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23.07.2014

11:55 Uhr

Kerosin der Zukunft

Pack die Alge in den Tank

Fliegen unsere Flugzeuge in Zukunft mit Kerosin aus Algen? Technisch wäre das schon heute kein Problem, aber noch ist dieser Treibstoff viel zu teuer. Darum suchen Forscher nach einer neuen Super-Alge.

Algen tropfen durch Filtermatten in einem Foliengewächshaus des Instituts für Bio- und Geowissenschaften am Forschungszentrum Jülich. Forscher suchen hier nach der besten Alge für das Bio-Kerosin der Zukunft. dpa

Algen tropfen durch Filtermatten in einem Foliengewächshaus des Instituts für Bio- und Geowissenschaften am Forschungszentrum Jülich. Forscher suchen hier nach der besten Alge für das Bio-Kerosin der Zukunft.

JülichLadislav Nedbal hat zu seinen Algen ein recht spezielles Verhältnis. „Du gehst durch die Felder und siehst sie wachsen.“ Begeisterung schwingt mit. Wobei der Wissenschaftler durch ein „Feld“ der etwas anderen Art geht: Es liegt im Forschungszentrum Jülich, in einem Gewächshaus, ausgestattet mit Messtechnik und Schläuchen, die mit Wasser gefüllt sind. Darin wachsen Algen. Das mit dem „Wachsen-Sehen“ darf man aber durchaus wörtlich nehmen.

Biomasse, Rohstoff, Protein

Sind Algen die Rohstoffquelle der Zukunft?

Biomasse, Rohstoff, Protein: Biomasse, Rohstoff, Protein – Welches Potential steckt in Algen?

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Tatsächlich vermehren sich die winzigen Algen rasend schnell und produzieren sieben- bis zehnmal soviel Masse wie Landpflanzen. In den durchsichtigen Schläuchen färben sie das Wasser grün. Die Luftfahrt sieht in solchen Algen einen Rohstoff für das Kerosin der Zukunft: In etwa 20 Jahren könnten viele Maschinen damit fliegen.

Vereinzelt haben sogar heute schon Flugzeuge Kerosin aus Pflanzenöl im Tank. Joachim Buse, Vorstand der Biokraftstoff-Initiative der Deutschen Luftfahrt (Aireg), sieht Pflanzenöle aus klassischem landwirtschaftlichen Anbau kurz vor der Wettbewerbsfähigkeit. Der Verein, dem alle deutschen Airlines angehören, verfolgt das Ziel, alternative Kraftstoffe mit besserer CO2-Bilanz in den Verkehr zu bringen.

Buse denkt weiter: „Die Nachfolge-Generationen sind dann möglicherweise in 20 Jahren die Algen.“ Sie würden keine Agrarflächen verbrauchen und nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen. Algen produzieren viel Masse, wachsen platzsparend in Schläuchen, Röhren oder Sieben und enthalten bis zu 70 Prozent fette Öle, ähnlich dem Pflanzenöl.

Aber im Vergleich zu fossilem Treibstoff seien sie noch zu teuer, sagt Andreas Müller, einer der Jülicher Projektkoordinatoren. Kontrovers diskutierte Berechnungen gingen von einem Faktor fünf bis zehn aus. Die Jülicher Forscher haben mit elf Partnern mit einer wissenschaftlichen Bestandsaufnahme zur Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit begonnen. Der Bund fördert das Projekt „Aufwind“ mit 5,7 Millionen Euro.

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