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21.07.2016

13:08 Uhr

Kampf gegen Ambrosia

Allergie-Bombe am Straßenrand

Husten, tränende Augen und Hautrötungen: Die Allergiepflanze Ambrosia blüht wieder – ein Albtraum für Allergiker. Für eine Bekämpfung fehlt es vielerorts an Geld und Personal. Und der Klimawandel verschärft das Problem.

Eine Ambrosia-Pflanze wird im Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) im brandenburgischen Müncheberg untersucht. Jetzt beginnt die Blütezeit der Pflanze - und damit eine schwere Zeit für Allergiker. dpa

Allergiepflanze Ambrosia

Eine Ambrosia-Pflanze wird im Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) im brandenburgischen Müncheberg untersucht. Jetzt beginnt die Blütezeit der Pflanze - und damit eine schwere Zeit für Allergiker.

VetschauIn einem Gewerbegebiet im Spreewald steht eine kleine Messanlage auf einem Haus. Das Gerät saugt Pollen an und prüft, wie hoch deren Konzentration in der Luft ist. Die brandenburgische Kleinstadt Vetschau verspricht sich davon Erkenntnisse, ob die Bekämpfung der Ambrosia-Pflanze erfolgreich ist. Ihre Blütezeit hat jetzt vielerorts in Deutschland wieder begonnen. Für Allergiker kann das heißen: Asthma, tränende Augen, Hautrötungen.

„Es ist eine Sisyphos-Arbeit“, beklagt die Vetschauer Fachbereichsleiterin für Ordnung und Soziales, Nadine Wegner, wenn sie über die Bekämpfung der Ambrosia-Pflanze spricht. Sie steht an einem Sonnenblumenfeld am Rande der Stadt in der Niederlausitz und zeigt auf den Boden. Überall ist die Ambrosia-Pflanze zu sehen. Das auch als Beifußblättriges Traubenkraut bekannte Gewächs ähnelt dem Möhren-Kraut. Es wurde vor mehr als 150 Jahren aus Nordamerika nach Deutschland eingeschleppt. Als ein Verbreitungsweg gilt seither verunreinigtes Vogelfutter.

Die Allergiepflanze Ambrosia

Eingeschleppte Art

Die Ambrosia-Pflanze wurde vor mehr als 150 Jahren von Nordamerika eingeschleppt. Verunreinigtes Vogelfutter war seither einer ihrer wichtigsten Verbreitungswege.

Namen

Ihr lateinischer Name lautet Ambrosia artemisiifolia. Der Name Ambrosie ist hierzulande auch geläufig, die Bezeichnung Beifußblättriges Traubenkraut seltener.

Verbreitungsgebiet

Die Pflanze wächst unter anderem an Straßenrändern, an Autobahnen, auf Brachflächen, an Vogelfütterungsplätzen, in Kleingärten und auf Feldern.

Pollenzeit

Der Pollenflug beginnt etwa Mitte Juli. Die Blütezeit ist zwischen Juli und Oktober.

Allergiegefahr

Schon geringe Pollenkonzentrationen (fünf bis zehn Pollen pro Kubikmeter Luft) können zu Allergien führen.

Nach Angaben des bundeseigenen Julius Kühn-Instituts ist die Niederlausitz in Brandenburg deutschlandweit das von Ambrosia am schlimmsten betroffene Gebiet. „Die Niederlausitz ist auch die einzige Region, wo Ambrosia großflächig auch als Ackerunkraut vorkommt“, sagt Experte Uwe Starfinger von dem Bundesforschungsinstitut in Braunschweig. In Baden-Württemberg und Bayern gebe es zwar auf Äckern auch einige Vorkommen. „Aber nicht in dem Ausmaß wie in der Niederlausitz.“ Sonst sei Ambrosia in Deutschland überwiegend eine Pflanze der Straßenränder und nicht bewirtschafteten Flächen in Städten.

Generell sei das Ambrosia-Vorkommen in solchen Regionen größer, in denen es vergleichsweise warm ist. „Die Pflanze ist eine einjährige Art. Das heißt, sie kann nur an derselben Stelle wieder kommen, wenn sie reife Samen produziert hat – und dafür braucht sie eine gewisse Wärme zwischen der Blüte und dem Absterben der Pflanze“, sagt Starfinger. Deshalb geht das Institut davon aus, dass der Klimawandel zu einer verstärkten Ausbreitung auch in Norddeutschland führen könnte.

Die Stadt Vetschau lässt seit Jahren viele der Pflanzen auf Äckern, Straßenrändern und sogar in Wohngebieten herausreißen, bevor sie blühen. Ein-Euro-Jobber fahren als sogenannte Scouts durch die Stadt und melden Vorkommnisse. Wegner: „Und wir gehen auf die Bevölkerung zu und bitten Grundstückseigentümer, Ambrosia von ihren Privatgrundstücken zu entfernen.“ Mit Handschuhen und während der Blütezeit sogar mit Mundschutz. Dennoch geht die Stadt davon aus, dass sich die Lage in diesem Jahr verschärfen wird. Viele Bürger hätten schon Funde gemeldet.

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