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27.11.2012

13:41 Uhr

Klimakonferenz Doha

Klimagipfel im Land der Umweltsünder

Ausgerechnet Katar ist Gastgeber des UN-Klimagipfels: Durstige Autos gelten hier als Statussymbol, überall surren die Klimaanlagen, Solarstrom ist ein Fremdwort. Doch langsam bekommt der Golfstaat die Folgen zu spüren

Gasförderanlage nahe Doha. Das Emirat hat den höchsten Pro-Kopf-Ausstoß von CO2 weltweit. AFP

Gasförderanlage nahe Doha. Das Emirat hat den höchsten Pro-Kopf-Ausstoß von CO2 weltweit.

DohaDen Gastgeber eines Weltklimagipfels stellt man sich gemeinhin anders vor. Der Golfstaat Katar widerspricht schon auf den ersten Blick sämtlichen Idealen von Umweltschützern und Klimarettern: Schnellstraßen durchschneiden die karge Wüstenlandschaft, dicke Geländewagen mit hohem Benzinverbrauch fahren darauf. Treibstoff ist hier besonders billig: Benzin kostet umgerechnet gerade mal 20 Cent pro Liter.

Umweltschutz spielt für die Bevölkerung keine Rolle. Leistungsstarke Klimaanlagen arbeiten überall auf Hochtouren. In den Wohnungen, Einkaufszentren und Sportstätten bekämpfen sie die Wüstenhitze, drücken die Temperaturen nach unten, bis es einen fröstelt. Und obwohl an mehr als 350 Tagen im Jahr die Sonne scheint, sucht man vergebens nach Solarzellen auf den Häusern - auch auf Neubauten.

Die 10 größten Klimasünder

CO2-Ausstoß

Mit weitem Abstand führen China und die USA die Liste der Staaten an, die am meisten Kohlendioxid produzieren. Die folgenden Angaben zum CO2-Ausstoß beziehen sich auf das Jahr 2010, neuere Daten sind noch nicht verfügbar.

China

7270 Millionen Tonnen

USA

5369 Millionen Tonnen

Indien

1626 Millionen Tonnen

Russland

1581 Millionen Tonnen

Japan

1143 Millionen Tonnen

Deutschland

762 Millionen Tonnen

Südkorea

563 Millionen Tonnen

Kanada

537 Millionen Tonnen

Iran

509 Millionen Tonnen

Großbritannien

484 Millionen Tonnen

Beim Blick auf die Umweltstatistik des Kleinstaats mit seinen rund 1,8 Millionen Einwohnern kommt Naturfreunden das kalte Grausen. Das Emirat, das etwa halb so groß wie Hessen ist, hat mit rund 40 Tonnen pro Kopf den höchsten Kohlendioxid-Ausstoß der Welt. Grund dafür ist vor allem die Gas-Industrie. Denn Katar ist weltweit der größte Produzent von verflüssigtem Erdgas, eine Technologie mit hohem CO2-Ausstoß.

Doch für den Golfstaat wird das mangelnde Umweltbewusstsein allmählich zum Problem. Die Luftverschmutzung, das Salz im Grundwasser, der drohende Anstieg des Meeresspiegels, all das bereitet dem Emir, Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani, zunehmend Kopfschmerzen. So bekam das Land 2008 ein eigenes Umweltministerium.

Ein Jahr später richtete die Regierung eine Konferenz aus, bei der Strategien für die Reduktion von CO2-Emissionen diskutiert wurden. 2022 will Katar die erste „CO2-neutrale“ Fußballweltmeisterschaft veranstalten.

Kommentare (5)

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vandale

27.11.2012, 19:20 Uhr

Ich hatte ein paar Jahre im Mittleren Osten gelebt und spreche immer noch ein wenig Arabisch.

Die Menschen sind regelmässig sehr religiös, allerdings nicht ökoreligiös.

Mit dem Umweltschutz der meist nichts mit Öko zu tun hat, denn die meisten Ökoprojekte wie die umweltschädlichen Windmühlen und Solarzellen sind wirklich nicht umweltfreundlich, interessiert die Menschen auch wenig. Traditionell wird die Wüste als wertlos empfunden.

Ökoweltuntergangslegenden wie Waldsterben, Dämonische Atomstrahlen, Ozonloch, oder die Legende einer CO2 Klimahölle interessieren in der arabischen Welt nicht allzu sehr.

Ohne die Herrscher von Katar zu kennen vermute ich, dass man diesen von der Grünen Ökowelt vergeschwärmt hat und diese ein wenig Feuer gefangen haben. Allerdings hält solche Begeisterung häufig nicht allzu lange. Irgendwann fragt man dann nach den Kosten. Dann wird es den Ökoträumen wahrscheinlich so gehen wie der Ökostadt Masdar in Abu Dhabi. Das Projekt schrumpfte und schrumpfte und soweit ich gehört habe soll es mittlerweile eine normale Wohnsiedlung mit einer gut sichtbaren, allerdings nicht angeschlossenen Solarzellenanlage an der Ortseinfahrt sein.

Man möge nicht vergessen, dass der Solarstrom in den Golfstaaten genauso wenig nutzbar und nur wenig weniger subventionsbedürftig ist wie in Deutschland.

Vandale

Account gelöscht!

27.11.2012, 19:43 Uhr

Ich bin mir sicher, die Klimagipfelteilnehmer werden pflichtgemäß ihre Klimaanlagen abstellen um CO2 zu "sparen"! Das gibt ihnen dann sich auch das richtige "Klimaerwärmung"-Feeling.
Besser als wieder eine Schneeblamage zu erleben wie damals in Kopenhagen (seitdem war das Treffen immer in warmen Ländern).

SteuerKlasseEins

27.11.2012, 21:52 Uhr

Die Araber werden der deutschen Variante des deutschen "Klimaschutzes" voll und ganz zustimmen. Der deutsche Klimaschutz (im Gegensatz zum traditionellen) besteht darin, CO2 freie Atomkraftwerke abzuschalten und an deren Stelle Kohlekraftwerke und Gaskraftwerke zu bauen, die im Vergleich massenhaft CO2 ausstossen. Zudem erhöhen die deutschen Parteien ganz bewusst den Strompreis, um den Energiespargedanken mit Gewalt durchzusetzen. Damit löst sich auch der Traum von E-Autos in Deutschland in Luft auf, und man wird weiterhin vom Erdöl völlig abhängig sein. Das freut die Ölproduzierenden Staaten, die inzwischen ihre eigene Energieversorgung auf AKW umstellen werden (konkret werden neue AKW gebaut in den Emiraten, Saudi Arabien, Iran, andere haben Pläne)

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