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27.10.2015

10:31 Uhr

Klimawandel

Forscher sagen unerträgliche Hitze für Golfstaaten voraus

Sommerliche Hitze von mehr als 70 Grad? Das wäre unerträglich auch für gesunde Menschen. Genau das könnte laut einer neuen Studie am Persischen Golf drohen, wenn die Welt den Ausstoß von Treibhausgasen nicht bremst.

Städte wie Abu Dhabi, Dubai oder Doha würden dank Klimaanlagen nicht ganz unbewohnbar werden. Aber für Menschen, die im Freien leben und arbeiten oder über keine Klimaanlagen verfügen, wäre es unerträglich, dapd

Skyline von Dubai

Städte wie Abu Dhabi, Dubai oder Doha würden dank Klimaanlagen nicht ganz unbewohnbar werden. Aber für Menschen, die im Freien leben und arbeiten oder über keine Klimaanlagen verfügen, wäre es unerträglich,

WashingtonUS-Forscher schlagen Alarm. Wenn der Ausstoß von Treibhausgasen in ungebremstem Tempo weiter geht, so heißt es in einer neuen Studie, dann könnte es in der Zukunft am Persischen Golf manchmal so heiß werden, dass der menschliche Körper es nicht mehr ertragen kann.

Der Hitzeindex, der sich aus der aktuellen Temperatur und der Luftfeuchtigkeit zusammensetzt, könnte laut der Untersuchung  zum Ende des Jahrhunderts für mindestens sechs Stunden bei 74 bis 77 Grad Celsius liegen. Das haben die Wissenschaftler anhand von Computersimulationen errechnet.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Unter gegenwärtigen Hitzewellen leiden vor allem ältere und kranke Menschen. Würde es aber durch den Klimawandel so heiß, wie in der am Montag im Journal „Nature Climate Change“ veröffentlichten Studie bis Ende des Jahrhunderts vorhergesagt, wären auch junge und gesunde Menschen gefährdet.

„Du kannst in eine feuchte Sauna gehen und die Temperatur auf bis zu 35 Grad oder so stellen. Du kannst das für eine Weile aushalten“, sagt Elfatih Eltahir vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), einer der Autoren der Studie. Aber man solle sich einmal vorstellen, derartigen Bedingungen über einen ausgedehnten Zeitraum von sechs oder mehr Stunden ausgesetzt zu sein.

Seit Beginn der Menschheit habe die Erde keine solcher andauernden und extremen Kombinationen von Hitze und Luftfeuchte erlebt, betont der Professor. Aber angesichts der einzigartigen Geografie und Klimabedingungen am Persischen Golf könne es in Teilen der Region bis zum Jahrhundertende alle zehn Jahre oder so vorkommen, wenn die Kohlendioxid-Emissionen weiter im bisherigen Tempo zunähmen, heißt es in der Studie.

Diese Art von Hitze würde Hitzewellen wie die in Europa, die 2003 zum Tod von mehr als 70.000 Menschen führte, „wie ein erfrischendes Ereignis“ erscheinen lassen, sagt Studien-Koautor Jeremy Pal von der Loyola Marymount University. Es wäre zwar weiterhin ein seltenes Vorkommnis, und Städte wie Abu Dhabi, Dubai oder Doha würden dank Klimaanlagen nicht ganz unbewohnbar werden. Aber für Menschen, die im Freien lebten und arbeiteten oder über keine Klimaanlagen verfügten, wäre es unerträglich, sagen Eltahir und Pal.

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