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25.11.2011

14:13 Uhr

Kapital verspielt

Klimaforschung in der Glaubwürdigkeitsfalle

VonHans von Storch

Immer dramatischere Warnungen zur Erderwärmung bewirken das Gegenteil dessen, was sie leisten sollen: Die Menschen blocken ab. Um zu überzeugen, sollten die Klimaforscher deshalb rhetorisch etwas zurückschrauben.

Trotz alarmierender Daten bockt die Weltgemeinschaft beim Thema Klimawandel. dpa

Trotz alarmierender Daten bockt die Weltgemeinschaft beim Thema Klimawandel.

GeesthachtWenn wir in den nächsten fünf Jahren nicht die Weichen in unserer Energieversorgung grundlegend umstellen, sinken unsere Chancen gewaltig, dass wir den vom Menschen gemachten Klimawandel auf ein noch erträgliches Niveau begrenzen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Internationalen Energieagentur (IEA). Ich denke, dass dies stimmt!

Die Argumentation der IEA hat allerdings zwei kleinere Haken: zum einen die Gleichsetzung von Klima- und Energiepolitik, zum anderen die Festlegung auf das 2-Grad-Celsius-Schutzziel – also die Begrenzung des Anstiegs der global gemittelten Lufttemperatur bis 2100 auf zwei Grad Celsius bei gleichzeitiger Stabilisierung der neuen Mitteltemperatur.

Klimaszenarien für Europa

Video: Klimaszenarien für Europa

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Regionale Temperaturänderungen in Europa auf Basis von Daten des Weltklimarats IPCC. Quelle: Deutsches Klimarechenzentrum

Ersteres bedeutet, dass sich die Anstrengungen fast ausschließlich auf Kohlendioxid beziehen sollen, während andere klimarelevante Emissionen durch Menschen wie etwa Methan vernachlässigt werden. Das 2-Grad-Ziel wiederum ist eine politisch griffige Formulierung, die sich einige Wissenschaftler erdacht haben, um den politische Prozess zu befördern.

Ein Protagonist dieser Marke antwortete auf die Frage, warum eine solche „magische“ Grenze in die Welt gesetzt wurde, an die sich alle Länder sklavisch halten sollten: „Die Politik hat gerne klare Vorgaben. Seien wir doch ehrlich: Selbst wenn wir das 2-Grad-Ziel ansteuern, werden wir am Ende etwas oberhalb davon landen.“ 2,1 Grad Celsius reichen also offenbar auch – und 2,5 Grad Celsius vielleicht ebenfalls. Und deshalb dürften die fünf Jahren der IEA wohl je nach Ehrlichkeit eher bei 6 oder sogar 10 Jahren zu veranschlagen sein.

Unabhängig davon, ob es nun genau fünf oder vielleicht doch zehn Jahre sind: Sicher ist, dass die Investition in fossile Energieerzeugung deutlich abgebremst werden müssen, um den Klimawandel zu begrenzen. Wir haben also eine klare Argumentation, dessen ultimativ formulierter Fahrplan sich auf wissenschaftliche Autorität beruft. Aber es passiert wenig, die Weltgemeinschaft bockt trotz der alarmierenden Veröffentlichungen.

Warum verhält sie sich so? Für einige meiner US-amerikanischen Freunde ist die Lage eindeutig: Eine moralisch minderwertige, geldgierige Bande von Interessenvertretern sabotiert die Implementierung der offensichtlichen Lösung des Problems durch irreführende Propaganda. Man denke nur an die Arbeit der Tabaklobby. Wir als Wissenschaftler müssten daher noch wirksamer argumentieren – und für manche heißt das: noch mehr Zukunftsangst schüren.

Kommentare (2)

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holly_golightly

25.11.2011, 15:57 Uhr

Forscher brauchen Geld. Wie man das locker macht kann man sich seit Jahren ansehen: über das Anwerfen der guten alten Angstmaschine.
Nicht dass jetzt nicht gefordscht werden sollte: aber Mittel über die Angstmaschine klarzumachen: das hatten wir bereits....

Account gelöscht!

30.11.2011, 16:44 Uhr

Als Physiker ,der über Basisreaktionen in der Atmosphäre promoviert wurde,ist die Disskussion über die sogenannten Klimagase gespenstisch.Es gibt bis heute keine Messung,welche die angebliche Rückstrahlung von Wärmestrahlung (infrarot )belegt.Eigene Messungen der Schwingungszustände von Stickstoff ergaben keine Rückstrahlung.Es ist mir ein Rätsel,warum nicht ca. 6 Mio € investiert werden ,um bezüglich der Wirkung von " Klimagasen" Klarheit zu erlangen.Für mich wäre es in den 70iger Jahren eine Sache von Wochen gewesen,die entsprechende Parameter zu messen.

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