freisetzung von Strahlung mit Einsatz einzelner Katastrophenschutzmaßnahmen. Es liegen schwere Schäden an den Reaktoren und/oder radiologischen Barrieren vor. Die Stufe 5 auf der Ines-Skala ist erreicht.

Wann ist es ein "Schwerer Unfall"?

Wenn eine erhebliche Menge Strahlung freigesetzt wird und es zum vollen Einsatz der Katastrophenschutzmaßnahmen kommt. Das ist die Stufe 6 auf der Ines-Skala.

Was ist ein "Katastrophaler Unfall"?

Es kommt zu schwersten Freisetzungen mit Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld. Das ist die höchste Ines-Stufe (7) und wurde vor Japan nur in Tschernobyl erreicht.

Die Skala ist dabei vor allem als transparentes Werkzeug gedacht, um die Öffentlichkeit in mit einem einfach fassbaren System über die Schwere eines Nuklearunfalls zu informieren. „So wie Informationen über Erdbeben oder Temperaturen ohne Richter- beziehungsweise Celsius-Skala schwer zu verstehen wären, erklärt die Ines die Schwere eines nuklearen Ereignisses“, heißt es in einer Informationsbroschüre, die gemeinsam von der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA) und der Atomenergie-Behörde der OECD herausgegeben wurde.

Stufe eins bis drei werden von den beiden Organisationen als Störfälle, Stufe vier bis sieben als Unfälle bezeichnet. Ereignisse ohne Sicherheitsrelevanz klassifizieren IAEA und OECD als Stufe null und damit lediglich als „Abweichung“. Die beiden Organisationen unterscheiden dabei nach drei Bereiche für die Auswirkungen eines nuklearen Ereignisses: Die Auswirkungen für Menschen und Umwelt,  Auswirkungen innerhalb einer Nuklearanlage und Störfälle, bei denen Maßnahmen versagen, die Unfälle verhindern sollen.

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