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01.07.2015

07:59 Uhr

Kampf gegen den Klimawandel

China will Treibhausgase stärker reduzieren

Wie stark sich die Erde erwärmt, hängt stark von China ab – das Land ist der weltgrößte Energieverbraucher. Jetzt hat die Regierung größere Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel angekündigt.

Bedi seinem Besuch in Paris kündigte Chinas Regierungschef neue Klimaziele an. AFP

Li Keqiang (l.) im Gespräch mit Frankreichs Staatspräsident Hollande

Bedi seinem Besuch in Paris kündigte Chinas Regierungschef neue Klimaziele an.

Peking/ParisIm Kampf gegen die Erderwärmung will China den Ausstoß von Treibhausgasen stärker als bisher geplant reduzieren. Der weltgrößte Energieverbraucher will seine Kohlendioxid-Emissionen gemessen an der Wirtschaftsleistung bis 2030 um 60 bis 65 Prozent gegenüber 2005 reduzieren. Ferner soll der Ausstoß von Kohlendioxid möglichst vor 2030 den Höhepunkt erreichen.

Die neuen Klimaziele verkündete Regierungschef Li Keqiang am Dienstag bei seinem Besuch in Paris, wo sich die Weltgemeinschaft Ende des Jahres zur Weltklimakonferenz treffen wird. Nach den neuen Zusagen soll auch der Anteil der nicht-fossilen Energie in China bis 2030 von heute 11,2 auf 20 Prozent steigen. In den bisherigen Zielen von 2009 waren 15 Prozent bis 2020 angestrebt worden.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Auch sahen die früheren Zusagen eine Verringerung der Kohlendioxidmissionen gemessen an der Wirtschaftsleistung bis 2020 um 40 bis 45 Prozent gegenüber 2005 vor. Davon sind heute schon 33,8 Prozent erreicht

Umweltschützer begrüßten am Mittwoch die Versprechen. Greenpeace sah gleichwohl „nur einen guten Anfang für weit ehrgeizigere Taten“. Germanwatch sprach von einem „Meilenstein“. Die vorliegenden Länderpläne zeigten allerdings, dass weitere Anstrengungen erforderlich seien.

„Es reicht nicht, das Zwei-Grad-Limit immer wieder zu beschwören. Ab jetzt muss es auch darum gehen, die Ziele der großen Länder nachzubessern“, sagte Germanwatcch-Geschäftsführer Christoph Bals. „Auch die EU ist da gefordert.“

Kommentare (3)

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01.07.2015, 08:10 Uhr

China setzt zusammen mit Frankreich auf die CO2 freie Kernkraft. Das ist auch vernünftig, wenn man an die "menschengemachte CO2 Klimaerwärmung" GLAUBT.
Ansonsten könnte China auch weiterhin locker auf Kohle- und Gaskraftwerke bauen. Die einzige Grundlast, die CO2 frei ist, ist eben die Kernkraft. Und eine Grundlast wird zwingend gebraucht, um die Stromversorgung sicher und zuverlässig für eine Volkswirtschaft bereitstellen zu können.
Und dies ist sehr wichtig im Wettbewerb um die besten Wirtschafts- Industriestandorte in der Weltweiten Wirtschaftswelt.
Deutschland steigt aus Grün-Sozialistischen und Merkel Unionsgründen aus dieser CO2 freien Grundlast der Kernkraft aus und muss somit, vermehrt, auf die Kohle als Grundlastversorgung zurückgreifen. Wer an die "menschengemachte CO-Klimaerwärhung" GLAUBT, der steigt nicht aus der CO2 freien Kernkraft aus und steigt zu 100% in die Kohle- bzw. Gaskraft ein.

Herr Holger Narrog

01.07.2015, 09:04 Uhr

In dem Artikel erweckt der Journalist den Eindruck, dass man selbst in China an den "Klimawandel" glaubt und dass man dort irgend etwas tun würde um diese fiktive, ökoreligiöse Weltuntergangskatastrophe abzuwenden.

Wenn man den Artikel sorgfältig liest erwartet man in China den max. Ausstoss an CO2 (verbrauch fossiler Brennstoffe) im Jahr 2030, das Verhältnis CO2 Emission (Energieverbrauch) zu BIP soll sich signifikant vermindern. Diese Aussage konnte man schon im Jahr 2010 lesen. Man kann dies als als Kontinuität einer freundlich, unverbindlichen Ablehnung dieser ökoreligiösen Weltuntergangskatastrophe interpretieren.

Die ökoreligiöse Weltuntergangssaga eines "Klimawandels" ist sachlich ziemlich abwegig. Einzelne Informationssplitter der chinesischen Wissenschaft scheinen zu zeigen, dass man dort vielfach dieser Saga widersprechende Erkenntnisse gewonnen hat. Meine Kenntnisse der chinesischen Wissenschaft sind nicht repräsentativ. Ich verstehe auch kein Chinesisch.

China ist zum grössten Stahlhersteller und Aluminiumerzeuger geworden. Gleichzeitig hat China weder die günstigsten Kohlepreise, noch andere Quellen überschüssiger Energie. China ist Importeur von Erdöl, Gas und Kohle. Insofern macht es Sinn energieintensive Produktionen in Länder mit entsprechenden Überschüssen, Australien, USA, Südafrika zu verlagern. Das ist sinnvoll und hat wenig mit der ökoreligiösen Weltuntergangssaga zu tun.

Das sich die Energieintensität der chinesischen Wirtschaft reduziert, ist bei höheren Stundenlöhnen die die Bedeutung des Dienstleistungssektors erhöhen, einem geringerem Anteil energieintensiver Grundstoffindustrien naheliegend.

Herr Holger Narrog

01.07.2015, 09:42 Uhr

Herr Hofmann, ich meine es ist wahrscheinlich, dass in China im Jahr 2030 50 - 200 umweltfreundliche Kernkraftwerke betrieben werden. Allerdings ist das unzureichend um den Anteil nicht-fossiler Energie auf 20% des Primärenergiebedarfs, oder meinte der Autor Strom??, zu erhöhen. Letzteres wäre realistisch.

Der Strom umweltschädlicher Windmühlen und Solaranlagen ist in China so wertlos wie in D. Aktuell werden diese mit Hilfe von CDM Zertifikaten (Klimasündenablasszertifikaten) Subventionen errichtet und häufig nicht mal an das Stromnetz angeschlossen. Die weitere Errichtung dieser ökologischen Monumente hängt damit vom Nachfolgeabkommen des Kyoto Abkommens zum Klimaschwindel ab.

Einen erheblichen Anteil an nicht-fossilen Energien werden die Wasserkraftwerke bilden die man im chinesischen Teil des Himalaya errichtet.

Allerdings meine ich, dass man das Ziel verfehlen, bzw. korrigieren wird.

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