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13.01.2016

11:12 Uhr

Klimawandel

Rieseneisberge bremsen die Erderwärmung

Quelle:Spektrum.de

Schmelzende Eisberge ziehen eine Spur des Lebens hinter sich her: Sie sorgen für verstärktes Algenwachstum und wirken so dem Klimawandel entgegen. Besonders groß ist der Effekt dabei hinter besonders viel Eis.

Die Eisriesen setzen auf ihrem Weg durch das Meer wertvolle Spurenelemente frei und fördern so das Algenwachstum. ap

Eisberge wirken der Erderwärmung entgegen

Die Eisriesen setzen auf ihrem Weg durch das Meer wertvolle Spurenelemente frei und fördern so das Algenwachstum.

HeidelbergEisberge enthalten wertvolle Spurenelemente wie Eisen und düngen damit bei ihrer Drift durch den Ozean das marine Phytoplankton: Es wächst und gedeiht schneller und nimmt daher vermehrt Kohlendioxid auf.  Auf diese Weise sorgen Eisberge für eine Reduktion des Treibhausgases in der Atmosphäre und bremsen die globale Erwärmung – und dies, wie Geowissenschaftler nun anhand von Satellitenaufnahmen belegen, nicht zu knapp.

Die von Luis Duprat von der University of Sheffield und seinen Kollegen ausgewerteten 175 Aufnahmen des Südpolarmeers waren zwischen 2003 und 2013 aufgenommen worden, jeweils vor und nach der Passage größerer Eisberge von mindestens 18 Kilometern Länge. An der Färbung des Ozeans ließ sich auf das Ausmaß der von den Eisbergen geförderten Algenblüte schließen.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Wie sich zeigte, wuchsen in einem Abstand von vier bis zehn Eisberglängen verstärkt Algen – und das mehr als einen Monat lang wuchsen. Damit fördern die Eisriesen das Wachstum deutlich stärker, als nach früheren Untersuchungen an kleineren Eisbergen erwartet worden war.

Die Meere um Antarktika haben für das globale Klima eine besondere Bedeutung, weil hier besonders große Mengen Kohlendioxid gebunden werden. Nach den neuen Berechnungen könnten rund 20 Prozent der um die Antarktis von Plankton gebundenen Kohlendioxidmengen auf den Einfluss der Eisberge zurückzuführen sein.

Der Einfluss der Eisriesen könnte sich in Zukunft noch verstärken: Experten rechnen damit, dass mit zunehmender Erwärmung immer mehr große Eisberge vom Antarktischen Schelf kalben und ihre Reise durchs Meer beginnen – um dort dann der Erwärmung entgegenzuwirken.

Von

Jan Osterkamp

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