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12.03.2013

12:28 Uhr

Japan birgt Methanhydrat

Brennbares Eis soll Energieprobleme lösen

Schätzungen zufolge liegt in den Küstengewässern Japans 100 mal die Menge Erdgas, die das Land pro Jahr verbraucht. Nun wurde erstmals Methanhydrat geborgen. Seine Förderung ist aber komplex und teuer.

Dai-ichi Atomkraftwerk in Fukushima: Nach der Abschaltung fast aller AKW sucht Japan nach neuen Energiequellen. AP/dpa

Dai-ichi Atomkraftwerk in Fukushima: Nach der Abschaltung fast aller AKW sucht Japan nach neuen Energiequellen.

TokioNach der Abschaltung fast aller Atomkraftwerke nach der Katastrophe von Fukushima hofft Japan auf Energiequellen aus der Tiefe des Meeres: Japanischen Forschern gelang es am Mittwoch nach eigenen Angaben erstmals, Methanhydrat aus dem Meeresboden etwa 80 Kilometer vor der Küste der zentralen Provinz Aichi auf der Hauptinsel Honshu zu bergen. Schätzungen zufolge könnte sich Japan von den Methanhydrat-Vorräten vor seinen Küsten mehr als ein Jahrhundert lang mit Energie versorgen. Die Förderung des Gases ist allerdings sehr schwierig und kostspielig.
Methanhydrat ist in gefrorenem Wasser eingelagertes Methan, wegen seines Aussehens wird es auch "brennendes Eis" genannt. In Methanhydrat ist sind die Gasmoleküle durch den Druck unter dem Seeboden viel dichter gepackt, die Energieausbeute eines Kubikmeters Methanhydrat ist deshalb Schätzungen zufolge ein Vielfaches höher als von gasförmigem Methan derselben Menge.
Nach Angaben von Industrieminister Toshimitsu Motegi wurde der Test vor der Küste von Aichi jahrelang vorbereitet. Am Mittwoch gelang es den Forschern dann, vier Stunden lang Gas zu extrahieren, dass einen Kilometer unter dem Meeresspiegel 330 Meter tief im Meeresboden lagerte.

Ziel ist es in dem ersten Test, zwei Wochen lang Gas zu fördern. Dabei wird eine Technik eingesetzt, die sich den in großer Tiefe herrschenden Druck zunutze macht, um das Gas aus den unterseeischen Sedimenten zu pressen. "Wir wollen die Technik sicherer machen, um zu die Vorräte kommerziell abbauen zu können", sagte Motegi.
Trotz der extrem schwierigen Förderbedingungen strebt Japan nach Angaben des zuständigen Konsortiums an, Methanhydrat ab 2018 kommerziell zu fördern. Japan muss derzeit 95 Prozent seines Energiebedarfs importieren.
Bekannt wurde Methanhydrat auch durch den Roman "Der Schwarm" des deutschen Autors Frank Schätzing, der in dem Zukunftsszenario mögliche katastrophale Folgen der Förderung aus der Meerestiefe beschreibt. Auch Wissenschaftler fürchten, dass ein großflächiger Abbau der Gashydrate das Abrutschen von Küstenhängen in der Meerestiefe zur Folge haben könnte.

Von

afp

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