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17.05.2016

16:01 Uhr

Kampf gegen Plastikmüll

Deutsche Unternehmen wollen Meere säubern

Riesige Mengen Plastikmüll treiben in den Ozeanen, ihre Beseitigung ist eine technische Herausforderung. Der wollen sich deutsche Unternehmen jetzt stellen – sie planen ein System zum Abfischen und Verwerten des Mülls.

Ein Netzwerk aus deutschen Unternehmen will die Meere reinigen. dpa

Plastikmüll verseucht Küsten und Ozeane

Ein Netzwerk aus deutschen Unternehmen will die Meere reinigen.

KielEin Netzwerk aus deutschen Unternehmen will weltweit Plastikmüll aus den Meeren fischen. Das dafür entwickelte industrielle System soll ab 2018 einsatzbereit sein, wie Projektkoordinator Dirk Lindenau am Dienstag in Kiel sagte.

Das Konzept sieht vor, dass eine Flotte aus umgebauten Schiffen mit Netzen in stark betroffenen Gebieten Plastikmüll aus dem Meer zieht, der dann auf einem Spezialschiff aufbereitet wird. Der Abfall soll zur Energiegewinnung genutzt oder recycelt werden.

Experten schätzen, dass 140 Millionen Tonnen Plastik in den Meeren sind und jährlich bis zu zehn Millionen Tonnen dazukommen. Einmal im Meer, bleibt der Abfall über Jahrhunderte dort. Unter dem Einfluss von Reibung, Salzwasser und UV-Strahlung werden die Plastikteile immer kleiner und gelangen über Fische auch in die menschliche Nahrungskette. Fischerei und Tourismus leiden ebenfalls unter dem Müll.

Ein Beispiel für die Dimension: Allein an der brasilianischen Küste gelangten zwischen Rio de Janeiro und São Paulo jährlich 70.000 Tonnen Plastikmüll ins Meer, schilderte Lindenau. Zum Teil werde der Abfall bei Starkregen flutartig von Halden ins Meer gespült. Um diese Menge zu bewältigen, müssten dort ständig neun Schiffe zum Einsammeln des Mülls und eines zum Verarbeiten im Einsatz sein.

Mit im Boot des Projektes ist auch der Kieler Meteorologe Meeno Schrader, der anhand von Wind, Strömung und Regen den Verlauf der „Mülldrift“ ermitteln soll. Dem bisher aus zehn Unternehmen bestehenden Netzwerk zufolge sind insgesamt 192 Länder betroffen, darunter besonders stark asiatische Staaten wie China, Indonesien, die Philippinen und Vietnam.

Das Problem besteht auch für Deutschland selbst. Allerdings fielen hier jährlich „nur“ 20 000 Tonnen in Nord- und Ostsee zusammen an, hieß es.

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