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30.05.2017

10:20 Uhr

Kein Recycling-Konzept

Alte Windräder werden zum Problem

Was passiert mit alten Windparks? Langsam stellt sich die Frage, denn viele Anlagen der frühen Generation nähern sich dem Rentenalter. Vor allem für die riesigen Windrotoren gibt es noch keine befriedigende Antwort.

Viele Windräder aus den Anfangsjahren der Energiewende erreichten demnächst das Ende ihrer 20-jährigen Förderzeit. dpa

Windpark in Mecklenburg-Vorpommern

Viele Windräder aus den Anfangsjahren der Energiewende erreichten demnächst das Ende ihrer 20-jährigen Förderzeit.

LünenWindparks arbeiten umweltfreundlich und ohne den Klimakiller CO2 – bis sie ausrangiert werden. Danach sieht die grüne Bilanz weniger positiv aus.

Die riesigen Rotorblätter der Windanlagen aus mit Harz verklebten Glasfaser- oder Karbon-Verbundstoffen lassen sich bisher kaum wiederverwerten. Sie werden meist geschreddert und verbrannt und belasten dabei auch noch die Filter der Öfen.

Mehr als 28.000 Windkraftanlagen sind derzeit bundesweit im Landesinneren und in der Nord- und Ostsee im Einsatz. „Wir laufen auf ein Riesenproblem zu“, sagt der Sprecher des großen deutschen Recyclingunternehmens Remondis in Lünen, Michael Schneider.

Denn viele Windräder aus den Anfangsjahren der Energiewende erreichten demnächst das Ende ihrer 20-jährigen Förderzeit nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Viele dieser Anlagen dürften danach mangels Rentabilität abgebaut werden.

Bisher sei es kaum möglich, die mit Harz verklebten Fasern wieder zu trennen. „Wir kriegen die nicht mehr auseinander“, sagt Schneider. Und die Betreiber von Verbrennungsanlagen – etwa Zementwerke – nähmen die Stoffe wegen der Belastung der Filter nur ungern und in kleinen Mengen an.

Windanlagen mit rund 4000 Megawatt Kapazität fallen laut Bundesverband Windenergie Ende 2020 aus der Energiewende-Förderung und stehen danach wohl überwiegend vor dem Aus, falls der Börsenstrompreis nicht deutlich anzieht. Legt man 5-Megawatt-Turbinen-Anlagen nach aktuellem Technikstand zugrunde, entspricht das mindestens 800 großen Windmühlen. Tatsächlich sind es wohl deutlich mehr.

Hinzu kommen Anlagen, die nach Defekten, Unfällen oder aus Altersgründen ersetzt werden. Remondis rechnet 2017 mit bundesweit mehr als 9000 Tonnen Recyclingmaterial aus Rotorblättern und einem Anstieg auf rund 16.000 Tonnen jährlich bis 2021.

Kommentare (5)

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Herr Holger Narrog

30.05.2017, 11:02 Uhr

Grundsätzlich sind Windmühlen wohl neben PV Solaranlagen mit die umweltschädlichste Art Strom zu erzeugen. Hauptgrund ist das der Strom entsprechend den Zufällen des Wetters erzeugt wird und in einem bedarfsgesteuertem Netz nahezu wertlos ist. Sprich es wird ein enormer Umweltaufwand getrieben um einen sehr bescheidenen nutzbaren Ertrag zu generieren.

Bei der Entsorgung sind die Windmühlenflügel herausfordernd. Meist wird faserverstärktes Epoxydharz verwendet. Ausgangsstoff ist Bisphenol -> BADGE. Bisphenol hat als Stoff eine hormonelle Wirkung.

Herausfordernd sind auch die gewaltigen Betonfundamente. Meistens werden diese, je nach Landesgesetz teilweise abgetragen. Der Rest verbleibt im Boden bis die nächste Eiszeit...diese ggf. abträgt.

Herr Heinz Keizer

30.05.2017, 11:34 Uhr

"Vor allem für die riesigen Windrotoren gibt es noch keine befriedigende Antwort"

Dann wird es Zeit, dass man Forschungsaufträge für Endlager vergibt. Bei den AKW's dauert das ja auch schon Jahrzehnte.

Herr Lothar Bitschnau

30.05.2017, 12:57 Uhr

Rund € 250.000.- für den Rückbau und die Entsorgung eines großen 5 MW Turmes
werden nie reichen. Ausser man darf sie über eine Sprengung kontrolliert "fällen".
Für so wenig Geld fahren nicht mal die Spezialkrane auf jedes Baufeld um den Generator- und Getriebeblock herunerzuheben.
Bin gespannt ob die heutigen Betreiber auch alles wieder aufräumen.
Als Baudenkmal gehen diese Konstruktionen sicher nicht durch.

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