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12.03.2011

10:30 Uhr

Kommentar

Das Ende der Atom-Illusion

VonJürgen Flauger

Die Kühlsystene fallen aus, Anwohner werden evakuiert, es explodiert, es droht eine Kernschmelze. Die Lage im Kernkraftwerk Fukushima nach dem Mega-Erdbeben in Japan sind dramatisch. Noch sind Ursachen und Folgen nicht in all ihrer Tragweite absehbar. Eines ist aber schon jetzt klar: Die Katastrophe wird die Zukunft der Kernenergie nachhaltig beeinflussen. Ein Kommentar.

Jürgen Flauger ist Experte für die Energiebranche beim Handelsblatt. Quelle: Pablo Castagnola

Jürgen Flauger ist Experte für die Energiebranche beim Handelsblatt.

Für die Atombranche ist sie auf jeden Fall der GAU. Die immer wieder propagierte Renaissance der umstrittenen Technik könnte schon zu Ende gehen, ehe sie richtig eingesetzt hat.

Natürlich war das Erdbeben in Japan ein Naturkatastrophe, die in ihrer Heftigkeit nur wenig vergleichbares kennt. Und natürlich sind solche Erdbeben in anderen Regionen der Welt auszuschließen, insbesondere in Deutschland.

Die Katastrophe von Fukushima nimmt der Atombranche aber eine Illusion: Die, dass die Technologie, die solch großen Schaden für Mensch und Natur anrichten kann, in weitest gehendem Maße beherrschbar ist. Die Atomlobby hat nie behauptet, dass der Betrieb von Kernkraftwerken fehlerfrei sei. Im Gegenteil, sie hat Fehler und Probleme immer einkalkuliert. Sie müssten nur beherrschbar sein, lautete die Argumentation. Mit doppelt und dreifachen Sicherheitssystemen sollten Probleme aufgefangen werden. Ein GAU sei so auszuschließen.

Das Erdbeben in Japan und der Tsunami haben das Gegenteil bewiesen. Die Natur ist stärker als das Know-how der Menschen. Der Betreiber konnte die Folgen nicht mehr beherrschen, die Sicherheitssysteme brachen in einem nicht kalkulierten Maße zusammen, über Stunden hinweg gelang es den Mitarbeitern nicht sie wieder ans Laufen zu bringen - und letztlich müssen sie hilflos zusehen, wie sich die gewaltige Energie der Kernbrennstoffe ihren Weg bahnen.

Dabei liegt das Kernkraftwerk nicht in einem Entwicklungs- oder Schwellenland mit vielleicht fragwürdigen Sicherheitsstandards, sondern in Japan. Einem Staat mit größtem technischen Know-how. Hier sitzen einige der wenigen Konzerne, die überhaupt Kernkraftwerke bauen. Und auch das Risiko von Erdbeben war in dieser gefährdeten Region bewusst eingeplant. Aber eben offenbar nicht nicht groß genug.

Die Kritiker, die immer davor gewarnt haben, dass sich die Kernenergie nicht beherrschen lässt, haben recht gehabt - und die Befürworter sind einer Illussion beraubt.

 

Kommentare (32)

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bastian

12.03.2011, 11:27 Uhr

ja, das ist wahrscheinlich das positive an diesem gau ...

Account gelöscht!

12.03.2011, 11:56 Uhr

Ja,
das ist klar und richtig zusammen gefasst. Ich bin jemand der Atomkraft für unverzichtbar hielt - aber wir müssen aus dieser Technik heraus. Alle Träume, mit Sicherheitstechnik die klassiche Kernenergie gefügig zu machen sind gescheitert. Das muss das Ende dieser Technik sein - die Risiken sind einfach nicht kalkulierbar.

Idiologe

12.03.2011, 12:04 Uhr

Müßt denn, Ihr Atomklugscheißer. vor Details feststehen
schon wieder Eure idiologischen Weißheit streuen?
Typisch DEUTSCH. Wenn ein Flugzeug mit 200 Toten abstürzt ist man doch auch nicht geleich dabei das Fliegen abzuschaffen.
Solche Schreibelinge verurteile ich!

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