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20.01.2016

20:32 Uhr

Klimarekord

Warm, wärmer, 2015

Erwartet worden war es schon lange, aber jetzt ist es auch offiziell bestätigt: 2015 war das heißeste Jahr, das bislang gemessen wurde. Der milde Herbst hat auch der Nordsee einen Rekord beschert.

In Deutschland war 2015 das zweitwärmste Jahr nach dem Rekordhalter 2014. dpa

Hitze 2015

In Deutschland war 2015 das zweitwärmste Jahr nach dem Rekordhalter 2014.

New York/HamburgDas Jahr 2015 ist nach Angaben der US-Klimabehörde NOAA das weltweit wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen 1880 gewesen – und zwar mit noch deutlicherem Abstand als erwartet. Die Durchschnittstemperatur über Land- und Ozeanflächen habe um 0,9 Grad Celsius über dem Durchschnittswert des 20. Jahrhunderts gelegen, teilte die NOAA am Mittwoch mit. Damit sei das Jahr 2014, der bisherige Rekordhalter, um 0,16 Grad Celsius übertroffen worden. Dieser Abstand sei so groß wie noch nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen.

Zehn Monate von 2015 – Februar, März, Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober, November und Dezember – knackten ihre jeweiligen Temperaturrekorde. Die Durchschnittstemperatur über Land- und Ozeanflächen lag Dezember um 1,11 Grad Celsius über dem Durchschnittswert des 20. Jahrhunderts. Damit war der Monat deutlich wärmer als der bisherige Rekordhalter, der Dezember 2014, und auch wärmer als es je irgendein Monat seit Beginn der Aufzeichnungen war.

Folgen des milden Winters

Frühe Obstblüte

„Die eine oder andere Obstblüte hat sich schon blicken lassen“, so Biologe Dennis Klein vom Bund für Umwelt und Naturschutz. In Berlin wurden beispielsweise blühende Kirschbäume gesichtet. Im Frühjahr dürften dadurch allerdings entsprechend weniger Blüten an den Obstbäumen sitzen.

Zugvögel

Manche Zugvögel wie etwa Störche sparen sich den Weg nach Afrika und bleiben hier. Wenn kein oder kaum Schnee liegt, finden sie auch hierzulande genug Futter. Auch Kraniche haben sich an die milderen Temperaturen mit weniger Schnee angepasst und bleiben verstärkt in Deutschland.

Streusalz

Für Hersteller von Streusalz sind es jetzt hingegen schlechte Zeiten. „Wir sind auf einen guten Winter angewiesen“, betont der kaufmännische Leiter des Salzbergwerks im baden-württembergischen Haigerloch, Frank Joppen. Ein guter Winter bedeutet für ihn tagsüber Nieselregen und nachts zwei bis drei Grad minus. „Wetter, das sonst keiner haben will.“

Glühwein

Auf Kälte hofft man auch auf Weihnachtsmärkten. „Dass die Temperaturen zurzeit den Glühweinständen nicht besonders entgegenkommen, das ist klar“, sagt der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Schausteller und Marktkaufleute, Hans-Peter Arens. So mancher Budenbetreiber verkauft dieser Tage mehr kaltes Bier als heißen Wein.

Handel

Auch dem Handel kommt das Wetter nicht entgegen. „Wintermode wird dann gekauft, wenn es wirklich kalt draußen ist“, sagt Kai Falk vom Handelsverband Deutschland. „Der Textilhandel leidet schon sehr unter den milden Temperaturen.“ Allein im November seien die Erlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um etwa 5 Prozent zurückgegangen.

Wintersport

Selbst in Bayern ist nur in wenigen hochgelegenen Skigebieten der Betrieb angelaufen. In den Mittelgebirgen wird es nicht kalt genug für Schnee, so etwa im Skigebiet Willingen im hessischen Teil des Rothaargebirges. „Wir warten geduldig, bis es kalt wird und schneit“, sagt Seilbahnbetreiber Jörg Wilke. „Das ist bei aller Technik eben immer noch eine Natursportart.“

Besonders warm war es über das Jahr 2015 verteilt in Zentralamerika, im nördlichen Südamerika, in Teilen Sibiriens sowie im westlichen Asien und in Teilen des nördlichen, südlichen und östlichen Europas.

Diese Daten zeigten, dass der Klimawandel „längst ernste Realität“ sei, sagte Wolfgang Lucht vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Natürlich gibt es immer wieder Schwankungen im Klima, aber der Trend zeigt eindeutig nach oben.“ Nun müssten die Ergebnisse des Klimagipfels von Paris konsequent umgesetzt werden. Dort hatten sich die Staaten im Dezember geeinigt, die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen. „Auch Deutschland sollte als Klimapionier die Umsetzung noch systematischer angehen und das Ende der fossilen Ära herbeiführen.“

In Deutschland war 2015 das zweitwärmste Jahr nach dem Rekordhalter 2014. Es teilt sich den Platz nach Daten des Deutschen Wetterdienstes mit den Jahren 2000 und 2007.

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