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17.08.2015

13:44 Uhr

Klimaforschung

El Nino schlägt mit Macht zu

El Niño ist schon im Gange, das Klimaphänomen sorgt in Südostasien für Dürren und Waldbrände. Und Experten warnen: Es könnte noch schlimmer werden als in der verheerenden Saison 1997/98.

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BangkokMillionen tote Krabben bedecken Strände in Kalifornien. Ausgemergelte Seelöwenbabys stranden dort in großer Zahl. In Indonesien brennen Tropenwälder. Experten machen dafür das Klimaphänomen El Niño verantwortlich – die Erwärmung des Oberflächenwassers im tropischen Pazifik. Das passiert alle paar Jahre und bringt Wind und Wetter in weiten Teilen der Erde massiv durcheinander. Dieses Mal sind die Prognosen besonders alarmierend.

„Wir rechnen mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit damit, dass El Niño in diesem Jahr stärker wird als 1997/98“, warnt Hilda Carr vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen (EZMW). Schon der El Niño von 1997/98 galt als folgenschwerste in 100 Jahren. Die Bilanz: Massive Ernteausfälle, 33 Milliarden Dollar (30 Milliarden Euro) Schaden weltweit und 23.000 Todesfälle durch Katastrophen.

Zu allem Überfluss fiel die Dürre auch noch mit der Finanzkrise in Asien zusammen. Nahrungsmittelknappheit stürzte Millionen Menschen ins Elend.

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Die US-Klimabehörde NOAA sieht es ähnlich wie die EZMW. Nach ihren Berechnungen könnte der diesjährige El Niño einer der stärksten seit dem Beginn der exakten Aufzeichnungen im Jahr 1950 werden.

El Niño stellt die gewöhnlich vorherrschenden Wetterbedingungen im äquatornahen Pazifik auf den Kopf. Winde treiben die feuchte Luft nicht wie sonst nach Australien und Südostasien, sondern vermehrt nach Osten – an die amerikanische Westküste. Gleichzeitig bleibt dort das kalte und fischreiche Wasser aus der Südpolarregion aus.

Taifune werden noch zerstörerischer

Die Krabbenflut an kalifornischen Stränden erklären Wissenschaftler damit, dass das ungewöhnlich warme Wasser die Tiere vermutlich in unbekannte Meeresregionen treibt. Die Seelöwenbabys hungern offenbar, weil Beutetiere wie Tintenfische und Sardinen fortziehen.

Betroffen von El Niño sind vor allem die Westküste Südamerikas sowie Ostaustralien und Südostasien. Auch wenn man das angesichts der jüngsten Überschwemmungen von Indien über Myanmar bis Vietnam nicht meinen sollte: Weil die aus dem Pazifik kommende Feuchtigkeit mehrheitlich über Südamerika abregnet, fehlt Regen. Schwere Dürren sind die Folge.

Die Philippiner, erst 2013 von dem gewaltigen Taifun „Haiyan“ mit mehr als 7000 Toten getroffen, müssten sich in diesem Jahr auf noch gewaltigere und unberechenbarere Taifune als sonst einstellen, warnt die nationale Wetterbehörde Pagasa. „Wir rechnen mit einem Einbruch der Reisernte um 43 Prozent“, sagt der Vize-Chef des thailändischen Büros für Agrarökonomie, Kanit Likhitvidhayavuth. Indien erwartet mindestens 15 Prozent weniger Regen im September.

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