Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.05.2013

15:46 Uhr

Klima-Orakel

Emissionshandel in der Krise

Leser fragen, Klima-Experten antworten. Diesmal will Peter Michalski aus Horbach wissen: „Warum steckt der europäische Emissionshandel in der Krise?“ Felix Christian Matthes vom Öko-Institut antwortet ihm.

Weil derzeit ein massives Überangebot an CO2-Zertifikaten herrscht, haben Unternehmen keinen finanziellen Anreiz, Treibhausgase einzusparen. dpa

Weil derzeit ein massives Überangebot an CO2-Zertifikaten herrscht, haben Unternehmen keinen finanziellen Anreiz, Treibhausgase einzusparen.

Unternehmen, die vom EU-Emissionshandelssystem (EU ETS) erfasst sind, dürfen nur dann Treibhausgase ausstoßen, wenn sie die entsprechende Berechtigung besitzen. Sie benötigen dafür sogenannte CO2-Zertifikate, die im Rahmen des EU ETS gehandelt werden.

Weil derzeit ein massives Überangebot an CO2-Zertifikaten herrscht, sind diese extrem günstig zu haben. So haben die Unternehmen keinen finanziellen Anreiz, Treibhausgase einzusparen. Inzwischen sind mehr als zwei Milliarden Tonnen CO2 überschüssig. Das entspricht etwa einer Jahresemission aller vom EU ETS erfassten Anlagen.

Ein Grund für den Überschuss ist das krisenbedingt niedrige Niveau wirtschaftlicher Aktivität. Das heißt: Wenn weniger produziert wird, entsteht weniger CO2 und es werden weniger Emissions-Zertifikate benötigt. Eine zentrale Ursache für das Überangebot ist aber auch der massive Zufluss an Billigst-Zertifikaten von außerhalb Europas, hinter denen nur zum geringeren Teil tatsächliche Emissionsminderungen stehen. Nicht ursächlich für den Zertifikatsüberschuss ist – zumindest bis heute – der Ausbau erneuerbarer Energien.

Ohne weitere Gegenmaßnahmen wird der Zertifikatsüberhang mindestens für die nächsten zehn Jahre anhalten. Das Europäische Parlament hat es Mitte April leider abgelehnt, 900 Millionen Zertifikate vorübergehend vom Markt zu nehmen, sodass die Krise des EU ETS andauert beziehungsweise sich derzeit sogar noch verschärft.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

29.05.2013, 22:49 Uhr

Sie schreiben es ja selber in den Artikel, dass der Emissionshandel auch ungesehen eingestampft werden könnte. Was nicht knapp ist, ist auch nicht wertvoll.

Eigentlich kann man nicht sagen, dass der Emissionshandel in der Krise sei. Das Preisniveau ist eben nur niedrig. Ich denke aber, dass die EU den Zügel anziehen sollte.

(1) Ich halte es für unsinnig, dass "per Hand" die EUAs allokiert, und schon gar dass diese auf nationaler Ebene verteilt werden. Eine Art Primärmarktauktion halte ich für sinnvoller, d.h. EUAs gibt es nicht mehr umsonst, sondern müssen versteigert werden, ALLE.
(2) Die EUAs sollten hinsichtlich ihres Gültigkeitszeitraum spezifiziert werden, z.B. Allowance zur Emission von 0.01t in KW12-YYYY, Allowance zur Emission von 0.1t in Q3-YYYY, usw. Wird ein EUA nicht genutzt verfällt diese automatisch. Die EUAs sind dann wie Forward-Start-Optionen.
(3) Strafen werden nach Kalendarwochen abgerechnet, d.h. es der doppelte maximale Marktpreis der Kalendarwoche fällig, und es muss 1 EUA der nächsten Kalendarwoche geliefert werden.
(4) Die Primärmarktauktionen erfolgen am Anfang jeder Kalendarwoche, z.B. EUAs die in 1 Jahr starten und 1 Kalendarwoche, 1 Monat oder 1 Quartal ab dann gültig sind. Die EU-Kommission kann dann quasi im Wochentakt auf mittelfristige Entwicklungen reagieren.
(5) Die EU-Kommission sollte aber dies nicht als Einnahmequelle betrachten (obgleich diese Leute ja nach einer EU-Steuer lechzen), sondern auch die Freiheit haben EUAs zurückzukaufen (z.B. aus den Mitteln der Auktionserlöse). Naja aber wahrscheinlich wäre das Stichwort "Einnahmequelle" genau der Anreiz für die EU-Kommission das EUA-Preisniveau so halten, dass es vielleicht sogar für die Klimaziele Sinn macht.

vandale

30.05.2013, 00:20 Uhr

Welchen Sinn sollen diese Zertifikate erfüllen ausser die Industrie der EU zu strangulieren?

Meinen Sie nicht, dass man auch in der EU den mittelalterlichen Glauben an Weltuntergangskatastrophen wie Waldsterben, Ozonloch und den an die CO2 Klimahölle aufgeben sollte?

Vandale

Account gelöscht!

30.05.2013, 09:31 Uhr

Hallo hanwufu
Der Handel mit heißer Luft wirkt volkswirtschaftlich wie ein Parasit, verhindert sinnvolle und nützliche Produktionen einschließlich Arbeitsplätzen, baut weitere bürokratische Strukturen auf und sollte deshalb komplett abgeschafft werden. Dann würden sich auch alle Ihre Verbesserungsvorschläge von selbst erledigen. Die verlangen nämlich auch wieder nur nach mehr Bürokratismus
Alina Alanka

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×