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Kälte, Hitze, Trockenheit

Wo sich echte Wetterextreme austoben

VonDaniel Lingenhöhl
Quelle:Spektrum.de

Glühendheiße Sommer, schneidend kalte Winter und Hagelstürme, die Menschen töten können: An diesen Orten toben sich die echten Wetterextreme unseres Planeten aus.

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"It never rains in…" – Yuma, Arizona: Der sonnigste Platz der Erde befindet sich nicht in Südkalifornien, sondern in diesem Flecken Erde am südwestlichen Rand Arizonas – zumindest hat man noch an keinem anderen Ort mehr Sonnenschein gemessen als hier. An durchschnittlich 4015 Stunden pro Jahr strahlt die Sonne hier ungestört vom Himmel, jeden Tag im Mittel elf Stunden lang. In manchen Jahren regnet es in Yuma weniger als fünf Millimeter pro Quadratmeter, die sommerliche Durchschnittstemperatur liegt bei über 40 Grad Celsius. Ken Lund, CC BY-SA 2.0

Immer nur Sonne in Yuma, Arizona

"It never rains in…" – Yuma, Arizona: Der sonnigste Platz der Erde befindet sich nicht in Südkalifornien, sondern in diesem Flecken Erde am südwestlichen Rand Arizonas – zumindest hat man noch an keinem anderen Ort mehr Sonnenschein gemessen als hier. An durchschnittlich 4015 Stunden pro Jahr strahlt die Sonne hier ungestört vom Himmel, jeden Tag im Mittel elf Stunden lang. In manchen Jahren regnet es in Yuma weniger als fünf Millimeter pro Quadratmeter, die sommerliche Durchschnittstemperatur liegt bei über 40 Grad Celsius.

Bild: Ken Lund, CC BY-SA 2.0

Wer als Meteorologe Rekorde sucht, ist auf dem Mount Washington im US-Bundesstaat New Hampshire genau an der richtigen Stelle. Obwohl der Berg nur knapp 1917 Meter hoch ist und auf dem gleichen Breitengrad wie beispielsweise die italienische Hafenstadt Genua liegt, suchen ihn extreme Wetterlagen heim. An 110 Tagen im Jahr übersteigen die Windgeschwindigkeiten Hurrikanstärke. Mit den Tiefs prasseln auch ergiebige Niederschläge herab. Im Winter 1968/69 fielen 14 Meter Schnee auf dem Berg, dazu regnet es im Jahresschnitt mehr als 2500 Liter auf den Quadratmeter. Im Winter fallen die Temperaturen häufig unter minus 40 Grad Celsius. Reuters

Mount Washington, der Ort des extremsten Wetters

Wer als Meteorologe Rekorde sucht, ist auf dem Mount Washington im US-Bundesstaat New Hampshire genau an der richtigen Stelle. Obwohl der Berg nur knapp 1917 Meter hoch ist und auf dem gleichen Breitengrad wie beispielsweise die italienische Hafenstadt Genua liegt, suchen ihn extreme Wetterlagen heim. An 110 Tagen im Jahr übersteigen die Windgeschwindigkeiten Hurrikanstärke. Mit den Tiefs prasseln auch ergiebige Niederschläge herab. Im Winter 1968/69 fielen 14 Meter Schnee auf dem Berg, dazu regnet es im Jahresschnitt mehr als 2500 Liter auf den Quadratmeter. Im Winter fallen die Temperaturen häufig unter minus 40 Grad Celsius.

Bild: Reuters

Prinzipiell ist die Antarktis kein gemütlicher Ort, doch die Commonwealth Bay im Osten des Kontinents setzt noch eins drauf: Sie ist der wohl windigste Ort der Welt, an dem über das gesamte Jahr hinweg eine durchschnittliche Windgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde gemessen wird. Häufig treten aber auch Stürme mit Windgeschwindigkeiten von 240 Kilometern pro Stunde auf. Ein Wetter, bei dem sich nur Pinguine wohlfühlen. dpa

Commonwealth Bay - windigster Ort der Erde

Prinzipiell ist die Antarktis kein gemütlicher Ort, doch die Commonwealth Bay im Osten des Kontinents setzt noch eins drauf: Sie ist der wohl windigste Ort der Welt, an dem über das gesamte Jahr hinweg eine durchschnittliche Windgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde gemessen wird. Häufig treten aber auch Stürme mit Windgeschwindigkeiten von 240 Kilometern pro Stunde auf. Ein Wetter, bei dem sich nur Pinguine wohlfühlen.

Bild: dpa

Mindestens 260 Nächte im Jahr blitzt es nahe der Mündung des Río Catatumbo in den Maracaibo-See in Venezuela – und das praktisch immer an der gleichen Stelle. Die Blitzlichtgewitter entstehen, weil ausdauernd feuchtwarme Luftmassen über den See und die angrenzenden Ebenen streifen, bevor sie auf die Andenausläufer der Cordillera de Mérida treffen. Das Gebirge umschließt die Sümpfe auf drei Seiten und zwingt die Luft zum Aufstieg. Dabei bilden sich vor allem nachts Gewitterwolken, die sich stetig entladen. Bis zu zehn Stunden kann ein solches Gewitter dauern. RedAndr CC BY-SA 3.0

Die Blitze von Catatumbo

Mindestens 260 Nächte im Jahr blitzt es nahe der Mündung des Río Catatumbo in den Maracaibo-See in Venezuela – und das praktisch immer an der gleichen Stelle. Die Blitzlichtgewitter entstehen, weil ausdauernd feuchtwarme Luftmassen über den See und die angrenzenden Ebenen streifen, bevor sie auf die Andenausläufer der Cordillera de Mérida treffen. Das Gebirge umschließt die Sümpfe auf drei Seiten und zwingt die Luft zum Aufstieg. Dabei bilden sich vor allem nachts Gewitterwolken, die sich stetig entladen. Bis zu zehn Stunden kann ein solches Gewitter dauern.

Bild: RedAndr CC BY-SA 3.0

Wie Sie sehen – sehen Sie fast nichts. Und das ist Normalzustand an den Great Banks vor der Küste Neufundlands im nordwestlichen Atlantik: An mindestens 200 Tagen im Jahr wabert hier Nebel über das Wasser, was den Ort zu einem der düstersten der Erde macht. Schuld daran ist das Aufeinandertreffen des kalten Labradorstroms aus dem Norden und des warmen Golfstroms aus dem Süden. NOAA

Grau in grau in der Neufundlandsee

Wie Sie sehen – sehen Sie fast nichts. Und das ist Normalzustand an den Great Banks vor der Küste Neufundlands im nordwestlichen Atlantik: An mindestens 200 Tagen im Jahr wabert hier Nebel über das Wasser, was den Ort zu einem der düstersten der Erde macht. Schuld daran ist das Aufeinandertreffen des kalten Labradorstroms aus dem Norden und des warmen Golfstroms aus dem Süden.

Bild: NOAA

Die Kericho-Nandi-Hills in Kenia haben den Ruf des hagelreichsten Orts der Erde hier hagelt es nahezu täglich. In der Hitze des Nachmittags steigt hier feuchte Luft vom Viktoriasee über den Bergen auf, sodass sich große Gewittertürme ausbilden. Darin herrscht enormer Auftrieb, der die Feuchtigkeit weiter in kühle Atmosphärenschichten reißt, wo sie gefriert, bis sie schließlich als Hagel ausfällt. Richtig schmerzhaft bis lebensgefährlich wird es aber vor allem im Norden Indiens und Bangladeschs, wo Meteorologen die meisten Stürme mit Extremhagel beobachten: Die Eisbrocken haben Durchmesser von mehr als zehn Zentimetern, und in Bangladesch klaubte man am 14. April 1986 sogar Hagelkörner auf, die mehr als ein Kilogramm wogen – 92 Menschen starben in diesem Unwetter. dpa

Hagelschlag in den Nandi Hills

Die Kericho-Nandi-Hills in Kenia haben den Ruf des hagelreichsten Orts der Erde hier hagelt es nahezu täglich. In der Hitze des Nachmittags steigt hier feuchte Luft vom Viktoriasee über den Bergen auf, sodass sich große Gewittertürme ausbilden. Darin herrscht enormer Auftrieb, der die Feuchtigkeit weiter in kühle Atmosphärenschichten reißt, wo sie gefriert, bis sie schließlich als Hagel ausfällt.

Richtig schmerzhaft bis lebensgefährlich wird es aber vor allem im Norden Indiens und Bangladeschs, wo Meteorologen die meisten Stürme mit Extremhagel beobachten: Die Eisbrocken haben Durchmesser von mehr als zehn Zentimetern, und in Bangladesch klaubte man am 14. April 1986 sogar Hagelkörner auf, die mehr als ein Kilogramm wogen – 92 Menschen starben in diesem Unwetter.

Bild: dpa

Mitten in der Antarktis liegt der trockenste Ort der Welt: das McMurdo-Trockental. Hier hat es seit vielleicht Millionen von Jahren nicht mehr geschneit oder geregnet. Dazu herrschen Temperaturen bis minus 50 Grad Celsius im Winter, im Sommer gibt es nur wenige Tage über dem Gefrierpunkt, und stetig peitschen orkanartige Fallwinde über die Landschaft. Deshalb sind die Täler auch nicht vom Eis überdeckt: Die Gebirge am Rand verhindern, dass Gletscher hierher vordringen, die trockenen Föhnwinde saugen jede Feuchtigkeit auf. US Antarctic Program

Extreme Trockenheit im McMurdo-Tal

Mitten in der Antarktis liegt der trockenste Ort der Welt: das McMurdo-Trockental. Hier hat es seit vielleicht Millionen von Jahren nicht mehr geschneit oder geregnet. Dazu herrschen Temperaturen bis minus 50 Grad Celsius im Winter, im Sommer gibt es nur wenige Tage über dem Gefrierpunkt, und stetig peitschen orkanartige Fallwinde über die Landschaft. Deshalb sind die Täler auch nicht vom Eis überdeckt: Die Gebirge am Rand verhindern, dass Gletscher hierher vordringen, die trockenen Föhnwinde saugen jede Feuchtigkeit auf.

Bild: US Antarctic Program

An der Nordspitze Australiens tritt jedes Jahr im Frühling morgens eine Wolke auf, die tatsächlich außerordentlich schön ist: die Morning Glory Cloud – eine walzenförmige Wolke, die in der Morgendämmerung auf die Küste im Golf von Carpentaria zurollt. Sie kann mehrere hundert Kilometer lang sein, ist aber meist nur ein bis zwei Kilometer breit. Und sie entsteht womöglich nur an diesem Ort der Welt so konstant. Denn hier treffen feuchte Seewinde von zwei Seiten entlang der Cape-York-Halbinsel aufeinander und erzeugen eine aufsteigende Luftbewegung: Feuchte Luft kondensiert an der Spitze des Wellenkamms und bildet die Wolke, die mit dem vorherrschenden Ostwind nach Westen geschleppt wird. Mick Petroff CC BY-SA 3.0

Morning Glory – die schönste Wolke der Welt

An der Nordspitze Australiens tritt jedes Jahr im Frühling morgens eine Wolke auf, die tatsächlich außerordentlich schön ist: die Morning Glory Cloud – eine walzenförmige Wolke, die in der Morgendämmerung auf die Küste im Golf von Carpentaria zurollt. Sie kann mehrere hundert Kilometer lang sein, ist aber meist nur ein bis zwei Kilometer breit. Und sie entsteht womöglich nur an diesem Ort der Welt so konstant. Denn hier treffen feuchte Seewinde von zwei Seiten entlang der Cape-York-Halbinsel aufeinander und erzeugen eine aufsteigende Luftbewegung: Feuchte Luft kondensiert an der Spitze des Wellenkamms und bildet die Wolke, die mit dem vorherrschenden Ostwind nach Westen geschleppt wird.

Bild: Mick Petroff CC BY-SA 3.0

Auf den größeren Hawaii-Inseln kann man auf sehr kurzer Distanz extreme Klimaunterschiede beobachten, denn die Eilande liegen in den äußeren Tropen mitten im Einflussbereich der Passatwinde, die die Wolkenbildung begünstigen. Am Vulkan Waialeale auf Kauai regnet es durchschnittlich an 335 Tagen im Jahr insgesamt 10.800 Millimeter pro Quadratmeter – nur wenige Orte der Welt sind feuchter. Aber schon wenige Kilometer entfernt ist es fast wüstenhaft. Die Südwestseite der Insel liegt im Regenschatten, und der konstante Föhn sorgt hier für Sonnenschein und Trockenheit. Paul Bica / CC-by-2.0

Größter Wetterkontrast auf kleinem Raum

Auf den größeren Hawaii-Inseln kann man auf sehr kurzer Distanz extreme Klimaunterschiede beobachten, denn die Eilande liegen in den äußeren Tropen mitten im Einflussbereich der Passatwinde, die die Wolkenbildung begünstigen. Am Vulkan Waialeale auf Kauai regnet es durchschnittlich an 335 Tagen im Jahr insgesamt 10.800 Millimeter pro Quadratmeter – nur wenige Orte der Welt sind feuchter. Aber schon wenige Kilometer entfernt ist es fast wüstenhaft. Die Südwestseite der Insel liegt im Regenschatten, und der konstante Föhn sorgt hier für Sonnenschein und Trockenheit.

Bild: Paul Bica / CC-by-2.0

Wetterempfindliche Menschen sollten besser nicht auf die Ostseite der Rocky Mountains im Norden der USA ziehen. Denn hier weht der Chinook, die amerikanische Version des Föhnwinds. Was er anrichten kann, lässt sich exemplarisch am kleinen Städtchen Spearfish in South Dakota zeigen: Nirgendwo sonst maß man bis heute einen ähnlich schnellen Temperaturanstieg wie am 22. Januar 1943 um 7.30 Uhr, als die Quecksilbersäulen der Thermometer innerhalb von nur zwei Minuten von minus 20 auf 8,3 Grad Celsius in die Höhe schossen. Schuld daran war der Föhn, der sich beim „Abstieg“ aus dem Gebirge stetig erwärmt. Beeindruckend sind aber auch die Chinook-Bögen wie hier im Bild: ein Wolkenband, das durch Luftwellen über dem Gebirge entsteht, bis sich die Wolken auflösen. Surrealplaces / CC-by-SA-3.0

Große Temperaturschwankungen durch Föhnwinde

Wetterempfindliche Menschen sollten besser nicht auf die Ostseite der Rocky Mountains im Norden der USA ziehen. Denn hier weht der Chinook, die amerikanische Version des Föhnwinds. Was er anrichten kann, lässt sich exemplarisch am kleinen Städtchen Spearfish in South Dakota zeigen: Nirgendwo sonst maß man bis heute einen ähnlich schnellen Temperaturanstieg wie am 22. Januar 1943 um 7.30 Uhr, als die Quecksilbersäulen der Thermometer innerhalb von nur zwei Minuten von minus 20 auf 8,3 Grad Celsius in die Höhe schossen. Schuld daran war der Föhn, der sich beim „Abstieg“ aus dem Gebirge stetig erwärmt. Beeindruckend sind aber auch die Chinook-Bögen wie hier im Bild: ein Wolkenband, das durch Luftwellen über dem Gebirge entsteht, bis sich die Wolken auflösen.

Bild: Surrealplaces / CC-by-SA-3.0

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