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27.09.2013

11:16 Uhr

IPCC-Report

Meeresspiegel steigen schneller als erwartet

Der Weltklimarat IPCC hat den ersten Teil seines neuen Klimareports veröffentlicht: Vor allem der Meeresspiegelanstieg bereitet den Klimaforschern Sorge. Einig sind sie sich beim Hauptschuldigen für den Klimawandel.

Globale Erwärmung

Weitere Dürren und Überschwemmungen nicht ausgeschlossen

Globale Erwärmung: Weitere Dürren und Überschwemmungen nicht ausgeschlossen

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StockholmDer Anstieg der Meeresspiegel schreitet schneller voran als bislang gedacht. Davor warnt der Weltklimarat IPCC im ersten Teil seines neuen Reports, dessen Kernthesen am Freitag in Stockholm präsentiert wurden. Selbst bei größten Anstrengungen gegen den Klimawandel läge der Anstieg bis zum Jahr 2100 bei 26 Zentimeter. Für den Fall eines ungebremsten Fortschreitens der Klimaveränderung prognostiziert der Report für diesen Zeitraum einen Anstieg  um 82 Zentimeter.

Diese Werte liegen deutlich höher als der bislang prognostizierte Meeresspiegelanstieg. In seinem vierten Sachstandsbericht von 2007 hatte der IPCC noch Anstiege zwischen von 18 bis 59 Zentimetern vorhergesagt. Durch den höheren Meeresspiegel könnten Inseln und flache Küstengebiete dauerhaft überflutet werden.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

„Während sich die Ozeane erwärmen und Gletscher und Eisdecken schmelzen, wird der globale Meeresspiegel weiter steigen, aber schneller, als wir es in den letzten 40 Jahren erlebt haben“, erklärte Qin Dahe, einer der Co-Vorsitzenden der zuständigen Arbeitsgruppe 1.

Als Hauptverantwortlichen für die globale Erwärmung sehen die IPCC-Experten den Menschen. Es könne davon ausgegangen werden, dass die seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts gestiegenen Temperaturen zu 95 Prozent auf die Menschheit zurückzuführen seien, sagten Delegierte des UN-Gremiums namhafter Klimaforscher bei der Präsentation der Ergebnisse am Freitag.

Die globale Erwärmung habe sich zuletzt zwar verlangsamt, hieß es weiter. Diese Entwicklung sei vermutlich aber nur temporär. Die Temperaturen auf der Erde könnten bis 2100 je nach Szenario Szenarien um 1,5 bis 4 Grad Celsius steigen.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

27.09.2013, 11:17 Uhr

Man soll die Umwelt sorgsam behandeln, denn wir erhalten unser Land von unseren Vätern, um es für unsere Söhne zu bewahren, so der alte preußische Fidei-Komiss in Kurzfassung.
ABER ich kann dieses Geschrei nicht mehr hören. vor 20.000 oder 30.000 Jahren gab es einen gewaltigen Klimawandel, der Meeresspiegel stieg um 80 bis 100m, England wurde zur Insel etc.. Hat man diese gewaltigen Veränderungen in der jungen Erdgeschichte schon vergessen?
Die Klimaexperten mögen bitte mal erklären, wie das mit den Klöstern zu verstehen ist, die jetzt unter dem schmelzenden Eis auf Grönland gefunden werden und wie das mit dem Feigfenanbau in Köln um die letzte Jahrtausendwende war.

petervonbremen

27.09.2013, 11:30 Uhr

Von Klimalüge zu schreiben, wäre wohl etwas übertrieben, aber natürlich geht es auch bei der Klimaforschung und die nachgeschaltete Industrie im Wesentlichen um den schnöden Mammon. Jede Prognose basiert auf vielen Annahmen und Vermutungen, sonst wäre es ja auch eine Berechnung und keine Prognose. Die Parameter, die unser Klima bestimmen sind viel zu umfangreich, um wirklich realitätsnahe Prognosen erstellen zu können. Mit dieser Aussage will ich die Klimaforschung natürlich nicht verteufeln. Diese hat auf jeden Fall ihre Berechtigung. Nur, man sollte die Ergebnisse nicht auf eine Goldwaage legen. - Es ist ja auf jeden Fall sinnvoll weniger Kohlenstoffe und Kohlenwasserstoffe zu verbrennen, ob CO2 nun wirklich so drastisch das Klima verändern kann, wie häufig behauptet oder auch nicht. - Der Mensch schafft es aber zumindest in vielen anderen Bereichen, den Ast abzusägen auf dem wir alle sitzen.

vandale

27.09.2013, 11:36 Uhr

Eine höhere Meereswassertemperatur hat eine niedrigere Wasserdichte der Meere und damit in der Tat einen höheren Meeresspiegel und eine Ueberflutung von Küstengebieten zur Folge.

Allerdings stellt sich die Frage was das mit der menschlichen Zivilisation zu tun hat. Der Anteil des CO2 aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe am Gesamtkohlenstoffkreislauf der Erde ist sehr gering und vernachlässigbar. Der Anteil des CO2 an der Atmosphäre ist gering und es gibt stark differierende Aussagen zu dessen Wirkung auf das Globalklima.

Man könnte naturwisschenaftlich orientierte Forscher beauftragen zu versuchen die Wirkung des CO2`s auf die Globaltemperatur und die Meerestemperatur zu bestimmen.

Letztlich müssen sich die Menschen mit ihren Bauvorhaben an den Küsten wie in den vergangenen Jahrtausenden auch an die Launen der Natur anpassen.

Vandale

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