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30.01.2012

10:08 Uhr

Klimawandel

Der Golfstrom wärmt sich rascher auf

Der warme Golfstrom gilt als wichtigster Motor für das vergleichsweise milde Klima in Mitteleuropa. Jetzt sind Forscher einer dramatischen Veränderung dieses Stromsystems auf die Spur gekommen.

Ohne den milden Golfstrom würden weite Teile Europas im Eis versinken. obs

Ohne den milden Golfstrom würden weite Teile Europas im Eis versinken.

KielEisfreie Küsten bis in Regionen nördlich des Polarkreises, Laubwälder und Getreideanbau, wo in anderen Erdteilen auf gleichem Breitenkreis Eis und Schnee vorherrschen - das Klima Mittel- und Nordeuropas profitiert in hohem Maße vom warmen Golfstrom und seinen sich weit nach Norden erstreckenden Ausläufern. Forscher des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung (Geomar) in Kiel haben untersucht, wie sich diese gigantische Wärmepumpe in den letzten hundert Jahren verändert hat. Ergebnis: Die Meeresströmung hat sich zwei- bis dreimal rascher erwärmt als der Rest des Ozeans

Der Golfstrom ist nur eine von mehreren sogenannten westlichen Randströmen, die für die Umverteilung von Wärme und Feuchte zwischen den Subtropen und Polargebieten verantwortlich sind. Bis zu 100 Mio. Kubikmeter Wasser transportiert er pro Sekunde an der amerikanischen Ostküste entlang nach Norden. Die Wissenschaftler um Geomar-Forscher Martin Visbeck rekonstruierten die Temperaturentwicklung dieses Stromsystems auf der Basis einer Vielzahl von Beobachtungsdaten und Modellsimulationen.

„Wir haben insgesamt acht verschiedene globale Beobachtungsdatensätze der Temperatur angeschaut sowie Meeresströmungen mit Hilfe eines hochauflösenden Ozeanmodells unter Nutzung von Beobachtungsdaten simuliert“, so Visbeck. „Alles deutet auf eine Veränderung der globalen Ozeanzirkulation durch den Klimawandel hin.“ Demnach hat sich der Golfstrom im Laufe der vergangenen 100 Jahre um etwa 1,2 Grad Celsius erwärmt, der Atlantik dagegen nur um 0,4 Grad.

Vergleichbare Veränderungen finden sich auch bei Randströmungen in anderen Ozeanen zu. Das gelte etwa für Strömungen vor Japan und Australien ebenso wie für solche vor Brasilien und dem südlichen Afrika, so Visbeck. „Mit dieser Studie konnten wir zeigen, dass alle westlichen Randstromregionen über die letzten 100 Jahre eine deutlich stärkere Erwärmung als das globale Mittel zeigen.“ Neben der direkten Wirkung auf das Klima hat die Erwärmung auch Einfluss auf die CO2-Aufnahme der Ozeane: Je wärmer das Meereswasser, desto geringer ist seine Fähigkeit zur Aufnahme des Treibhausgases - was wiederum die globale Klimaerwärmung verstärkt.

Um die Ursachen dieser Entwicklung exakt zu bestimmen und klimabedingte Trends von natürlichen Schwankungen trennen zu können, sind laut Visbeck aber noch weitere Langzeitbeobachtungen nötig. „Der Patient Ozean braucht eine Art Langzeit-EKG“, so der Wissenschaftler. „Mit sporadischen Messungen allein werden wir die Ursache nur sehr schwer finden.“

Von

tt

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

30.01.2012, 11:04 Uhr

Resumée: was genaues weiß man nicht, aber erst einmal Daten rausgeblasen.

norbert

30.01.2012, 13:04 Uhr

@arroganza
Was wollen Sie ? Daß man die Daten nicht veröffentlicht ? Das ist das, was Verschwörungsphantasten und Laienskeptiker gerne den Institutionen vorwerfen, um danch sofort die der Ideologie entsprechende Begründung für diese "Geheimniskrämerei" zu liefern.
Nehmen wir die Information so hin, wie sie ist: Eine Beobachtung eines Phänomens, dessen Ursache noch nicht geklärt ist.
Es wird am Schluß ganz klar gesagt, daß man aus den Daten noch keine Schlüsse ziehen darf. Und für "publish or perish" ist unsere fortschrittsgeile Gesellschaft verantwortlich, nicht die Wissenschaft.

Klimaterror

30.01.2012, 15:17 Uhr

Noch vor kurzem wurde das Gegenteil behauptet. Die Abkühlung in Europa sollte durch die globale Erwärmung verursacht werden. Jetzt doch wieder Erwärmung, oder doch nicht? Am Südpol sind neue Kälterekorde gemessen worden.
Wieder wird eine Sau durch´s Dorf getrieben. Dient alles zu Verwirrung der Menschen.

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