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22.11.2011

10:29 Uhr

Klimaökologie

Wie Moore zu Kohlenstoffschleudern werden

Quelle:Spektrum.de

Entwässerung und Dürren machen nehmen Mooren ihre Fähigkeit als CO2-Speicher und lassen sie zu Kohlenstoffquellen werden. Doch richtig stark werden ihre Kohlendioxid-Emissionen erst, wenn das Ökosystem wieder nass wird.

Moore galten bislang als effektive Kohlendioxid-Speicher - doch das stimmt offenbar nur bedingt. dpa/picture alliance

Moore galten bislang als effektive Kohlendioxid-Speicher - doch das stimmt offenbar nur bedingt.

HeidelbergDie Moore der nördlichen Breiten gelten als große Kohlendioxidspeicher, da ihr dauernasser Zustand verhindert, dass organisches Material effektiv abgebaut wird. Werden sie für den Torfabbau entwässert oder fallen sie durch Dürreperioden trocken, beginnen Mikroben allerdings mit ihrer Zersetzungsarbeit, und aus den Senken werden Quellen für das Treibhausgas.

Die Wiedervernässung dieser Ökosysteme galt daher bislang als effektive Klimaschutzmaßnahme – doch womöglich zu Unrecht, wie nun eine Studie von Nathalie Fenner und Chris Freeman von der Bangor University zeigt: Sobald trockene Moore wieder feucht sind, steigt aus ihnen erst recht CO2 sowie ebenfalls klimaschädliche Methan auf.

Zudem verliere das Ökosystem auch mehr Kohlenstoff, der sich im Wasser gelöst hat und mit diesem abtransportiert wird, so die Forscher, die dieser bislang unterschätzten Reaktion der Moore mit Hilfe von Freilandmessungen und Laborexperimenten auf die Spur kamen. Sobald die organischen Reste dieser Feuchtgebiete trocken fallen, erhöht sich die mikrobielle Aktivität und beschleunigt sich der Zerfall des Materials – unter anderem ausgelöst durch das Enzym Phenoloxidase, das unter feuchten Bedingungen nur gehemmt arbeitet. Dadurch reduziert sich der Phenolgehalt im Torf, der zuvor die Arbeit vieler Bakterienarten beeinträchtigt hat.

Die verbesserten Lebensbedingungen treiben wiederum das Bakterienwachstum an: Es kommt zu einer Kettenreaktion, die letztlich große Mengen Kohlendioxid mobilisiert. Doch dieser Prozess stoppt nicht, wenn Moore wieder vernässt werden – etwa wenn sie nach Dürrezeiten Regenwasser aufsaugen oder die Drainage endet.

Im Gegenteil: Der Trockenheitsstress endet, im Wasser liegen mehr gelöste Nährstoffe vor und außerdem steigt der pH-Wert an, was nun den anaeroben Abbau des Pflanzenmaterials begünstigt, so dass neben CO2 große Mengen an Methan in die Atmosphäre gelangen. iese Quellenwirkung könne über Monate bis Jahre andauern, bis sich im nassen Moor wieder ausreichend Phenole angesammelt haben, die die Zersetzungsaktivität der Mikroben unterbinden, schätzen die Geowissenschaftler.

Als Folge der Erderwärmung stellen sich dadurch womöglich bislang unterschätzte Rückkopplungseffekte ein, wenn häufigere lange Trockenperioden Feuchtgebiete entwässern, die anschließend durch Regen wieder nass werden und dabei Treibhausgase freisetzen, die letztlich wieder den Klimawandel antreiben. Insgesamt bestätigt die Studie jedoch auch die wichtige Rolle der Moore als Kohlenstoffspeicher, die vor Drainage geschützt werden müssen.

 

Von

Daniel Lingenhöhl

Kommentare (1)

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Annett

03.12.2011, 11:03 Uhr

Der Artikel mag eine nicht ganz so schlechte Zusammenfassung des Artikels Fenner, N., Freeman, C., 2011. Drought-induced carbon loss in peatlands. Nature Geosci 4, 895-900. zu sein aber der Titel ist absolut unprofessionell gewählt worden.
Mich würde mal interessieren wer hier der Auftraggeber für diese Anti-Wiedervernässungs Lobby Arbeit ist. Und was der Quatsch soll! Wir wollen doch versuchen langfristig zu denken auch wenn es dem Mensch an sich schwer fällt! Strengt Euch an! Einen Torfkörper kann man nur vor dem verschwinden retten wenn er wiedervernässt wird auch wenn kurzfristige pieks in Kauf geneommen werden müssen. Und diese Trofkörper sind in Jahrhunderten aufgebaut worden also lange schon aus dem C-Kreislauf ausgeschlossen. Geben wir ihn 'frei' verstärken wir das Problem.

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