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29.04.2011

15:21 Uhr

Kraft-Wärme-Kopplung

Mehr Energieeffizienz - auch für Privathaushalte

VonMathias Peer

Ein großer Teil der Energie verpufft in Gaskraftwerken als Abwärme. Dezentrale Anlagen beheben das Problem. Die Industrie profitiert davon bereits. Jetzt sollen sich die Lösungen auch in Privathaushalten durchsetzen.

Turbinenmonteur bei Siemens: K leinstkraftwerke erreichen noch nicht die hohen Standards der großen Vorbilder. Quelle: dapd

Turbinenmonteur bei Siemens: Kleinstkraftwerke erreichen noch nicht die hohen Standards der großen Vorbilder.

KölnWährend die Politik noch über die Energiewende diskutiert, hat sich der Chemieriese Dow bereits entschieden: Seine Chloranlage in Stade will das Unternehmen künftig zu großen Teilen mit Strom aus einem werkseigenen, hocheffizienten Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD) versorgen. Als "wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung und zum Klimaschutz" lobte Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister die 400-Millionen-Euro-Investition des Chemiekonzerns bei der Grundsteinlegung Ende März. Denn Gas ist mit Abstand der emissionsärmste fossile Energieträger.

Weil das geplante Kraftwerk in Stade auch die Abwärme weiterverwendet, die bei der Stromproduktion entsteht, erreicht die Anlage einen hohen Wirkungsgrad von 85 Prozent. Das hauseigene Kraftwerk soll so nicht nur Brennstoffkosten einsparen, sondern das Unternehmen auch von schwankenden Preisen an den Strombörsen unabhängiger machen.

Die neu entfachte Debatte um einen möglichen Ausstieg aus der Atomenergie hat der dezentralen Energieversorgung über Gaskraft nicht nur bei Dow neuen Auftrieb verliehen: Nach einer Studie des baden-württembergischen Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung (ZSW) könnte Deutschland bereits 2020 vollständig ohne Atomstrom auskommen. Voraussetzung dafür sei allerdings die verstärkte Einbindung von dezentraler Stromerzeugung mit Gas und Kraft-Wärme-Kopplung.

"Das ist schon deshalb erforderlich, weil noch Zeit benötigt wird, um Speichertechnologien so auszubauen, dass hohe Anteile von Sonnen- und Windenergie möglich sind", sagt Frithjof Staiß, geschäftsführender Vorstand des ZSW. Denn Strom aus erneuerbaren Energieträgern lässt sich nur schlecht aufbewahren. Wenn Flaute herrscht oder sich der Himmel verdunkelt, können Gaskraftwerke aber binnen Sekunden zugeschaltet werden, um Schwankungen auszugleichen.

Wie effizient und umweltfreundlich sich die Energieversorgung über Gaskraft realisieren lässt, hängt entscheidend davon ab, wie nah Kraftwerke am Verbraucher stehen. Denn selbst in der derzeit modernsten GuD-Anlage können nur 60 Prozent der Energie in Strom umgewandelt werden. Der Rest ist Wärmeenergie, die in zentralen Großkraftwerken auf der grünen Wiese meist nicht sinnvoll genutzt werden kann. Über Kraft-Wärme-Kopplung lässt sich dieses Manko beheben: Wenn der Strom dort produziert wird, wo Wärme benötigt wird, verbessert sich die Bilanz in Sachen Energieeffizienz erheblich.

Kommentare (2)

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02.05.2011, 02:58 Uhr

Die Idee, Kernenergie durch Gas zu ersetzen, ist absurd. Abgesehen davon, dass Gas überhaupt keine umweltfreundliche Alternative ist (weil bei der Gasförderung Unmengen von Treibhausgas und Giftstoffen in die Atmosphäre gelangen) wird - weil alle auf Erdgas setzen - Erdgas so teuer werden, dass die hier beschriebene Technologie zur Ineffizienz verdammt ist. So hat Gasprom am letzten Donnerstag bereits eine Preiserhöhung um 44% angekündigt.
Früher oder später werden auch die letzten Ökochaoten begreifen, dass es zum Neubau von Kernkraftwerken keine Alternativen gibt.

Nachdenker

03.05.2011, 13:13 Uhr

Energieeffizienz - gut und schön.
Aber nicht auf Teufel komm raus!

Es geht schon im Kleinen mit den sog. Brennwertthermen los. Die Einsparung, die dem Kunden mit den Geräten versprochen wird, hebt sich recht schnell durch den höheren Gerätepreis/Abschreibung und die deutlich geringere Lebensdauer infolge Korrosion des Heizkessels auf.

Was die Ökofetischisten anderen vorwerfen, betrifft leider im vollen Umfang auch sie selbst: Kurzsichtiges Denken!

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