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13.11.2012

09:27 Uhr

Klima-Orakel

Warum Heizen mit Strom keine gute Idee ist

Leser fragen, Klima-Experten antworten. Diesmal will Ralf Scherer aus Temmels wissen: „Warum gilt Heizen mit Strom als umweltschädlich, Autofahren mit Strom aber nicht?“ Sven Schneider vom Umweltbundesamt antwortet ihm.

Gegenwärtig entstehen mehr als doppelt so viele CO2-Emissionen, wenn mit Strom anstelle von Erdgas geheizt wird. ap

Gegenwärtig entstehen mehr als doppelt so viele CO2-Emissionen, wenn mit Strom anstelle von Erdgas geheizt wird.

Diese abweichende Einschätzung ist möglich, weil das System ‚Heizen‘ und das System ‚Autofahren' getrennt zu betrachten sind: Die Stromheizung ist mit einer Erdgasheizung zu vergleichen und das Elektrofahrzeug mit einem Benzin- oder Dieselauto.

Die Emissionen einer konventionellen Stromdirektheizung liegen bei etwa 560 Gramm CO2 pro Kilowattstunde, wenn man den aktuellen deutschen Strommix zugrundelegt. Erdgas-Brennwertkessel verursachen dagegen maximal 250 Gramm CO2 pro Kilowattstunde. Das heißt: Gegenwärtig entstehen mehr als doppelt so viele CO2-Emissionen, wenn mit Strom anstelle von Erdgas geheizt wird.

Die Bundesregierung plant, den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung kontinuierlich zu erhöhen. Damit nimmt auch der Umweltnachteil der Stromheizungen kontinuierlich ab. Doch selbst bei geringen Emissionen haben Stromheizungen weiterhin den Nachteil, dass sie für die Wärmebereitstellung einen sehr hochwertigen Energieträger –nämlich Strom – einsetzen.

Ein in Deutschland neu zugelassenes Fahrzeug mit Verbrennungsmotor stößt im Schnitt etwa 142 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Ein Elektroauto ist vor Ort schadstofffrei. Seine Gesamtemissionen hängen – wie auch bei der Stromheizung – vom verwendeten Strom ab.

Schon mit dem aktuellen Strommix in Deutschland weisen Elektrofahrzeuge eine geringfügig bessere Klimabilanz auf als Benzin- oder Dieselfahrzeuge. Durch die anvisierte Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung wird der Umweltvorteil der Elektrofahrzeuge künftig immer mehr zunehmen.

Das Klima-Orakel erscheint in Zusammenarbeit von Handelsblatt Online und der vom Bundesumweltministerium geförderten Initiative Klima sucht Schutz.

Kommentare (17)

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vandale

13.11.2012, 09:56 Uhr

Die Strominfrastrukur ist in den meisten Ländern vorhanden. Strom wird, sofern die Politik keinen ökoreligiösen Amoklauf begeht, aus preiswerten, reichlich verfügbaren, häufig heimischen Brennstoffen wie Kohle und der sehr umweltfreundlichen Kernenergie hergestellt. In vielen Ländern ist Strom nicht teurer, oder nicht wesentlich teurer als vor 30 Jahren, z.B. USA, Frankreich. Deshalb entscheiden sich immer mehr Haushalte in Frankreich, Norwegen, Korea, USA und vielen anderen Ländern mit Strom zu heizen. In F macht der Anteil der Stromheizungen schon über 30% aus.

Für die Versorger ist die Nachtspeicherheizung besonders attraktiv. Umweltfreundliche Kernkraftwerke und mit Abstrichen Kohlekraftwerke haben hohe Kapitalkosten und niedrige Betriebskosten. Deshalb sucht man diese rund um die Uhr mit Vollast zu betreiben. Ein zusätzlicher Nachtstromverbrauch lastet die Kraftwerke und Netze besser aus und generiert zusätzliche Erträge.

In F wird Strom zu knapp 80% mittels der sehr umweltfreundlichen Kernkraftwerke hergestellt, in Südkorea strebt man ähnliche Werte an, in Norwegen wird die umweltfreundliche Wasserkraft genutzt. In solchen Ländern sollte das Heizen mit Strom ein Vorteil für die Umwelt darstellen.

Es ist verständlich das sich die Oekologen die eine asketische, mittelalterliche Gesellschaft anstreben über preiswerte und einfache Heizungen grün ärgern.

Vandale


Insobesteht

tst

13.11.2012, 09:56 Uhr

Wie einseitig ist denn dieser Bericht geschrieben...
"Ein Elektroauto ist vor Ort schadstofffrei" Eine Elektroheizung dann doch auch...

"Doch selbst bei geringen Emissionen haben Stromheizungen weiterhin den Nachteil, dass sie für die Wärmebereitstellung einen sehr hochwertigen Energieträger –nämlich Strom – einsetzen."
Beim Elektroauto ist dieser Energieträger nicht mehr hochwertig??

Ich hätte diesen Vergleich dann doch bitte mit Diesel-Auto vs Elektrofahrzeug und Ölheizung (gibt es auch noch genügend) vs Elektroheizung (auch hier gibt es neuere Systeme...)
Oder wenn Gas, dann auch Erdgas-Autos als Vergleich

Ach und beim Elektroauto nicht die Akkus vergessen (Verlust bei Lagerung, Kälte,...)

MBoudik

13.11.2012, 10:49 Uhr

Dem kann ich nur zustimmen. Der Bericht ist sehr beschönigend.

Bitte nicht um den heißen Brei reden: Vergleicht man ein E-Auto zB. mit einem Kleinwagen wie den neuen VW-UP, kommt das E-Auto nicht mehr gut weg.

Genau hier hackt es: Man will uns einreden, „Umweltschutz“ kostet nichts, ja schafft sogar – quasi gratis - viele gute und sichere Jobs. Nur Vorteile, so weit man blickt. Die Mehrkosten und Nachteile – wie massive Job Verluste an anderer Stelle - werden verschwiegen. Wenn die neuen Jobs nicht kommen, waren es die anderen....

Wahr ist, dass die Abgaben und Steuern die Energie massiv verteuert haben. Das ist politisch gewünscht "an der Tanke für die Renten und Griechenland bezahlen...."

Wahr ist, dass die Energiewende durch die Verbraucher finanziert wird. Da bereits viel – auch und gerade in die unwirtschaftliche PV-Technik – investiert wurde, werden die Kosten uns die nächsten 20 Jahre drücken.

Wahr ist, dass dadurch soziale Spannungen verschärft werden.

Die Automobil-Industrie wird zurzeit von einem massiven Absatzrückgang in Europa geplagt. Es fehlt ein Rezept.

Der Verbraucher kann ja auch rechnen, dass ein Mittelklassewagen im Verlauf seines Autolebens für ca. 15.000 – 20.000 Euro Sprit verfährt. Dieses Geld fehlt dem Verbraucher am Ende des Tages….

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