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07.11.2016

08:42 Uhr

Klimakonferenz in Marrakesch

„Es geht darum, alles zu verändern“

Bei der Klimakonferenz in Paris hat sich die Welt im vergangenen Jahr hehre Ziele gesetzt. Doch dafür ist noch reichlich zähe Verhandlungsarbeit nötig. Die soll nun auf der Konferenz in Marrakesch erledigt werden.

Auf der Klimakonferenz in Marrakesch geht es um die konkrete Umsetzung des Abkommens von Paris. AP

Das Konferenzgelände in Marrakesch

Auf der Klimakonferenz in Marrakesch geht es um die konkrete Umsetzung des Abkommens von Paris.

MarrakeschEin knappes Jahr nach Vereinbarung des historischen Klimavertrags beraten die Staaten der Welt in dieser Woche über die Umsetzung. 195 Länder hatten sich in Paris darauf verständigt, die gefährliche Erderwärmung mindestens auf „deutlich unter zwei Grad“ im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Auf der Klimakonferenz in Marrakesch muss nun dieses Ziel in konkrete Schritte und Zeitpläne übersetzt werden.

Die Pariser Konferenz habe zwar Schwung in den Klimaschutz gebracht, aber das reiche nicht, warnte Frankreichs damaliger Außenminister und Konferenzleiter Laurent Fabius. „Unser Haus brennt weiterhin. Es herrscht sogar Alarmstufe rot“, sagte er der Zeitung „Journal du Dimanche“. „Das Klima droht sich stärker und schneller zu verschlechtern als die meisten von uns sich das vorstellen.“

Das steht im Pariser Klimaabkommen

Ziel

Die Erderwärmung soll auf klar unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzt werden. Die Vertragsstaaten sollten sich aber anstrengen, sie bei 1,5 Grad zu stoppen.

Weg zum Ziel

Die Staaten wollen gemeinsam den Netto-Ausstoß ihrer Treibhausgase in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts auf Null bringen. Sie dürfen dann nur noch so viele Treibhausgase ausstoßen, wie etwa mit Waldanpflanzungen aus der Atmosphäre gezogen wird. Nach vorherrschender Forschungsmeinung bedeutet dies, dass die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas im Fall des Zwei-Grad-Ziels zwischen 2050 und 2070 enden muss, denn Kohlendioxid ist sehr langlebig. Die Länder sollen ihre Ziele ab 2020 alle fünf Jahre nachbessern.

Geld für Klimaschutz und Anpassung

Von 2020 bis 2025 sollen die Industriestaaten jährlich 100 Milliarden Dollar (ca. 90 Milliarden Euro) für Entwicklungsländer bereitstellen. Für die Jahre danach soll es ein neues, höheres Ziel geben. Andere Länder „werden darin bestärkt“, sich „freiwillig“ an der Finanzierung zu beteiligen.

Verluste und Schäden

Die Vertragsstaaten erkennen die Notwendigkeit an, ärmeren Staaten bei Verlusten und Schäden durch den Klimawandel zu helfen. Für arme Länder soll beispielsweise ein Versicherungssystem gegen Schäden aufgebaut werden.

Verbindlichkeit

Entscheidende Teile der Vereinbarung sind völkerrechtlich verbindlich. Es gibt jedoch keine Strafen bei Nichterfüllung der Zusagen.

Auch die diesjährigen Gastgeber drängen auf eine „Klimakonferenz der Taten“. Im Kampf gegen die Erderwärmung fordert die marokkanische Umweltministerin Hakima El Haite eine völlige Veränderung des Lebensstils. „Beim (Klima-)Abkommen von Paris geht es darum, alles zu verändern: Wie wir produzieren, wie wir konsumieren“, sagte El Haite. „Wir müssen die Gewohnheiten ändern.“

Die zweiwöchige Konferenz in Marrakesch beginnt mit einer feierlichen Eröffnungssitzung, an der auch UN-Klimachefin Patricia Espinosa und Marokkos Außenminister und Konferenzleiter Salaheddine Mezouar teilnehmen. Während in der ersten Woche vor allem Experten verhandeln, werden in der zweiten Woche Politiker wie Bundesumweltministerin Barbara Hendricks erwartet.

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Ein Aufgebot an Staats- und Regierungschefs wie in Paris, wo Bundeskanzlerin Angela Merkel oder US-Präsident Barack Obama ihr politisches Gewicht in die Waagschale warfen, ist in Marrakesch nicht zu erwarten. Die großen politischen Beschlüsse sind ja bereits gefasst.

In Marrakesch wollen die Delegierten Verfahren und Zeitpläne zur konkreten Umsetzung der Pariser Klimaziele ausarbeiten. Es geht unter anderem um die Frage, wie insbesondere arme Länder bei der Anpassung an die Folgen der Erderwärmung unterstützt werden oder wie die ganz unterschiedlichen Klimaziele der Staaten verglichen werden können.

Gastgeber Mezouar will bei dem Treffen besonders afrikanischen und Inselstaaten eine Bühne geben. Viele Entwicklungs- und Schwellenländer leiden stark unter Wetterextremen, die von Wissenschaftlern auf den Klimawandel zurückgeführt werden.

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