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28.04.2011

16:40 Uhr

Knappe Ressource

Sauberes Wasser wird zum Zukunftsmarkt

VonChris Löwer

Experten Schlagen Alarm: Schon in zehn Jahren könnte weltweit jeder dritte Mensch nur halb so viel Wasser bekommen, wie er benötigt. Siemens und General Electronics arbeiten an neuer Technik zur Wasseraufbereitung.

Schon in zehn Jahren könnte weltweit jeder dritte Mensch nur halb so viel Wasser bekommen, wie er benötigt. Quelle: dpa

Schon in zehn Jahren könnte weltweit jeder dritte Mensch nur halb so viel Wasser bekommen, wie er benötigt.

BerlinForscher warnen vor einer weltweiten Wasserkrise. Die Sorge um sauberes Wasser wird verschärft durch die steigende Nachfrage in der Industrie, Landwirtschaft und Energieproduktion. Schon in zehn Jahren könnte weltweit jeder dritte Mensch nur halb so viel Wasser bekommen, wie er braucht, um seine Grundbedürfnisse zu befriedigen. Das prognostizierten Wissenschaftler kürzlich bei der internationalen Konferenz des „Canadian Water Network“.

Eine Schlüsselrolle für Wasserverfügbarkeit spielt die Aufbereitung. Noch bleiben weltweit etwa 70 Prozent der Industrieabwässer ungeklärt. „Die Technologie existiert, um viel mehr Wasser wiederzuverwerten, als wir es heute tun“, sagt Heiner Markhoff, Leiter der Sparte GE Water & Process Technologies von General Electric. In Industrieanlagen oder Kraftwerken liege Potenzial für die Aufbereitung.

Industriebrühe wird trinkbar

Auch könne mehr kommunales Abwasser für den industriellen Bedarf nutzbar gemacht werden – etwa zur Kraftwerkskühlung. Gäbe es eine politisch motivierte Förderung – „durch öffentliche Zuschüsse, steuerliche Anreize für die Industrie und eine andere Preisgestaltung“ – wäre laut Markhoff je nach Industriezweig und Prozess ein Recycling zu fast 100 Prozent möglich. Auch stark verschmutzte Industrieabwässer könne man in Trinkwasser überführen, etwa durch die Kombination von Verfahren im ZeeWeed-Membranbioreaktor (MBR) mit der Umkehrosmose (UO).

Den Kern bilden dabei sogenannte Hohlfasermembranen, lange schmale Röhren mit Milliarden mikroskopisch kleiner Poren auf der Oberfläche. Sie sind tausendmal kleiner als der Durchmesser eines menschlichen Haars. Sauberes Wasser fließt hindurch, Partikel wie Bakterien werden zurückgehalten. Durch solche Membranfiltration würden Krankheitserreger vollständig vom gereinigten Wasser abgetrennt. Auch hohe hygienische Anforderungen würden dadurch erfüllt.

In den nächsten Jahren wächst der Weltmarkt für Wassertechnologien, den Experten heute auf eine Größe von 400 Milliarden Dollar taxieren. Im Jahr 2020 soll das Volumen bereits eine Billion US-Dollar jährlich betragen, was einem Viertel des Umsatzes der globalen Bauindustrie entspricht. Es geht um das Aufspüren neuer Wasservorkommen, um Wassermanagement, Technologien zur Filterung, Desinfektion und Entsalzung sowie um eine verlustfreiere Infrastruktur.

Auch Biotechnologie leistet einen wertvollen Beitrag. Durch Bakterien lassen sich aus Abwässern des Bergbaus Selen und andere toxische Metalle abbauen, was mit üblichen Verfahren kaum gelingt. Die bisweilen energieaufwendigen Prozesse laufen durch Mikroben als biologisch aktive Filter sparsamer ab.

Siemens arbeitet an einem Verfahren auf Biobasis, bei dem kommunales Schmutzwasser fast energieneutral aufbereitet wird. Bakterien wandeln die Verunreinigungen über mehrere Stufen so um, dass deutlich weniger Energie benötigt wird und nur halb so viel Klärschlamm wie sonst anfällt. Statt ihn zu verbrennen oder zu deponieren, wird aus dem Rest Methangas zur Energieerzeugung gewonnen. Damit werden auch Kohlendioxidemissionen deutlich gesenkt.

Kommentare (3)

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MikeM

30.04.2011, 01:03 Uhr

Bald werden unsere Politiker uns verpflichten, angesichts der weltweiten Wasserknappheit (v.a. in Afrika), bei uns Wasser zu sparen. Wir werden diese geklärten Industrieabwässer trinken müssen. Der Ausstieg aus der Nutzung des frei verfügbaren Quellwassers wird beschlossen. Und die Grünen werden begeistert sein!

LouisWu

30.04.2011, 08:31 Uhr

Die Zukunft des Wassers, der Wasserversorgung und des Wassermanagements muß dezentral geregelt werden. Sauberes Trinkwasser und Abwasserentsorgung ist ein Menschenrecht ( Un- Konvention) und kein Spekulationsobjekt! Es gibt bereits ganz andere Verfahren zur kostengünstigen und dezentralen Wasseraufbereitung, die aber zu den Geschäftsmodellen der Multis nicht unbedingt kompatibel sind! (z.B. www.lavaris.com)

macrexx

08.05.2011, 11:30 Uhr

... und was passiert mit dem Dreck, den man mit modernsten Verfahren aus dem Wasser herausgefiltert hat??? Wäre es nicht intelligenter, darüber nachzudenken, wie die Verschmutzung des Wassers verringert wird, anstatt es hinterher aufwendig zu säubern?

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