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04.04.2016

19:48 Uhr

Klimawandel

Zwei Grad Celsius verursachen Billionen-Schaden

Der Klimawandel gefährdet weltweite Vermögenswerte in Billionenhöhe. Dürreperioden und Hitzewellen führen laut Experten zu Migrationsbewegungen, die das Wirtschaftswachstum bremsen und die Entwicklung der Märkte bremsen.

Der Klimawandel bedroht nicht nur Umwelt und Natur, sondern auch die Vermögenswerte weltweit. dpa

Klima

Der Klimawandel bedroht nicht nur Umwelt und Natur, sondern auch die Vermögenswerte weltweit.

OsloDie Folgen des Klimawandels gefährden einer Studie zufolge weltweit Vermögenswerte in Billionenhöhe. Schon eine Erderwärmung von höchstens zwei Grad Celsius bis zum Jahr 2100 bedeute ein Risiko für Finanzvermögen außerhalb von Banken in Höhe von 1,7 Billionen Dollar, heißt es in der am Montag unter der Leitung der London School of Economics veröffentlichten Untersuchung.

Im Dezember hatte sich der Klimagipfel in Paris auf das Ziel verständigt, die Erderwärmung im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten auf weniger als zwei Grad zu begrenzen. Der Studie zufolge droht bei einem Anstieg von 2,5 Grad ein Schaden von 2,5 Billionen Dollar. Weltweit belaufen sich die Finanzvermögen außerhalb von Banken laut Finanzstabilitätsrat (FSB) derzeit auf 143 Billionen Dollar.

Fünf Gründe, warum ein Weltklimavertrag so schwierig ist

Klimawandel

Wissenschaftlich gibt es am Klimawandel eigentlich keine Zweifel mehr, aber über die angemessene Antwort streitet die Staatengemeinschaft seit Jahrzehnten. Die fünf Hauptgründe.

1. Es geht nicht nur um die Klimasünden von heute

Heute stößt das Schwellenland China deutlich mehr Treibhausgase aus als die USA. Aber CO2 wirkt in der Atmosphäre etwa 100 Jahre lang nach, und historisch betrachtet sind die heutigen Industrieländer die Hauptverantwortlichen für die Erderwärmung. Rechnet man alle Emissionen seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen um 1850 zusammen, führen die USA gefolgt von der EU die Liste an. Die aufstrebenden Wirtschaftsnationen leiten daraus ein Recht auf eine „nachholende Entwicklung“ ab. Wer gerechterweise wie viel für den Klimaschutz zu tun hat - das hängt also von der Betrachtungsweise ab.

2. Alle sehen zuerst die Anderen in der Pflicht

Das Bild sieht noch einmal anders aus, wenn man statt der nationalen Gesamtemissionen den Pro-Kopf-Ausstoß anschaut - also wie viel jeder einzelne Bürger eines Staates zur Erderwärmung beiträgt. Hier relativiert sich der Anteil der bevölkerungsreichen Länder China und Indien am Klimawandel, Hauptsünder sind nun Australien, die USA, Saudi-Arabien und Kanada. Mit der passenden Statistik lässt sich der Schwarze Peter also immer den Anderen zuschieben.

. Der Klimawandel trifft vor allem die Schwachen

Die klimatischen Veränderungen werden weltweit zu spüren sein, aber vor allem Menschen in Entwicklungsländern besonders hart treffen. Niedrig liegende Küstengebiete etwa in Bangladesch und Inseln wie die Malediven sind von einem Anstieg des Meeresspiegels bedroht, in der Sahelzone lassen Dürren und Überschwemmungen Trinkwasser und Nahrung noch knapper werden. Den Leidtragenden mangelt es nicht nur am Geld und an der Technologie, um sich darauf einzustellen. Sie haben in den Gesprächen auch eine vergleichsweise schwache Verhandlungsposition.

4. Unterschiedlichste nationale Interessen müssen unter einen Hut

Auch wenn die Notwendigkeit, etwas zu tun, überall gesehen wird - verbindliche Zusagen kollidieren nicht selten mit wirtschaftlichen oder machtpolitischen Interessen. Für die Schwellenländer hat das schnelle Wirtschaftswachstum Priorität. Die Golfstaaten leben vom Erdölexport. Vor allem Brasilien belastet das Weltklima mit der Rodung der Amazonas-Regenwälder. Australien, die USA und Kanada setzen traditionell auf fossile Energieträger. In den Verhandlungen sind diese Staaten in der Vergangenheit oft als Bremser aufgetreten.

5. Mit Klimaschutz lässt sich zu Hause schlecht Wahlkampf machen

Die Klimapolitik einzelner Staaten kann sich mit der innenpolitischen Konstellation schnell ändern. In Deutschland lässt der Atomausstieg die CO2-Emissionen wieder ansteigen. Die australischen Konservativen haben gerade die Klimaschutz-Steuer der Vorgänger-Regierung kassiert. US-Präsident Barack Obama weckte Hoffnungen auf eine Kehrtwende in der amerikanischen Klimapolitik, aber für ein Gesetz fehlt seinen Demokraten die Mehrheit im Kongress. Dazu kommt, dass das komplexe Problem Klimawandel, dessen Auswirkungen sich bisher gut ausblenden lassen, sich nur bedingt im Wahlkampf verkaufen lässt. Das Thema ist also prädestiniert dafür, auf die lange Bank geschoben zu werden.

Dürreperioden, Hitzwellen und Überschwemmungen führten zu Migrationsbewegungen, die das weltweite Wirtschaftswachstum ausbremsten und die Entwicklung der Aktien- und Anleihemärkte behinderten, argumentieren die Wissenschaftler. Schaden nehmen könnten verschiedenste Wirtschaftsbereiche auch, indem Gebäude, Brücken und Straßen durch Stürme und Fluten zerstört werden.

Verluste in der Landwirtschaft drohten sich ebenfalls negativ auszuwirken. Deshalb sollten sich Investoren verstärkt für die Verringerung von Treibhausgasen einsetzen, fordern die Wissenschaftler.

Von

rtr

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